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Landtagswahl in Bayern CSU und SPD sind die grossen Verlierer

Gemäss vorläufigem Endergebnis verliert CSU die absolute Mehrheit. Die SPD stürzt ab, die AfD zieht ins Parlament ein.

Legende:
Wähleranteil Landtagswahl Bayern 2018 Vorläufiges amtliches Endergebnis
  • Die CSU verliert mehr als zehn Prozentpunkte und erreicht noch 37,2 Prozent. Sie hatte bisher mit absoluter Mehrheit regiert – jetzt braucht sie einen oder mehrere Koalitionspartner.
  • Zweitstärkste Kraft werden die Grünen mit 17,5 Prozent.
  • Die SPD verliert massiv Stimmen und fällt von 20,6 auf 9,7 Prozent.
  • Die AfD, die zum ersten Mal bei einer Landtagswahl in Bayern antrat, kommt auf 10,2 Prozent.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem teils schmerzhaften Resultat. «Wir nehmen das Ergebnis auch an, auch mit Demut, und wir werden aus dem Ergebnis auch Lehren ziehen müssen», sagt er. «Aber entgegen mancher Prognosen, Diskussionen und Kommentare – die CSU ist nicht nur stärkste Partei wieder geworden, sie hat auch den klaren Regierungsauftrag erhalten.» Er habe eine gewisse Priorität für ein bürgerliches Bündnis, sagte er im Bayerischen Rundfunk.

CSU und Freie Wähler hätten Parlamentsmehrheit

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  • Der bayerische Landtag hat künftig 205 Sitze. Auch wenn die CSU 16 Mandate einbüssen muss, stellt sie mit 85 Abgeordneten weiterhin die mit Abstand größte Fraktion.
  • Die von der CSU als Koalitionspartner favorisierten Freien Wähler kommen nach Angaben des Landeswahlleiters von Montagfrüh auf 27 Sitze, ein Plus von 8 Sitzen zur vergangenen Legislaturperiode. Damit wäre das Bündnis der beiden Parteien mit 112 Sitzen klar mehrheitsfähig.
  • Die SPD verliert 20 Mandate und wird im neuen Maximilianeum nur noch 22 Abgeordnete stellen, die Grünen sind dagegen mit 38 Parlamentariern vertreten. Die FDP stellt bei ihrem Wiedereinzug 11 Abgeordnete, halb so viele wie die AfD mit 22.
  • Rechnerisch wäre neben der Koalition von CSU und Freien Wählern auch ein Bündnis von Christsozialen und SPD mehrheitsfähig, eine solche grosse Koalition käme auf 107 Sitze; eine schwarz-grüne Koalition käme mit 123 Stimmen auf die mit Abstand grösste Mehrheit.
Legende: Video Markus Söder zur CSU-Wahlniederlage abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.10.2018.

Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer will trotz der schweren Niederlage in allen Ämtern bleiben. Es sei kein gutes Ergebnis, da gebe es nichts zu deuteln. Er sei bereit, über personelle Konsequenzen zu diskutieren, aber nicht an diesem Abend, sagte er im ZDF. Für die Niederlage gebe es Ursachen in Berlin und in München.

Gemäss einer Umfrage der ARD halten 56 Prozent der Wähler Seehofer für den Hauptverantwortlichen für das CSU-Ergebnis, 24 Prozent Kanzlerin Angela Merkel und acht Prozent Söder.

Legende: Video Reaktionen der Partei-Verantwortlichen in Bayern abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.10.2018.

Langer, harter Weg für die SPD

Die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen schliesst einen Rückritt nicht aus. Die SPD müsse den «tiefen Glauben an die Sozialdemokratie» wieder herstellen und eine ganz klare Haltung zeigen. «Das wird ein langer, harter Weg, uns da wieder herauszuarbeiten», sagt Kohnen. Sie habe gespürt, dass viele Menschen «unglaubliche Skepsis» zur Sozialdemokratie hätten.

Auch die SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles bezeichnet den Ausgang als sehr schlechtes Ergebnis. Die Sozialdemokraten hätten die Wähler nicht überzeugen können. Ein Grund sei auch die schlechte Performance im Bund gewesen.

Katharina Schulze und Markus Söder im ZDF-Studio.
Legende: Die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei der ZDF-Runde zur Wahl in Bayern. Keystone

Die Grünen wollen Veränderungen

Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze erklärt im ZDF, mit ihrer Partei könne man über eine gerechte, ökologische und pro-europäische Politik reden, aber nicht über eine anti-europäische oder autoritäre Politik. Ministerpräsident Söder sagt dazu, mit dem vorliegenden Programm seien die Grünen kaum koalitionsfähig, aber man werde vernünftig miteinander reden.

Grünen-Chef Robert Habeck wertet das erfolgreiche Ergebnis in Bayern als «Veränderungsauftrag». Viele Menschen fühlten sich durch die Politik in Bayern nicht mehr repräsentiert, die nicht mehr alle mitnehmen wolle.

AfD sieht Freie Wähler als Konkurrenz

AfD-Bundespartei-Chef Jörg Meuthen wertet das Resultat seiner Partei als «grandiosen Erfolg». Dass es nicht zu mehr gereicht habe, liege auch daran, dass etwa die Freien Wähler eurokritische Positionen der AfD übernommen hätten.

AfD-Bundespartei-Chef Alexander Gauland erachtet die Freien Wähler in Bayern als starke konservative Konkurrenz. Er machte zugleich den Anspruch seiner Partei deutlich, mittel- bis langfristig zu regieren. Dazu müsse man aber noch zulegen.

FW möchte koalieren

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, rechnet mit einer Koalition mit der CSU. Man werde der CSU «machbare Vorschläge» auf den Tisch legen. «Ich bin sicher, die CSU wird anbeissen», sagt Aiwanger im ZDF.

Legende:
Wähleranteile bei den bayrischen Landtagswahlen Historisches Lexikon Bayerns und vorläufiges amtliches Endergebnis

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Grünen-Chef Robert Habeck wertet das erfolgreiche Ergebnis in Bayern als «Veränderungsauftrag». Aber es hat sich gar nicht viel verändert. Grüne, SPD und Linke haben mit 30,4 % nicht einmal ein Drittel der Stimmen, 2013 waren es noch 31,3 %. Im Landtag wird das Ergebnis wegen der 5 % Hürde noch deutlicher, die SPD und Grüne haben zusammen 29,9 %. Den Veränderungsauftrag kann ich nicht erkennen.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Stimmt, das nächste Mal in 5 Jahren kann es für sie ganz anders aussehen. Jetzt können wir es beim grünen Größenwahnsinn belassen, in die Regierung werden sie nicht kommen, womit sie sozusagen"kastriert" sind.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger (weiterdenken)
    Liebe SRF Redaktion, was ist ein "vorläufiges Endergebnis"?
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    1. Antwort von Vorläufiges Endergebnis
      In den Tagen nach einer Wahl werden die Ergebnisse nochmals geprüft. Erst, wenn Auffälligkeiten, Unregelmässigkeiten oder weitere offene Fragen geklärt sind, wird das amtliche Endergebnis festgestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt gelten die Zahlen als vorläufig, da (meist kleinere) Änderungen nicht auszuschliessen sind.
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    2. Antwort von A Subic (Subic)
      ...wie die Redaktion richtig sagt und auch in Deutschland wie in der Schweiz gibt es die Möglichkeiten eines Einspruches (eben zb. wegen allfälligen Unregelmässigkeiten) und bist zb. diese Frist abgelaufen ist, darf man nur vom Vorläufiges Endergebnis reden.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Wer gestern nach den Bayernwahlen Anne Will gesehen hat, kann bestätigen, dass es in DE genauso läuft wie in der CH. Der AfD-Vertreter kam gerade 2 1/2Mal unter grossem Protestdreingerede aller anderen zu Wort. Zum Ausreden kam er nicht, er wurde laufend niedergemacht. Diese selbstgerechte Haltung anderer Parteien u.Medienschaffenden stimmt nachdenklich, nichts von Reflexion, es läuft weiter wie bisher, es wird schöngeredet, zerredet, geleugnet... den Grünen ist es bereits in den Kopf gestiegen.
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    1. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      @Hermann: Schön, dass das nicht nur mir auffällt. Und ich bin nun wirklich kein Fan der AfD. Aber soviel Fairness und Anstand sollte schon sein. ARD u. ZDF sind ja keine privaten Provinzsender.
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    2. Antwort von Erich Singer (liliput)
      Man muss einfach mal sehen für was die AfD Steht: Populismus, Hetze aber nicht von einem Parteiprogramm. ich verstehe nicht das man diese Partei wählen kann insbesondere wenn man gestern der Weidel zugehört Hat. Ihre einzige Aussage: die Merkel muss weg!
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    3. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Singer@ ca. 750tausend Bayern könne sich ja nicht alle irren.
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