Kandidaten für Parlamentswahl Macron setzt auf Politneulinge

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Wie Macrons Partei die Mehrheit gewinnen will

1:18 min, aus Tagesschau vom 11.5.2017
  • Die politische Gruppierung des künftigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat die Liste ihrer Kandidaten für die Parlamentswahlen im Juni vorgelegt.
  • Auf der vorläufigen Aufstellung von «En Marche!» finden sich 428 Kandidierende.
  • Die Hälfte von ihnen seien Frauen, sagte Generalsekretär Richard Ferrand in Paris. 52 Prozent aller bestimmten Kandidierenden waren bislang nicht politisch aktiv.
  • Ex-Premierminister Manuel Valls wird dabei nicht als Kandidat zugelassen.

Ursprünglich wollte «En Marche!» bereits die vollständige Liste für jeden einzelnen der 577 Wahlkreise Frankreichs vorstellen. Doch späte Anmeldungen sprengten den Zeitplan.

«En Marche!» lässt dabei den prominenten Ex-Premierminister Manuel Valls nicht als Kandidat für die Parlamentswahlen zu. Man werde in Valls' Wahlkreis aber keinen Gegenkandidaten aufstellen, sagte Generalsekretär Richard Ferrand. Valls hatte zuvor öffentlich erklärt, bei der Parlamentswahl Mitte Juni für «En Marche!» antreten zu wollen.

Macron will im Juni eine Mehrheit in der Nationalversammlung erringen, um regieren zu können. Bisher ist «En Marche!» aber überhaupt nicht im Parlament vertreten.

Vor den Wahlen will sich die Gruppe in «La République en Marche» umbenennen, wie der EM-Generalsekretär Richard Ferrand Anfang der Woche ankündigte. Am 15. Juli solle es einen Gründungskongress geben.

Konservativer oder liberaler Premier?

Am Sonntag wird Macron das Amt seines Vorgängers François Hollande übernehmen. Es wird erwartet, dass Macron dann sehr rasch eine neue Regierung bilden wird. Im Gespräch für den Posten des Premierministers sind unter anderen der konservative Édouard Philippe, die liberale Europa-Abgeordnete Sylvie Goulard oder der Generalsekretär von «En Marche!», Richard Ferrand.

Einschätzung von Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer:

Einschätzung von Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer:
Man hat heute von «En marche!» eine Liste mit 577 Namen erwartet. Jetzt sind es nur oder immerhin 428 Namen geworden – je 214 Frauen und 214 Männer. Es wird betont, dass 53 Prozent dieser Personen bisher kein Wahlmandat haben. Sie sind also keine Berufspolitiker, sondern Menschen, die in ihren Gemeinden und Quartieren bekannt sind und eine Rolle spielen.

Der Umstand, dass nur gerade fünf Prozent auf der Liste gestandene Politiker mit parlamentarischer Erfahrung sind, dürfte dem Wunsch Macrons nach Erneuerung entsprechen. Er möchte, dass die Arbeit im Parlament wieder Bürgerpolitik wird. Es entspricht aber auch dem Wunsch vieler Wähler, die den politischen Parteien misstrauen und auf neue Kräfte aus ihrer Mitte setzen.

Dass erst 428 Namen auf der Liste stehen, hat einen einfachen Grund: Die Kommission und die Jury, die sich mit den Bewerbungen befassen musste, war vom enormen Andrang überfordert. Seit Januar gingen 19‘000 Bewerbungen ein, weitere mehrere tausend seit dem letzten Sonntag. Alle Dossiers mussten geprüft werden, und es wurden über 1500 Einzelgespräche für eine erste Auswahl geführt. Am Samstag werden die glücklichen Ausgewählten nun zu einem ersten Ausbildungsgang eingeladen.