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International Kurden-Frage rückt Türkei und IS-Terroristen nahe aneinander

Fast scheint es so, als müsste die Türkei zum Jagen getragen werden. Denn allzu grosse Lust, sich aktiv am Kampf gegen den IS zu beteiligen, vermittelte Ankara bisher nicht. Und das wird wohl vorerst einmal auch so bleiben, befürchtet SRF-Experte Ulrich Tilgner.

SRF Online: Ulrich Tilgner, fast hat es den Anschein, als würden Türkei und IS gemeinsame Sache machen. Täuscht das?

Ulrich Tilgner: Das täuscht in der Tat etwas. Denn eine offene Zusammenarbeit zwischen der Türkei und dem IS gibt es nicht. Allerdings, wenn man sich die Ziele beider Seiten anschaut, dann gibt es ganz klare Überschneidungen.

Die da wären?

Nun, wenn es dem IS gelingt, den Kanton Kobane zu erobern, dann ist das Experiment der kurdischen Selbstverwaltung zumindest in Syrien gescheitert. Der Türkei würde das in die Hände spielen. Denn ein Übergreifen des Experiments würde enormen Zündstoff bergen. Man nutzt auf türkischer Seite den Radikalismus der IS-Milizen für seine Ziele.

Wie würden Sie das Verhältnis Türkei-IS beschreiben?

Zwischen beiden Seiten herrscht schon seit Monaten eine ruhige Koexistenz oder eine stille Übereinkunft – je nachdem, wie man das nennen möchte. Gekämpft wird eigentlich nur noch dort, wo syrische Kurdengebiete an die Türkei grenzen.

Ist die Türkei möglicherweise das nächste Ziel der Terrorkämpfer?

Ganz sicher nicht. Denn militärisch hat der IS der Türkei nichts entgegenzusetzen. Deshalb haben die Terror-Kämpfer in der Vergangenheit auch die Grenze zur Türkei auf den Meter genau eingehalten.

Nun kann sich aber auch die Türkei dem internationalen Druck nicht auf Dauer entziehen. Wird man gegen den IS in den Kampf ziehen?

Sollte die Türkei tatsächlich in Syrien einmarschieren, dann nur, um die Kurden zu kontrollieren und deren Bewegung politisch zu zerstören. Der IS wäre dann nur ein Vorwand.

Legende: Video Türkei vor Einsatz gegen IS abspielen. Laufzeit 01:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.10.2014.

Ist ein Einmarsch tatsächlich realistisch?

Ich glaube nicht, dass man das machen wird. Langfristig würde das zum einen dem internationalen Türkei-Bild schaden und zum anderen den Prozess der politischen Annäherung zwischen den türkischen Kurden und Ankara zum Erliegen bringen.

Was wird stattdessen passieren?

Ich gehe davon aus, dass das Parlament zwar ein militärisches Eingreifen absegnen wird, Erdogan aber Kraft seines Amtes den Beschluss – mit Verweis auf das Schicksal der eingeschlossenen Soldaten in der Enklave – verzögern wird.

Das heisst?

Dass das halb abgekartete Spiel von IS und der Türkei meiner Ansicht nach weiterzugehen droht.

Das Interview führte Uwe Mai.

Ulrich Tilgner

Ulrich Tilgner

Tilgner berichtet seit mehr als 30 Jahren für Schweizer Radio und Fernsehen aus dem Nahen und Mittleren Osten. Von 2002 bis 2008 war er Leiter des ZDF-Büros in Teheran.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von tamer bükülmez, berlin
    Wer könnte das verhindern? Irak ist sowieso Chaos. Syriens Teeror- Assad mordet seid 3 Jahren das eigene Volk. Die kurdische Arbeiterpartei PKK wird immer noch als TerrorOrgan. eingestuft, andem auch IS nix ändern wird. Und die Türkei holt sich bulei Bedarf die Hilfe von der Nato und wird so im Nahen Osten StabilitätsGarant. Einfach toll. Und in Berlin streiten sich die Menschen über die Aufnahme von 30 neuen Flüchtlinge, währen anderswo M8llionen Flüchtlinge aufgenomm2n wurden.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Was ich persönlich aber nicht verstehe ist, dass junge/jüngere, gesunde, starke Männer flüchten, statt ihr Land, ihre Heimat zu verteidigen. Erinnere an den Krieg in Ungarn. Da hat man Frauen, Kinder & alte Menschen in Sicherheit gebracht. Die Männer sind geblieben & haben gekämpft. Und nach Kriegsende hat man gemeinsam das Land wieder aufgebaut. Und erinnere an die Trümmerfrauen in D. Die haben nicht gejammert, dass sie alles verloren haben & sie keine Hilfe erhalten, sondern einfach angepackt.
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  • Kommentar von Tamer Bükülmez, berlin
    Der schönste Tag ever. Die Türkei darf auf Bitten der Anti-IS-Allianz offiziell in Syrien und Irak eingreifen. Ergo: Die Kuden werden schön von der IS und der Türkei in die Zange genommen. Nach der IS werden die Türken(die viele Opfer beklagen werde) ihre Bodentruppen nicht abziehen und ihre Besatzung ausbauen(natürlich nur zum Schutz der Kurden, welche selbst unfähig waren).
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Träum weiter, @Tamer - die Kurden werden sich von euch Türken ihre erlangte Autonomie in Syrien nicht kaputtmachen lassen, und im Irak erst recht nicht. Längst hat die Weltgemeinde begriffen, dass die Kurden und nicht die Türken in der Region der zuverlässige Partner ist, und diesen Stabilitätsfaktor wird man weiter unterstützen - über diesen Krieg hinaus.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Habe ich vor wenigen Tagen geschrieben... dem Erdogan liegt die IS naeher als sein eigenes Volk.. respektive die Kurden... Der ist froh diese Kurden los zu werden.. ein Diktator..
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