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Landtagswahlen in Bayern «Die Grünen sind ein Stachel im Fleisch der CSU»

Legende: Audio Warum können die Grünen in Bayern so punkten? abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
04:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.10.2018.

Laut neusten Umfragen wird die CSU als stärkste politische Kraft in Bayern die Landtagswahlen gewinnen. Allerdings nicht mehr so eindeutig wie in den letzten 60 Jahren. Die Grünen haben zur grossen Überraschung Zulauf wie nie zuvor. Das habe mit den Bundestagswahlen vor einem Jahr zu tun, sagt Stefan Braun, politischer Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung».

Stefan Braun

Stefan Braun

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Stefan Braun ist politischer Korrespondent der Süddeuschen Zeitung.

SRF News: Wann hat der Aufstieg der Grünen begonnen?

Stefan Braun: Schon vor einem Jahr, nach der Bundestagswahl. Damals zeigten die Grünen in den Jamaika-Verhandlungen, wie kompromissbereit und verbindlich sie sind, wenn es darum geht, auch mitzuregieren und Verantwortung zu übernehmen. Dass die Verhandlungen scheiterten, lag nicht an ihnen. Die neue Parteispitze weckt zudem Neugier, weil dramatisch linke Thesen fehlen und der Auftritt nicht aggressiv ist. In einer Zeit mit wachsenden Spannungen in der Gesellschaft sind die Grünen ein Gegenpol zur CSU, die im Wahlkampf aggressiv auftritt.

Ein Bayern, das plötzlich grün wählt, ist schwer vorstellbar. Wie zeigte sich Partei im Wahlkampf?

Da sind zwei Spitzenkandidaten am Werk, die bayrisch sind und mit denen sich die Menschen identifizieren können. Man muss zugleich mit einem Missverständnis aufräumen: Die Grünen in Bayern waren nie wirklich ganz schwach, denn sie haben mit einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik und der Erhaltung der Natur wichtige Themen bei sich. Die Grünen sind also auf einem ähnlichen Feld wie die CSU unterwegs. Die Aggression der Christlich-Sozialen hat somit vermutlich gar nicht so sehr mit inhaltlichen Unterschieden zu tun.

Die Grünen sind auf einem ähnlichen Feld wie die CSU unterwegs.
Autor: Stefan BraunKorrespondent, Süddeutsche Zeitung

Auch in anderen Bundesländern zeigte sich bereits, dass Landwirte, welche die Grünen gewinnen, am Ende gerne überzeugte Bio-Bauern werden; wenn sie merken, dass das ihren Job eher sichert als die grosse Massentierhaltung. Die Grünen sind also eine echte Konkurrenz für die CSU.

Legende:
Wähleranteile bei den bayrischen Landtagswahlen Historisches Lexikon Bayerns und vorläufiges amtliches Endergebnis

Mit welchen Argumenten konnten die Grünen bei dieser eher konservativen Wählerschaft punkten?

Bayern hat eine Binnenmigration, es sind also sehr viele Menschen in den letzten zwei Jahrzehnten von anderen Teilen Deutschlands nach Bayern gezogen. Das sehr Homogen-Bayrische gibt es also gar nicht. Das ist Teil des Erfolges von Bayern. Es könnte aber zum Problem für die CSU geworden sein, da längst nicht alle Menschen das CSU-Gen von Geburt auf mitbekommen haben.

Zugleich haben die Grünen sehr moderate Kandidaten, die auch bei den ehemaligen Sozialdemokraten punkten können. Die beiden Spitzenkandidaten sind bayrisch, grenzen nicht ab, sondern integrieren und treten auch so auf. Das ist in der aktuellen Situation absolut entscheidend.

Laut Umfragen werden die Grünen zweitstärkste Kraft. Werden sie so automatisch in die Regierung einziehen?

Ich vermute nein. Die CSU wird fast alles versuchen, um das so lange wie möglich zu verhindern. Da eigentlich bereits klar ist, dass eine absolute Mehrheit Geschichte ist, wird sich die CSU nach anderen bürgerlichen und vermeintlich nahestehenden Parteien umschauen. Ein Dreierbündnis mit CSU, Freien Wählern und FDP wäre denkbar. Die Grünen aber sind wie ein Stachel im Fleisch der CSU. Sie provozieren und stören elementar mit ihren Stärken bei Bauernschaft und Naturschützern.

Das Gespräch führte Rino Curti.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Die Grünen profitieren einfach von den "Verzweiflungswählern", die einerseits irgendeine Wende wollen, andererseits keine wirklichen Alternativen sehen, aber auch nicht einfach der Urne fern bleiben wollen.
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  • Kommentar von Pe Schmidt (Der Deutsche)
    Nein. Die Grünen sind keine verkappten Roten. Die Erhaltung der Natur und die von Werten ist ein konservativer Impuls. Freilich verbinden sie es mit aufklärerischen Gedanken: Gleichstellung der Frau und von Minderheiten zum Beispiel. Damit zutiefst modern bürgerlich, auch wenn es viele nicht sehen wollen.
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Natur das war einmal.Heute lassen die ganze Wälder vernichten um ein Windrad aufzubauen.Keine Inhalte und Lösungen und nur populistisches gequatschtes und der Versuch des bevormunden der Bevölkerung.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Da kann man ein politisches Erdbeben voraussagen. Eine satte und ideenlose CSU wird vorgeführt von einer 33-jährigen Frau, die nicht einmal aus Bayern kommt. Nur, diese Frau hat verstanden was die Menschen bewegt. Wenn die Partei auch noch das Migrantenproblem vernünftig löst, dann können Söder & Co, aber die Wadenwärmer anziehen. Hier zeigt sich eben auch, dass man Menschen begeistern kann wenn einsichtige Ideen vernünftig präsentiert. Ich sehe nicht dass die nahe an der roten Truppe sind.
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