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International Kurden wehren neuen IS-Angriff auf Kobane ab

Laut Aktivisten haben kurdische Kämpfer in Kobane einen Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat abgewehrt. Kurz zuvor war die Verstärkung für die Kurden eingetroffen. Die rund 150 Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak haben auch schwere Waffen mitgebracht.

Mehrere Gebäude explodieren, schwarzer Rauch bildet sich
Legende: Die Explosion nach einem Luftangriff auf Kobane am Mittwoch, 29. Oktober 2014. Reuters/archiv

Die Gefechte in der nordsyrischen Grenzstadt Kobane tobten die ganze Nacht. Am Morgen verkündeten Aktivisten, die kurdischen Kämpfer hätten einen erneuten Angriff der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurückgeschlagen.

Peschmerga beteiligten sich noch nicht an Kämpfen

Das berichtete der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdel Rahman. Eine am Freitag eingetroffene Gruppe irakischer Peschmerga-Kämpfer beteiligte sich demnach noch nicht an den Kämpfen.

Laut der Beobachtungsstelle, die ihre Angaben aus einem Netzwerk von syrischen Aktivisten bezieht, erhielten die IS-Einheiten Verstärkung aus den syrischen Provinzen Aleppo und Raka.

Peschmerga-Kämpfer in Kobane.
Legende: Die Peschmerga-Kämpfer werden bei der Ankunft wie Helden gefeiert. Keystone

Schwere Waffen für Kobane

Am späten Freitagabend waren etwa 150 Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak in Kobane eingetroffen, um die Verteidiger der Stadt zu unterstützen. Die kurdischen Kämpfer waren in mehreren Bussen und Militärfahrzeugen von der türkischen Stadt Suruc über die Grenze gefahren. Der Konvoi wurde von türkischen Soldaten eskortiert. Am Strassenrand jubelten hunderte Kurden den Kämpfern zu. Für ihren Kampf gegen den IS haben die Peschmerga auch schwere Waffen mitgebracht.

Zuvor hatten Kampfflugzeuge der internationalen Koalition Stellungen der IS bei Kobane angegriffen. Das US-Militär erklärte, in den vergangenen zwei Tagen seien vier IS-Stellungen getroffen worden. Dabei starben laut der Beobachtungsstelle zufolge allein am Freitag 21 IS-Kämpfer, darunter ein Däne. Auf der Seite der kurdischen Selbstverteidigungskräfte (YPG) gab es demnach 15 Tote.

In den letzten drei Tagen sind bei Kobane mindestens hundert IS-Kämpfer getötet worden. Damit steigt die Zahl seit Beginn der Gefechte Mitte September auf über 570 getötete Dschihadisten. Insgesamt kamen fast 1000 Menschen ums Leben, meldete die Beobachtungsstelle.

Türkei tut sich schwer mit den Kurden

Bereits am Donnerstag hatte sich eine Vorhut von zehn Peschmerga nach Kobane durchgeschlagen, um ihre Strategie mit den Kurden abzusprechen, die bisher die Stadt in Sichtweite der türkischen Grenze verteidigt haben. Es ist aber unklar, ob die Kurden mit der Verstärkung durch die eher kleine Peschmerga-Gruppe gegenüber dem IS die Oberhand gewinnen können.

Karte - Syrien, Irak, Türkei
Legende: Mehrere Tage mussten die Peschmerga-Kämpfer in der Türkei auf ihre Ausreiseerlaubnis nach Syrien warten. SRF

Die Regierung in Ankara hatte ihre Erlaubnis gegeben, dass die Peschmerga vom Nordirak aus über türkisches Staatsgebiet nach Kobane verlegt werden dürfen. Sie tut sich jedoch mit jeder Hilfe für die kurdischen Volksschutzeinheiten dort schwer, da diese mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden sind. Die PKK ist in der Türkei als Terrororganisation verboten.

Der IS belagert die vor allem von Kurden bewohnte Stadt seit mehreren Wochen. Die meisten Zivilisten sind aus der Stadt geflohen. Nur noch wenige Tausend kurdische Kämpfer sollen die Stadt gegen den IS verteidigen. Ein Sieg in Kobane wäre für die Terror-Miliz militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein grosser Erfolg, da selbst US-Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Ich bin überzeugt, dass die Kurden die besseren Kämpfer sind unter religiösem Wahn leidenden ISIS Anhänger. Aber sie sollten auch ein paar Panzer haben, sonst nützt ihnen die ganze Fähigkeit nichts.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Der IS (nicht mehr ISIS) ist eine äusserst effizient kämpfende Verbrecherorganisation, die Unbedarfte zu überzeugen vermag.Ich hoffe allerdings auch, der IS werde in Kobane sein Stalingrad erleben.
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    2. Antwort von Charles Halbeisen, Bronschhofen
      @Albert Planta: Da sie sich in der Bezeichnung der Organisation offenbar auskennen: Wer hat den Namen IS geprägt, wer ISIS und warum soll der letztere verbindlich sein? Höchst wahrscheinlich die eine oder andere englischsprachige Presse-Agentur. Das Original ist Arabisch, wieso das eine oder ander Akronym einer Übersetzung besser sein soll, ist mir nicht verständlich. Ich nehme an, die halten das für besser, das sie öfter lesen.
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    3. Antwort von jonas meier, zürich
      soweit ich es mitbekommen habe, kommt die Nammensänderung von IS/ISIS. Dies, da ISIS für Islamischer Staat im Irak und Syrien steht. Allerdings ist Irak und Syrien nicht mehr wichtig, da sie ihre Grenzen weiter ausdehnen wollen. Meiner Meinung nach ist jegliche Diskussion über ihren Namen überflüssig, man könnte sie auch Idioten, Vollpfosten u.s.w. nennen(mir würden noch einige weniger nette Namen einfallen)
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    4. Antwort von Albert Planta, Chur
      IS bedeutet Islamischer Staat und ISIS bedeutet Islamischer Staat Irak, Syrien. Diese Verbrecherorganisation will ja jetzt bis Europa expandieren, darum fallen die letzten beiden Buchstaben weg.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Sehr gut, ihr tapferen Kurden! Macht weiter so!
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  • Kommentar von Henriette Rub, Bern
    Für Waffen und Zerstörung ist immer wieder sehr viel Geld vorhanden und die Produzenten verdienen sich am Elend der betroffenen Menschen eine goldene Nase. Für die ungezählten Flüchtlinge müssen dann hilfsbereite Staaten mit Steuergeldern sowie (nochmals) Spender/Spenderinnen aufkommen. Und die Waffenlobby ruht sich zufrieden auf ihren goldenen Berg aus.
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    1. Antwort von p.keller, kirchberg
      Und die Asylanten-'Industrie' lebt leider auch sehr gut vom Leid der Flüchtlinge auf Kosten der Allgemeinheit.
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    2. Antwort von armando sarescia, fislisbach
      Jawohl frau rub so ist es leider aber gleichzeitig verdienen die leute in der waffenindustrie den lohn und ernähren ihre familien. So ist der lauf der dinge!@
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