Kroaten haben über Homo-Ehe entschieden

Die Bürger im EU-Land Kroatien haben mit grosser Mehrheit entschieden, das christliche Ehemodell in der Verfassung festzuschreiben. Damit wird die Ehe unter Homosexuellen praktisch verboten. Die Gesetzes-Vorlage zeigt den tiefen Graben in der kroatischen Gesellschaft.

Menschen unterstützen mit Plakaten und Demonstrationen die Homosexuellen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Menschen unterstützen mit Plakaten und Demonstrationen die Homosexuellen. Keystone

Das jüngste EU-Mitglied Kroatien hat am Sonntag für die Festschreibung des christlichen Eheprinzips in der Verfassung gestimmt. Gut 65 Prozent der Wähler hatten dafür, knapp 35 Prozent dagegen gestimmt, teilte die staatliche Wahlkommission mit. Mehr als Zweidrittel der Stimmen waren bei Bekanntgabe ausgezählt. Die Wahlbeteiligung hat mit rund 36 Prozent einen Minusrekord erreicht.

Der Sieg der Befürworter bedeutet, dass die gleichgeschlechtliche Ehe in Kroatien gesetzlich nicht mehr eingeführt werden kann.

Das Referendum auf die Beine gestellt haben die national-konservativen Parteien und die katholische Kirche. Sie finanzierten die Bürgerbewegung «Im Namen der Familie». Aushängeschild der Initiative ist die 49-jährige Zeljka Markic. Die Katholikin ist überzeugt: Nur Mann und Frau können eine christliche Ehe eingehen und eine Familie gründen.

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Ein Land der Katholiken

Die katholische Kirche spielt in Kroatien eine wichtige Rolle. Als Jugoslawien zerfiel, entstand der neue Staat mit einer Allianz aus Nationalisten und Kirche. Vor zwei Jahren kam die Mitte-Links-Regierung an die Macht, die den katholischen Konservatismus rasch loswerden wollte. Die Kirche schürt daher Ängste, weil sie ihre Macht verteidigen will.

«Lieber gebe ich Kinder in gut organisierte Waisenhäuser als zur Adoption an homosexuelle Paare frei», so Markic. Mit solchen Argumenten brachte Markic in nur gut zwei Wochen 750'000 Unterschriften für die Initiative zusammen.

Liberale laufen Sturm

Die liberalen Kroaten sind entsetzt. «Das ist ein trauriges und sinnloses Referendum», sagte Regierungschef Zoran Milanovic bei der Stimmabgabe und versicherte: «Das ist das letzte Referendum, mit dem die Mehrheit der Minderheit ihre Recht nimmt.»Er kündigte dazu nicht näher bezeichnete Gesetzesvorlagen seiner Regierung an.

Diese Initiative sei nur der Anfang einer konservativen Offensive, die das Rad der Zeit zurückdrehen wolle, sagt Ivan Novosel vom Gegen-Komitee. «Dies ist ein erster Schritt konservativer Radikaler gegen Minderheiten- und Frauenrechte», sagt Novosel.

Tiefer Graben in der Gesellschaft

Einen Tag vor dem Referendum demonstrierten mehr als tausend Aktivisten für die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren. Nach einem Protestmarsch durch die Hauptstadt Zagreb entrollten sie vor dem Parlamentsgebäude eine riesige Regenbogenfahne.

Die Volksinitiative hat den Graben im EU-Neumitglied Kroatien weit aufgerissen. Früher war es der Graben zwischen den Faschisten und den Kommunisten, heute ist es derjenige zwischen Konservativen und Liberalen.

Die seit zwei Jahren amtierende Mitte-Links-Regierung ist gegen das Referendum. Damit werde eine Minderheit diskriminiert, argumentiert sie. Nebst der Regierung machen 84 kroatische Nichtregierungsorganisationen mobil gegen das Referendum, zusammen mit vielen Kunstschaffenden.

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Gegen Sexualkunde

Bereits einmal haben die Konservativen die Absicht der Regierung durchkreuzt: Als es darum ging, an den Schulen Sexualkundeunterricht einzuführen.

Die Konservativen wollen mit dem Referendum nicht nur einen Wertewandel erzwingen, sondern auch die sozialdemokratische Regierung von der Macht vertreiben. Denn an sich sei das Referendum überflüssig, da die Ehe im bestehenden Familiengesetz bereits umschrieben und geschützt sei, stellt Ivan Novosel vom Gegner-Komitee fest. Zudem habe die Regierung nie gesagt, die Lebensgemeinschaft gleichgeschlechtlicher Partner formell der Ehe gleichstellen zu wollen.

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