Kurdische Aktivistinnen in Paris getötet

In der Pariser Innenstadt sind drei Frauen regelrecht hingerichtet worden. Über Täter und Motiv wird noch gerätselt. Kurz nach der Tat versammelten sich hunderte Sympathisanten der Kurdischen Arbeiterpartei PKK.

In Paris sind in den Räumen des Kurdischen Instituts die Leichen von drei Frauen entdeckt worden. Sie wurden per Kopfschuss getötet, teilte die Polizei mit.

Drei kurdische Aktivistinnen waren in der Nacht in Paris mit Schüssen in Leib, Genick oder Kopf tot aufgefunden worden. Unter den Toten ist auch Sakine Cansiz. Sie ist eine Mitbegründerin der PKK. Die beiden anderen Frauen waren Besucherinnen des Instituts.

Kurdische Frauen in Paris ermordet

6:11 min, aus Echo der Zeit vom 10.01.2013

«Ohne Zweifel eine politisch motivierte Tat»

Alle drei Frauen seien kurdische Aktivistinnen gewesen. Offenbar hätten sie ihre Angreifer gekannt und hereingelassen. Das Büro im ersten Stock eines Hauses war demnach mit einem elektronischen Türschloss gesichert. Es deute alles auf eine Hinrichtung der drei Kurdinnen hin, hiess es aus Polizeikreisen.

Eine Mitarbeiterin des Instituts sagte, eine der Toten sei ein Gründungsmitglied der militanten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). «Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Tat politisch motiviert war», so die Frau.

Innenminister Manuel Valls sprach von «unerträglichen Morden» und kündigte an, sich umgehend zum Tatort zu begeben.

AKP und PKK sehen unterschiedliche Urheber

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Cansiz: Vorbild für Kurdinnen

Sakine Cansiz war eine der wenigen noch lebenden PKK-Kader der ersten Stunde. 1998 erhielt sie Asyl in Frankreich. Cansiz galt als «die Symbolfigur des kurdischen Frauenfreiheitskampfes». Angeblich soll sie aber in Ungnade gefallen und gezwungen worden sein, in die zweite PKK-Reihe zurückzutreten.

Auch in der Türkei wird der Mordanschlag in Paris als politisch motiviert bezeichnet. Laut dem Journalisten Thomas Seibert in Istanbul spricht die regierende AKP-Partei allerdings von einer Abrechnung innerhalb der PKK, wohingegen die Kurdische Arbeiterpartei «Kräfte im türkischen Staatsapparat» verantwortlich macht.

Mit den Morden sollten laut der PKK die in den letzten Wochen begonnenen Gespräche zwischen der Regierung und der PKK gestört werden. Laut Seibert könnte die Bluttat die Verhandlungen tatsächlich gefährden: Falls der in der Türkei inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan die Verhandlungen abbreche, seien diese vorerst wieder vorüber.

Die in der Türkei und im EU-Raum verbotene PKK kämpft seit Jahren gewaltsam gegen den türkischen Staat. Ihr Ziel ist eine grössere Autonomie der Kurden.