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Drei Monate Krieg in der Ukraine
Aus Tagesschau vom 24.05.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Aktionen

Der schwere russische Beschuss auf die ostukrainische Grossstadt Sjewjerodonezk haben nach Angaben des Kiewer Generalstabs den ganzen Mittwoch über angedauert. Die Stadt und Orte im Umfeld würden mit Artillerie und aus der Luft angegriffen, teilte die ukrainische Militärführung mit. Sjewjerodonezk und das benachbarte Lyssytschansk sind die letzten grossen Städte, die im Gebiet Luhansk noch von ukrainischen Truppen gehalten werden.

Daneben meldete der Generalstab Gefechte aus dem Raum Bachmut südwestlich von Sjewjerodonezk. Russische Truppen hätten die Ortschaften Komyschuwacha, Jakowliwka und Troitzke angegriffen, sich aber nach Verlusten wieder zurückgezogen. Im Raum Awdijiwka gebe es ununterbrochenes Artilleriefeuer auf die Stellungen der Verteidiger.

Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bei den schweren Luftangriffen in der Nacht auch ein ukrainisches Motorenwerk und mehrere Bahnhöfe attackiert. Betroffen sei die Fabrik Motor Sitsch, die «Flugmotoren für die ukrainischen Streitkräfte baut, darunter auch für unbemannte Drohnen», sagte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums.

Seinen Angaben zufolge wurde unter anderem auch der Bahnhof der städtischen Siedlung Pokrowske im Gebiet Dnipropetrowsk von Raketen getroffen. Ziel hier sei ein Truppentransport von Reservisten gewesen, die auf dem Weg in die Donbass-Region waren. Luftwaffe und Heeresflieger hätten derweil mehr als 300 ukrainische Soldaten getötet und 46 Militärfahrzeuge ausser Gefecht gesetzt.

Verhandlungen und Diplomatie

Der ukrainische Präsident Wolodimi Selenski will als Gegenleistung für einen Frieden kein ukrainisches Territorium aufgeben. «Die Ukraine kämpft, bis sie ihr gesamtes Territorium zurück hat», bekräftigte Selenski am Mittwoch am Rande des Weltwirtschaftsforums WEF in einer erneuten Videoschaltung.

Selenski sagte dabei auch, er sei bereit zu Gesprächen, wenn sich Russland in die Gebiete zurückziehe, in denen es vor Kriegsbeginn im Februar war. Er werde aber nur mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin selbst sprechen. «Ich kann nur mit dem Präsidenten direkt sprechen, keine Mittelspersonen, keine Vermittler», sagte Selenski. Dafür müsse Putin seine Blase verlassen. Derzeit verhandle Russland nicht ernsthaft.

Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba wirft Russland vor, die internationale Gemeinschaft mit einem neuen Vorschlag zur Lösung der Blockade der Getreideexporte zu erpressen. Russland ist nach Bericht der Nachrichtenagentur Interfax bereit, einen humanitären Korridor für Schiffe und Lebensmittel zu schaffen, wenn die EU und die USA im Gegenzug einige Sanktionen aufheben. Derzeit stecken mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine fest.

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Aus Tagesschau vom 23.05.2022.
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Russland wäre nach Angaben eines Putin-Beraters zu einer Wiederaufnahme der Gespräche mit Kiew bereit, wie er am Dienstag erklärte. Er sehe jedoch die Ukraine im Zugzwang, sagte Wladimir Medinski im belarussischen Staatsfernsehen. Medinski schloss auch ein Treffen zwischen Putin und Selenski nicht aus.

Die Vermögen russischer Oligarchen sollen nach dem Willen der EU-Kommission einfacher beschlagnahmt werden können, wenn sie EU-Sanktionen unterlaufen. Dafür schlug die Brüsseler Behörde am Mittwoch vor, das Umgehen von Sanktionen EU-weit als Straftat festzulegen. Das beschlagnahmte Geld könnte schliesslich für den Wiederaufbau der Ukraine genutzt werden.

Nach Angaben der EU-Kommission unterlaufen kremlnahe russische Milliardäre die Sanktionen bislang etwa dadurch, dass sie Jachten in internationale Gewässer bringen oder Vermögen auf andere Eigentümer übertragen. Deshalb schlug die Behörde vor, derlei Sanktionsumgehung in die Liste der EU-Verbrechen aufzunehmen. Dies würde es ermöglichen, Verstösse gegen Strafmassnahmen in allen EU-Staaten gleichermassen zu verfolgen und zu bestrafen.

Asowstal-Werk in Mariupol wird durchkämmt

Russische Soldaten durchkämmten unterdessen das Gelände des Stahlwerks Asowstal in Mariupol nach Minen und Sprengfallen, die sowohl ukrainische als auch russische Truppen platziert haben sollen. «Die Aufgabe ist extrem schwierig, der Feind hat seine eigenen Landminen gelegt und wir haben auch Tretminen gelegt, um ihn zu blockieren. Wir haben noch etwa zwei Wochen Arbeit vor uns», sagte ein russischer Soldat gemäss Reuters.

Diese Drohnenaufnahme zeigt die zerstörten Anlagen des Asowstal-Werks in Mariupol (22. Mai 2022).
Legende: Diese Drohnenaufnahme zeigt die zerstörten Anlagen des Asowstal-Werks in Mariupol (23. Mai 2022). Reuters

Russland hatte am Freitag erklärt, die letzten ukrainischen Kämpfer aus Asowstal hätten sich ergeben. Die Ukraine hat diese Entwicklung bislang nicht bestätigt. Die Ukraine strebt einen Gefangenenaustausch mit Russland an. In Moskau wurden dagegen Stimmen laut, die gefangengenommenen ukrainischen Soldaten vor Gericht zu stellen.

Arbeiter haben derweil in den Trümmern eines Wohnhauses in Mariupol rund 200 Leichen im Keller gefunden, so die ukrainischen Behörden. Die Leichen seien stark verwest und der Gestank hänge über dem Viertel, sagte Petro Andrjuschtschenko, ein Berater des Bürgermeisters. Er machte keine Angaben darüber, wann sie entdeckt wurden.

Kriegsopfer

Getötete Armee-Angehörige: Laut dem ukrainischen Verteidigungsministerium wurden bisher rund 27'400 russische Soldaten getötet (Stand 15. Mai). Russland sprach zuvor von deutlich tieferen Zahlen: Die Rede ist lediglich von mehr als 1000 gefallenen Soldaten. Dagegen seien auf ukrainischer Seite bislang 23'000 Kämpfer getötet worden. Die Zahlen lassen sich nicht überprüfen. Laut britischen Geheimdienstexperten sind die Verluste der russischen Armee in der Ukraine wohl bereits nach drei Monaten Krieg so hoch wie die der Roten Armee in den neun Jahren des sowjetischen Afghanistan-Kriegs.

Russischer Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt

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Im ersten ukrainischen Kriegsverbrecherprozess ist ein 21 Jahre alter russischer Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Gericht in Kiew sah es am Montag nach einem Geständnis des Mannes als erwiesen an, dass der Panzersoldat nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 28. Februar einen unbewaffneten 62-Jährigen Zivilisten erschoss. Nach dem weltweiten Entsetzen über russische Gräueltaten in der Ukraine war dies der erste vor Gericht verhandelte Fall. Der Beschuldigte hat nun 30 Tage Zeit, um Berufung einzulegen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Zuletzt hatte der ukrainische Präsident Mitte April die eigenen Verluste offengelegt. Damals sprach er von insgesamt etwa 3000 ukrainischen Soldaten, die seit dem russischen Angriff am 24. Februar gestorben seien. Genaue Zahlenangaben hat das Präsidialamt allerdings verweigert. Dies sei ein Kriegsgeheimnis, begründete Präsidentenberater Olexij Arestowitsch.

Zivile Opfer: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bislang 3838 getötete Zivilisten verifiziert (Stand 19. Mai). 256 Kinder seien getötet worden. Die Experten gehen aber von viel höheren Zahlen aus. Die Ukraine selber zählte bis am 25. April mindestens 3818 getötete und über 4000 verletzte Zivilisten, die Statistik sei jedoch unvollständig, teilte die ukrainische Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine mit.

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine hat die Schweizer Spendensammelorganisation Glückskette zur Solidarität mit der betroffenen Bevölkerung aufgerufen.

Die Menschen flüchteten in die Nachbarländer. Deshalb werde sich die Glückskette auf die Aufnahme von Flüchtlingen in diesen Staaten, insbesondere Polen, konzentrieren. Je nach Entwicklung der Situation werde die Glückskette ihre Unterstützung auf Hilfsprojekte direkt innerhalb der Ukraine ausweiten, sofern die Sicherheitslage dies zulasse.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Flüchtende: Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind nach Angaben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) 6.6 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrem Heimatland geflüchtet. Innerhalb der Ukraine befanden sich zudem acht Millionen Menschen auf der Flucht. Zusammen sind das mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung.

In der Schweiz sind bis Mittwoch 53’305 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert worden. Das waren 341 mehr als am Dienstag, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) per Twitter bekannt gab. 50’485 Ukraine-Flüchtlinge haben gemäss den Angaben bisher den Schutzstatus S erhalten.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 23.5.2022, 19:30 Uhr;

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