Marokko verliert Afrika-Cup – aus Angst vor IS?

Der Afrikanische Fussballverband CAF hat entschieden: Marokko ist nicht mehr Gastgeber der afrikanischen Fussball-Meisterschaft. Zuvor hatte der Staat eine Verschiebung des Turniers wegen der Ebola-Epidemie verlangt. Der wahre Grund dafür sei die Angst vor IS-Rückkehrern, sagt ein Korrespondent.

Das Stadium Mohammed V in der marokkanischen Stadt Casablanca aus der Vogelperspektive, ringsherum weisse Häuser Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Stadium Mohammed V in der marokkanischen Stadt Casablanca wird während des Afrika-Cups leer bleiben. Keystone

Marokko ist nicht länger Gastgeber für den Afrika-Cup 2015. Das teilte der afrikanische Fussballverband CAF mit. Zudem darf die Nationalmannschaft nicht am Turnier teilnehmen.

Afrika-Cup wird nicht in Marokko ausgetragen

4:48 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.11.2014

Marokko hatte zuvor wegen der Ebola-Epidemie in einigen afrikanischen Ländern auf eine Verlegung des Afrika-Cups um ein Jahr gedrängt. Das Sportministerium Marokkos hatte den Ebola-Virus in einer Stellungnahme als «höhere Gewalt» bezeichnet, deren Auswirkungen auf das Turnier «katastrophal» sein könnten. Die CAF hatte dies stets bestritten und sich auf Beratungen mit der Weltgesundheitsorganisation WHO bezogen. Laut CAF habe die WHO die Absage von Massenveranstaltungen nur in unmittelbar betroffenen Ländern wie Guinea, Sierra Leone und Liberia empfohlen.

Hunderte Marokkaner kämpfen für IS

Die Angst vor einer Einschleppung des Ebola-Virus sei etwa in Radiosendungen wiederholt geäussert worden, sagt ARD-Journalist Alexander Göbel, der sich in der marokkanischen Hauptstadt Rabat aufhält. Das sei allerdings ein unglaubwürdiges Argument: Marokko unterhalte nach wie vor Linienflüge in Ebola-Gebiete. Zugleich sei das Land auf mögliche Ebola-Infizierte mit Fiebermess-Stationen an Verkehrsknoten gut vorbereitet. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO sähe keine Probleme bei einer Durchführung des Turniers.

Ein orange-weiss-grün angemalter Fan der Elfenbeinküste hält einen Speer und ein Schild mit der Aufschrift "Stop Ebola" in die Höhe Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch im Fussball ein Thema: Ein Fan der Elfenbeinküste bei einem Qualifikationsspiel gegen Sierra Leone. Reuters

Daher macht Göbel einen anderen Grund für die Weigerung Marokkos aus, den Afrikacup im eigenen Land durchzuführen. «Das Land hat Angst vor Rückkehrern aus den Dschihad-Gebieten in Syrien und im Irak.» Es gäbe einige Hundert marokkanische IS-Kämpfer, die in Syrien zuerst gegen Assad und nun für die Terrorgruppe Islamischer Staat kämpften.

Übernimmt Angola die Gastgeberrolle?

Ob IS oder Ebola: Marokko hat den Afrikacup als prestigeträchtigen Event nun verloren. Der afrikanische Fussballverband will den neuen Gastgeber in den kommenden Tagen präsentieren. Nach Angaben der ägyptischen Staatszeitung «Al-Ahram» seien Angola, Nigeria und Gabun die möglichen neuen Austragungsorte, nachdem zuvor bereits Ghana und Südafrika abgelehnt hatten, das Turnier kurzfristig zu übernehmen. Angola hatte erst 2010 den Afrika-Cup ausgetragen und gilt als aussichtsreichster Kandidat.