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Drei Monate Krieg in der Ukraine
Aus Tagesschau vom 24.05.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Aktionen

Die russischen Streitkräfte setzten am Montag und Dienstag ihre Offensive im Osten und Süden des Landes fort. Vor allem im Donbass und dem Gebiet der Stadt Mykolajiw im Süden tobten zum Teil heftige Kämpfe. Raketen zerstörten zudem Infrastruktur wie Bahngeleise im Gebiet Dnipropetrowsk.

Die heftigsten Gefechte lieferten sich beide Seiten zuletzt im Gebiet der Zwillingsstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk nordwestlich von Luhansk im Osten der Ukraine, wie ein Berater des Innenministeriums sagte. Die russischen Truppen versuchen bereits seit Mitte April, die Reihen hier zu schliessen und die ukrainischen Verbände einzukesseln. Serhij Gajdaj, der Gouverneur von Luhansk, sagte im lokalen Fernsehen, die russischen Truppen verfolgten eine Taktik der «verbrannten Erde». Sie wollten Sjewjerodonezk «auslöschen».

Verhandlungen und Diplomatie

Bundespräsident Ignazio Cassis und WEF-Gründer Klaus Schwab haben am Montag das Weltwirtschaftsforum WEF eröffnet. Dabei wurde der ukrainische Präsident via Video zugeschaltet. Er äusserte seine Erwartungen an die Tessiner Wiederaufbaukonferenz. Wolodimir Selenski hofft, dass die grossen Unternehmen und Partnerländer an der Wiederaufbaukonferenz im Juli im Tessin Wege finden und eigene Vorschläge machen würden, um die Ukraine beim Aufbau zu unterstützen, wie Selenski vor der WEF-Gemeinschaft sagte. Es gebe sehr viel zu tun, die Zerstörung sei enorm.

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Cassis und Selenski am Weltwirtschaftsforum
Aus Tagesschau vom 23.05.2022.
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Die Ukraine schliesst einen sofortigen Waffenstillstand mit Russland aus und ist nicht dazu bereit, der Regierung in Moskau territoriale Zugeständnisse zu machen. «Der Krieg muss mit der vollständigen Wiederherstellung der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine enden», schrieb der Stabschef des Präsidialamts, Andrij Jermak, auf Twitter.

Ukraine warnt vor Aktivitäten an belarussischer Grenze

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Die ehemalige Sowjetrepublik Belarus, die sich bislang nicht aktiv am russisch-ukrainischen Krieg beteiligt hat, zieht nach Angaben aus Kiew Streitkräfte an der Grenze zusammen. «Die belarussischen Streitkräfte führen verstärkt Aufklärung durch und haben zusätzliche Einheiten im Grenzbereich aufgestellt», teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Montag mit. Demnach bleibe die Gefahr von Raketen- und Luftangriffen auf die Ukraine von belarussischem Gebiet aus erhalten.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat sich nicht mit eigenen Truppen an dem Ende Februar von Russland begonnenen Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Allerdings durften russische Truppen das Land als Aufmarschgebiet für den Angriff nutzen. Kiew sieht daher Minsk nicht als neutral an und befürchtet potenziell ein Eingreifen belarussischer Soldaten aufseiten Russlands in den Konflikt.

Unterdessen hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin am Montag in Sotschi mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko getroffen, um über die Zusammenarbeit der beiden Länder und einen im Aufbau befindlichen Unionsstaat zu reden.

Russland ist nach Angaben eines Putin-Beraters zu einer Wiederaufnahme der Gespräche mit Kiew bereit. Er sehe jedoch die Ukraine im Zugzwang, sagte Wladimir Medinski im belarussischen Staatsfernsehen. Medinski schloss auch ein Treffen zwischen Putin und Selenski nicht aus.

Selenski würde sich mit seinem Amtskollegen Putin als einzigem russischen Vertreter treffen. Dabei würde es auch nur ein einziges Thema geben, das Ende des Krieges, sagt Selenski per Videoschalte vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Angesichts des russischen Vorgehens gegen Zivilisten in den besetzten Teilen der Ukraine werde es jedoch immer schwieriger, irgendwie geartete Gespräche zu organisieren.

Asowstal-Werk in Mariupol wird durchkämmt

Russische Soldaten durchkämmten unterdessen das Gelände des Stahlwerks Asowstal in Mariupol nach Minen und Sprengfallen, die sowohl ukrainische als auch russische Truppen platziert haben sollen. «Die Aufgabe ist extrem schwierig, der Feind hat seine eigenen Landminen gelegt und wir haben auch Tretminen gelegt, um ihn zu blockieren. Wir haben noch etwa zwei Wochen Arbeit vor uns», sagte ein russischer Soldat gemäss Reuters.

Diese Drohnenaufnahme zeigt die zerstörten Anlagen des Asowstal-Werks in Mariupol (22. Mai 2022).
Legende: Diese Drohnenaufnahme zeigt die zerstörten Anlagen des Asowstal-Werks in Mariupol (23. Mai 2022). Reuters

Russland hatte am Freitag erklärt, die letzten ukrainischen Kämpfer aus Asowstal hätten sich ergeben. Die Ukraine hat diese Entwicklung bislang nicht bestätigt. Die Ukraine strebt einen Gefangenenaustausch mit Russland an. In Moskau wurden dagegen Stimmen laut, die gefangengenommenen ukrainischen Soldaten vor Gericht zu stellen.

Kriegsopfer

Getötete Armee-Angehörige: Laut dem ukrainischen Verteidigungsministerium wurden bisher rund 27'400 russische Soldaten getötet (Stand 15. Mai). Russland sprach zuvor von deutlich tieferen Zahlen: Die Rede ist lediglich von mehr als 1000 gefallenen Soldaten. Dagegen seien auf ukrainischer Seite bislang 23'000 Kämpfer getötet worden. Die Zahlen lassen sich nicht überprüfen. Laut britischen Geheimdienstexperten sind die Verluste der russischen Armee in der Ukraine wohl bereits nach drei Monaten Krieg so hoch wie die der Roten Armee in den neun Jahren des sowjetischen Afghanistan-Kriegs.

Russischer Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt

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Im ersten ukrainischen Kriegsverbrecherprozess ist ein 21 Jahre alter russischer Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Gericht in Kiew sah es am Montag nach einem Geständnis des Mannes als erwiesen an, dass der Panzersoldat nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 28. Februar einen unbewaffneten 62-Jährigen Zivilisten erschoss. Nach dem weltweiten Entsetzen über russische Gräueltaten in der Ukraine war dies der erste vor Gericht verhandelte Fall. Der Beschuldigte hat nun 30 Tage Zeit, um Berufung einzulegen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Zuletzt hatte der ukrainische Präsident Mitte April die eigenen Verluste offengelegt. Damals sprach er von insgesamt etwa 3000 ukrainischen Soldaten, die seit dem russischen Angriff am 24. Februar gestorben seien. Genaue Zahlenangaben hat das Präsidialamt allerdings verweigert. Dies sei ein Kriegsgeheimnis, begründete Präsidentenberater Olexij Arestowitsch.

Zivile Opfer: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bislang 3838 getötete Zivilisten verifiziert (Stand 19. Mai). 256 Kinder seien getötet worden. Die Experten gehen aber von viel höheren Zahlen aus. Die Ukraine selber zählte bis am 25. April mindestens 3818 getötete und über 4000 verletzte Zivilisten, die Statistik sei jedoch unvollständig, teilte die ukrainische Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine mit.

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine hat die Schweizer Spendensammelorganisation Glückskette zur Solidarität mit der betroffenen Bevölkerung aufgerufen.

Die Menschen flüchteten in die Nachbarländer. Deshalb werde sich die Glückskette auf die Aufnahme von Flüchtlingen in diesen Staaten, insbesondere Polen, konzentrieren. Je nach Entwicklung der Situation werde die Glückskette ihre Unterstützung auf Hilfsprojekte direkt innerhalb der Ukraine ausweiten, sofern die Sicherheitslage dies zulasse.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Flüchtende: Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind nach Angaben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) 6.6 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrem Heimatland geflüchtet. Innerhalb der Ukraine befanden sich zudem acht Millionen Menschen auf der Flucht. Zusammen sind das mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung.

In der Schweiz sind bis Dienstag 52’964 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert worden. Das waren 2089 mehr als am Montag, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) per Twitter bekannt gab. 50’103 Ukraine-Flüchtlinge haben gemäss den Angaben bisher den Schutzstatus S erhalten. Das sind 30 weniger als am Vortag.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 23.5.2022, 19:30 Uhr;

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