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Die aktuelle Lage in der Ukraine
Aus Tagesschau vom 06.07.2022.
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Krieg in der Ukraine Die Lage in der Ukraine – die Übersicht

Militärische Situation

Nach der völligen Einnahme der Region Luhansk im Osten der Ukraine nehmen die russischen Streitkräfte jetzt zunehmend das Gebiet um Donezk ins Visier. Der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, rief am Mittwoch die Bevölkerung auf, die Region zu verlassen. Gemäss Militärexperten dürfte die russische Seite ihre Vorteile in der Artillerie zunehmend ausspielen.

Die prorussischen Separatisten im Osten verlegten Kampfeinheiten in Richtung Donezk. Dies folge auf die «Befreiung» von Luhansk, zitierte die russische Agentur Tass den Anführer der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin.

Rubel und russische Pässe

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Russland verstärkt die Anstrengungen, seine Kontrolle über besetzte ukrainische Gebiete zu zementieren. So sollen in der südlichen Region Cherson nach der Einführung des Rubel als Währung und der Ausgabe russischer Pässe auch Verwaltungsstrukturen nach russischem Muster aufgebaut werden. Ziel sei eine Integration in die Russische Föderation, betonte der Vize-Chef der russischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow, beim Nachrichtendienst Telegram. Am Dienstag solle eine neue Regionalregierung die Arbeit aufnehmen.

Die ukrainischen Truppen haben nach eigenen Angaben einen Angriff des russischen Militärs im Gebiet Donbass im Osten der Ukraine zurückgeschlagen und dem Feind erhebliche Verluste zugefügt. Die Okkupanten hätten sich zurückgezogen, teilte der Generalstab in Kiew mit. Unabhängig überprüfen liessen sich diese Angaben nicht. Die Kämpfe ereigneten sich rund 10 bis 15 Kilometer westlich der weitgehend zerstörten Grossstadt Lyssytschansk.

Auch südlich davon im Raum Bachmut sei es gelungen, den russischen Vormarsch zu stoppen und bei den Angreifern für «Ausfälle» zu sorgen, hiess es in dem Bericht.

Zwei russische Grenzregionen werfen Ukraine Beschuss vor

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Die beiden russischen Grenzregionen Brjansk und Kursk haben der ukrainischen Seite erneut Beschuss vorgeworfen. Der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas schrieb am Dienstag auf Telegram, das Dorf Sernowo sei mit Artillerie beschossen worden, verletzt worden sei aber niemand. Auch aus den betroffenen Kursker Dörfern gab es zunächst keine Informationen über mögliche Opfer.

Russland, das vor viereinhalb Monaten selbst einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen hat, beklagt immer wieder Beschuss auch auf dem eigenen Staatsgebiet. Zuletzt gab es solche Meldungen fast täglich. Den bislang folgenschwersten Angriff auf russischem Gebiet verzeichnete bislang die Grenzregion Belgorod, bei dem in der Nacht zum Sonntag laut Behörden vier Menschen starben.

Die ukrainische Seite äussert sich in der Regel nicht zu diesen Vorwürfen. Moskau wiederum hat in der Vergangenheit mit verstärkten Angriffen auf ukrainische Ziele gedroht, sofern eigenes Staatsgebiet beschossen wird.

Auch auf den Süden der Ukraine richtete die russische Armee ihre Angriffe. In Mykolajiw seien am Dienstag russische Raketen eingeschlagen, berichtete Bürgermeister Olexander Senkewytsch.

Verhandlungen und Diplomatie

Bundespräsident Ignazio Cassis und der ukrainische Regierungschef Denis Schmyhal haben zum Abschluss der Ukraine-Wiederaufbau-Konferenz in Lugano die «Erklärung von Lugano» vorgestellt. Darin sichern die Konferenzteilnehmer der Ukraine volle Unterstützung beim Wiederaufbau zu und bekräftigen, dass Integrität, Transparenz und Rechenschaftspflicht für den Erfolg des Wiederaufbaus unerlässlich seien. Beim Wiederaufbau des Landes sei auf bestehende Strukturen aufzubauen. Überdies beabsichtigt die Erklärung eine Verknüpfung des Wiederaufbaus mit einer umfassenden Reformagenda.

Mehr als 40 Staaten und 18 internationale Organisationen haben sich bei der Konferenz in Lugano zur Hilfe beim Wiederaufbau der Ukraine bekannt.

Neben konfiszierten Geldern von russischen Staatsbürgern sollten auch Mittel aus dem Budget des ukrainischen Staats sowie Zuschüsse von Partnern in den Wiederaufbau fliessen, erklärte Schmyhal.

Zu Beginn der Konferenz in Lugano, hatte die ukrainische Regierung Vorstellungen zum Wiederaufbau des Landes vorgelegt. Der ukrainische Regierungschef schätzte, dass hierfür mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Franken) notwendig seien.

Nebst ihrem Beitritt zur Europäischen Union will die Ukraine auch der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beitreten. Er habe einen entsprechenden Antrag seines Landes gestellt, teilte Ministerpräsident Denys Schmyhal am Dienstag im Nachrichtendienst Telegram mit. Die Mitgliedschaft der Ukraine in der OECD sei «einer der Eckpfeiler des erfolgreichen Wiederaufbaus und der Entwicklung» der Ukraine.

Am Donnerstag und Freitag kommen auf Bali in Indonesien die Aussenminister der G20 zusammen. Seine Anwesenheit hat auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow angekündigt. Die deutsche Aussenministerin und ihr amerikanischer Amtskollege, Antony Blinken, betonten bereits im Vorfeld des Gipfels, dass sie Russland zu isolieren versuchen.

Blockierter Getreideexport

Die Ukraine beklagt, dass ihre Häfen im Schwarzen Meer durch die russische Kriegsmarine blockiert seien. Beide Länder gehören zu den grössten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährungssicherheit in der Welt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der grössten Hungersnot seit Jahrzehnten.

Karte vom Schwarzen Meer
Legende: Diskutiert wird immer wieder ein möglicher Getreidekorridor durch das Schwarze Meer bis nach Istanbul. SRF

Inzwischen steht in der Ukraine bereits die nächste Ernte an. Der Landwirtschaftsminister der Ukraine, Taras Vysotskiy, sprach von einer erwarteten Ernte von mehr als 50 Millionen Tonnen Getreide. Mindestens 30 Millionen seien für den Export vorgesehen.

Kriegsopfer

Armeeangehörige: Ein genaues Bild über Todesopfer – sowohl auf russischer wie auf ukrainischer Seite – gibt es nicht. Die Angaben und Schätzungen gehen weit auseinander.

Etwa 10'000 Soldaten der ukrainischen Armee sind nach Angaben eines Beraters von Präsident Selenski von Mitte Juni seit der russischen Invasion im Februar bis zum 10. Juni getötet worden. Die Ukraine geht davon aus, dass mittlerweile über 36'000 russische Armeeangehörige ihr Leben verloren haben (Stand 3. Juli). Westliche Experten zweifeln diese Zahl an.

Zudem meldete Moskau vergangene Woche, bislang seien 6000 ukrainische Militärangehörige durch die russische Seite festgenommen worden oder hätten sich ergeben. Zu russischen Opferzahlen gibt es von russischer Seite keine Angaben mehr.

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldawien und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Zivile Opfer: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte haben Beobachter bislang allein im Monat Juni 361 getötete und 1029 verletzte Zivilisten durch den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine gezählt. Man gehe jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher seien. Explosionswaffen mit grossflächiger Wirkung verursachten 98% dieser Opfer, teilt das UNO-Hochkommissariat auf Twitter mit. Das internationale Kriegsrecht verbietet wahllose Mittel und Methoden der Kriegsführung. Zivilisten sind kein Ziel.

Gemäss ukrainischen Polizeiangaben sind bisher mehr als 12'000 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen.

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Mehr als 100 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht
Aus Tagesschau vom 17.06.2022.
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Flüchtende: Mehr als acht Millionen Menschen haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine das Land verlassen. Das teilt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit. Innerhalb der Ukraine befinden sich mehrere Millionen Menschen auf der Flucht.

In der Schweiz haben bis Mittwoch 58'735 Geflüchtete aus der Ukraine den Schutzstatus S beantragt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Twitter bekannt gab. 56'795 Personen haben bisher diesen Status erhalten.

Wieso zeigt SRF Kriegsbilder?

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In den Publizistischen Leitlinien von SRF steht zum Thema Kriegsberichterstattung: «Es ist nicht unsere Aufgabe, ein geschöntes Bild der Realität zu liefern. Ereignisse, die schockierend sind, dürfen auch schockieren. Eine schonungslose Darstellung ist oft nötig, um einem Sachverhalt gerecht zu werden.»

Beim Krieg in der Ukraine kommt hinzu, dass die kriegführende Partei Russland behauptet, dass es gar keinen Krieg gebe und dass Zivilpersonen verschont würden. Hier stehen wir zusätzlich in der Pflicht, dieser Lüge mit klaren Aussagen und eindeutigen Bildern zu widersprechen.

Tagesschau, 03.07.2022, 19.30 Uhr;

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