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UNO-Sicherheitsrat bespricht zum AKW Saporischja
Aus Tagesschau vom 12.08.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Situation

Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben bei schweren Angriffen in der Ostukraine Fortschritte erzielt. «Beim Vorstoss in Richtung Horliwka – Sajzewe hatte der Feind teilweise Erfolg», teilte der ukrainische Generalstab am Freitag in seinem Lagebericht mit.

Die Grossstadt Horliwka nördlich von Donezk wird bereits seit 2014 von den prorussischen Separatisten kontrolliert. Nun wurden offenbar die stark befestigten ukrainischen Stellungen nördlich der Stadt im Donbass gestürmt. Kämpfe wurden auch vor Donezk und südlich des Verkehrsknotenpunkts Bachmut gemeldet, der Teil des Verteidigungswalls um den letzten von Kiew kontrollierten Ballungsraum im Donbass, Slowjansk – Kramatorsk, ist.

In beiden Fällen halten die Gefechte den ukrainischen Angaben nach an, während sie an anderen Stellen zurückgeschlagen worden seien. Unabhängig lassen sich die Berichte nicht überprüfen.

In der Nacht auf Donnerstag sollen mehr als 120 Raketen in der Gegend um die Stadt Nikopol eingeschlagen haben. Zuvor wurden in der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk durch russischen Beschuss 13 Menschen getötet und elf verletzt, sagte der Chef der Militärverwaltung in der genannten Region, Walentyn Resnitschenko. Getroffen wurde der Bezirk Nikopol und die Kleinstadt Marhanez, wie er über die Nachrichten-App Telegram mitteilte.

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben durch Raketenbeschuss eine Brücke beim Staudamm von Nowa Kachowka im Süden der Ukraine unbrauchbar gemacht. «Der Treffer war akkurat, aber wirksam», teilte das Armeekommando Süd per Facebook mit. Von der Besatzungsverwaltung gab es dazu bisher keine Informationen.

Einschätzungen aus Grossbritannien

Die Explosionen auf einem russischen Militärstützpunkt auf der Krim am vergangenen Dienstag beeinträchtigen nach britischen Angaben die Einsatzfähigkeit der Schwarzmeerflotte.

Der Flugplatz von Saki sei zwar wahrscheinlich noch betriebsbereit, teilt das Verteidigungsministerium in London unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. Allerdings seien acht Kampfjets ziemlich sicher entweder zerstört oder schwer beschädigt worden. Damit seien die Luftraum-Einsatzmöglichkeiten der Schwarzmeerflotte erheblich geschwächt worden.

Russland nutzt die Krim als Basis für seine Schwarzmeerflotte und als Hauptnachschubroute für seine Invasionstruppen im Süden der Ukraine. Der Stützpunkt Saki spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Ursache für die Explosionen sei nach wie vor unklar, erklärt das britische Verteidigungsministerium. Russland hat von einem Unfall gesprochen. Die Ukraine hat sich öffentlich nicht klar geäussert.

Sorge um AKW Saporischja

Das unter anhaltendem Beschuss stehende ukrainische Atomkraftwerk Saporischja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) momentan kein Sicherheitsrisiko.

«IAEA-Experten haben vorläufig festgestellt, dass keine unmittelbare Bedrohung der Sicherheit infolge des Beschusses oder anderer militärischer Aktionen besteht. Dies kann sich jedoch jederzeit ändern», sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Donnerstag bei einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York. Er forderte Moskau und Kiew auf, einen Besuch internationaler Experten schnell zu ermöglichen.

Russland hat eine Übergabe des AKW Saporischja an ein internationales Verantwortungsgremium oder an die Ukraine selbst bislang ausgeschlossen.

Derweil meldete das staatliche ukrainische Energieunternehmen Energoatom den erneuten russischen Beschuss des AKW in Saporischja. Nach Angaben von Energoatom wurde das Gelände des Kraftwerks mehrfach beschossen, auch in der Nähe des Lagerorts für radioaktive Stoffe. Niemand sei verletzt worden und die Situation im Kraftwerk sei unter Kontrolle. Demnach gab es keinen Brand und auch keine erhöhten Radioaktivitätswerte.

Russland beschuldigt die Ukraine, das Atomkraftwerk unter Beschuss genommen zu haben. Dies berichtet die amtliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die örtlichen, von Russland eingesetzten Behörden. Die Ukraine bezichtigte Russland der Inszenierung.

Militärische Unterstützung

Grossbritannien kündigt am Donnerstag die Lieferung weiterer Mehrfachraketenwerfer an die Ukraine an, deren Geschosse eine Reichweite von bis zu 80 Kilometer haben. Diese «jüngste Tranche militärischer Unterstützung» werde es der Ukraine ermöglichen, sich «weiterhin gegen die russische Aggression» und den «willkürlichen Einsatz von Langstreckenartillerie» zu verteidigen, sagt Verteidigungsminister Ben Wallace.

Auch US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat der von Russland angegriffenen Ukraine bei einem Besuch in Lettland am Mittwoch die anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten zugesichert. «Wir sind entschlossen, der Ukraine zu helfen, der Ukraine die Ausrüstung und Fähigkeiten bereitzustellen, die es ihr ermöglichen, ihr Hoheitsgebiet zu verteidigen», sagte der Pentagon-Chef in Riga nach einem Treffen mit dem lettischen Verteidigungsminister Artis Pabriks. Die US-Regierung hat unterdessen weitere Rüstungslieferungen an die Ukraine in Milliardenhöhe angekündigt. In dem eine Milliarde US-Dollarschweren Hilfspaket seien unter anderem zusätzliche Munition für die Raketenwerfersysteme des Typs Himars und Nasams und 1000 Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin enthalten, teilte das Pentagon mit.

Nahrungsmittel-Transporte werden fortgesetzt

Der jüngst wieder aufgenommene Agrar-Export aus ukrainischen Schwarzmeer-Häfen geht nach türkischen Angaben weiter. Am Freitag haben zwei weitere Schiffe die Ukraine verlassen.

Die unter belizischer Flagge fahrende Sormowski verliess den ukrainischen Hafen von Tschornomorsk mit 3050 Tonnen Weizen an Bord und ist auf dem Weg in die nordwestliche türkische Provinz Tekirdag. Die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Star Laura verliess den Hafen Pivdennyi in Richtung Iran mit 60'000 Tonnen Mais an Bord.

UNO erwartet steigende Getreideausfuhren

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Nach dem Getreide-Deal zwischen Moskau und Kiew erwarten die Vereinten Nationen steigende Ausfuhren aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Eine Reihe von Schiffen würden momentan auf die Genehmigung zur Fahrt in Richtung der ukrainischen Häfen warten «und wir erwarten einen grossen Aufwärtstrend bei den Anträgen für den Transit», sagte der UNO-Koordinator für die Ausfuhren, Frederick Kenney, in New York.

Die Ausfuhren aus den ukrainischen Häfen waren bis zu einer von der Türkei vermittelten Einigung von den russischen Streitkräften blockiert worden. Insgesamt haben seit der Vereinbarung 14 Schiffe die Ukraine verlassen.

Kriegsopfer

Armeeangehörige: Ein genaues Bild über Todesopfer – sowohl auf russischer wie auf ukrainischer Seite – gibt es nicht. Die Angaben und Schätzungen gehen weit auseinander. Die Ukraine geht davon aus, dass 43'200 russische Armeeangehörige ihr Leben verloren haben (Stand 11. August). Westliche Experten zweifeln diese Zahl an.

Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums auf russischer Seite 70'000 bis 80'000 Menschen getötet oder verletzt worden. Die russische Armee habe ausserordentliche Verluste gemacht, weil das ukrainische Militär gut funktioniere und viel Unterstützung bekommen habe, sagte der Pentagon-Spitzenbeamte Colin Kahl.

Derweil kündigte der Chef der Separatistenverwaltung der Region Donezk, Denis Puschilin an, Hunderten Kämpfern des Asow-Regiments aus Mariupol «noch in diesem Sommer den Prozess zu machen». Das Asow-Regiment erlangte internationale Aufmerksamkeit durch seinen Widerstand gegen die russische Belagerung des Stahlwerks von Mariupol. 

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldawien und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Zivile Opfer: Gemäss ukrainischen Polizeiangaben sind bisher über 12'000 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen. Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bisher 5237 getötete und 7035 verletzte Zivilisten durch den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine gezählt (Stand 25. Juli). Man gehe jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher seien.

Flüchtende: Mehr als 10.6 Millionen Menschen haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine das Land verlassen. Das teilt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Auch innerhalb der Ukraine befinden sich mehrere Millionen Menschen auf der Flucht.

In der Schweiz haben bis Donnerstag 62'351 Geflüchtete aus der Ukraine den Schutzstatus S beantragt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Twitter bekannt gab. 60'198 Personen haben bisher diesen Status erhalten.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 10.08.2022, 12:45 Uhr;

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