May gegen Leadsom: Dafür stehen die beiden Kandidatinnen

Im September wählen die Mitglieder der Konservativen Partei die Nachfolgerin des amtierenden Premiers David Cameron. Sie haben die Wahl zwischen zwei Kandidatinnen des rechten Parteiflügels. Sehen Sie hier, wie sich die Positionen von Theresa May und Andrea Leadsom unterscheiden.

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Bildlegende: May (links) und Leadsom haben sich in vielen Bereichen gegensätzlich positioniert. Keystone

Theresa May und Andrea Leadsom heissen die beiden Kandidatinnen der Conservative Party für das Amt der britischen Premierministerin. Die 150‘000 Mitglieder der Tories wählen Anfang September ihr neues Oberhaupt.

Neben der Parteizugehörigkeit und der Tatsache, dass May und Leadsom im rechten Lager ihrer Partei politisieren, eint die beiden Frauen nur wenig. Sehen Sie hier, wo die wichtigsten Trennlinien liegen.

Brexit

  • Theresa May: Stand an der Seite David Camerons im Pro-EU-Lager. Sie hielt sich im Wahlkampf aber zurück und mied jede Profilierung. Trotzdem betonte sie im Falle ihrer Wahl bereits im Vorfeld: «Brexit bedeutet Brexit.» Mit ihr als Premierministerin werde es kein zweites Referendum zum EU-Austritt geben. Sie würde den EU-Austritt aber nicht vor Ende Jahr beantragen.
  • Andrea Leadsom: Ist eine Brexit-Befürworterin, die im Wahlkampf oft durch sachliche Argumente aufgefallen ist. Sie gilt als radikale EU-Kritikerin, die nichts mit der europäischen Einigkeit anfangen kann. Als Premierministerin würde sie den Austritt möglichst rasch beantragen. Sie hofft auf ein Freihandelsabkommen ohne Personenfreizügigkeit mit der EU.

Migration

  • May: Hat sich hier als Hardlinerin positioniert. Als amtierende Innenministerin musste sie David Camerons Versprechen umsetzen, die jährliche Einwanderung auf unter 100‘000 Personen zu senken. May reagierte scharf: Um sich niederlassen zu können, müssen Nicht-EU-Bürger neu nachweisen, dass sie jährlich über 35‘000 Pfund verdienen – 8000 Pfund mehr als der britische Durchschnitt. Zudem lässt sie EU-Ausländer im Ungewissen, ob sie nach dem EU-Austritt in Grossbritannien bleiben können.
  • Leadsom: Bei diesem Thema zeigte sie sich bisher weniger hart als Konkurrentin May. Leadsom versprach allen EU-Ausländern, dass sie auch nach dem EU-Austritt in Grossbritannien bleiben können.

Politische Ausrufezeichen

  • May: Im Widerspruch zu ihrem Pro-EU-Standpunkt hat sie sich wiederholt für den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Menschenrechtskonvention ausgesprochen. Von dieser Haltung ist sie nie ganz abgerückt. May hat sich in Vergangenheit wiederholt für Gleichstellung und die Homo-Ehe eingesetzt.
  • Leadsom: Mit einigen Anliegen fand sie grosse Unterstützung in der Basis der Konservativen Partei. Leadsom sprach sich dafür aus, das kürzlich erlassene Verbot der Fuchsjagd wieder rückgängig zu machen. Darüber hinaus stellte sie sich vermehrt gegen die Homo-Ehe. Sie betrachtet die Ehe als eine Vereinigung von Mann und Frau.

Karriere und Privates

  • May: Die 59-Jährige amtet seit 2010 als britische Innenministerin. Das Amt gilt als sicherer Karrierekiller. May konnte es bisher aber nichts anhaben. Niemand war länger Innenministerin als sie. Sie besuchte eine staatliche Schule, bevor sie in Oxford studierte. May stieg noch vor ihrem 30. Geburtstag in die Politik ein und arbeitete lange bei der englischen Notenbank. Sie gilt als strenge und entschlossene Politikerin, die gerne mit Margaret Thatcher verglichen wird. May ist kinderlos, verheiratet und bezeichnet sich als gläubige Christin.
  • Leadsom: Die 53-Jährige sitzt seit 2010 für die Konservativen im Unterhaus und ist seit vergangenem Jahr Staatssekretärin im Energieministerium. Sie besuchte ebenfalls staatliche Schulen und studierte an der University of Warwick. Danach war sie lange im Bankensektor tätig. Ihre mangelnde Erfahrung als Parlamentarierin macht sie laut ihren Unterstützern mit ihren Erfahrungen aus der realen Wirtschaft wett. Leadsom ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie bezeichnet sich ebenfalls als gläubige Christin.

SRF-Korrespondent Martin Alioth zu den Wahlchancen

«Die Wahlchancen der Kandidatinnen sind in etwa ausgewogen. Theresa May wurde von den Tories im Unterhaus mit grosser Mehrheit nominiert. Mit ihrer sachlichen Art, der langen Erfahrung, sowie ihrem Hintergrund als Pfarrerstochter könnte sie punkten. Die Mitglieder der Konservativen sind weiss, gut situiert und stark überaltert. Religiöse Traditionen spielen eine grosse Rolle. Andererseits haben 60 Prozent der Konservativen-Wähler für den Brexit gestimmt. Aus dieser Sicht wäre Andrea Leadsom wohl die konsequentere Wahl, um Grossbritannien aus der EU zu führen. Ausserdem handeln die Parteimitglieder oft überraschend und stimmen gegen die Favoriten. Am Ende ist die Wahl von May trotzdem etwas wahrscheinlicher.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Eine Premierministerin fürs Königreich

    Aus Tagesschau vom 7.7.2016

    Zwei Frauen machen die Nachfolge für David Cameron unter sich aus: Innenministerin Theresa May und Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom.

  • Tories wählen Cameron-Nachfolge

    Aus Tagesschau vom 5.7.2016

    Neun Wochen bleiben dem britischen Premierminister David Cameron. Heute hat das offizielle Wahlverfahren um seine Nachfolge begonnen. Die besten Chancen haben Innenministerin Theresa May und Staatssekretärin Andrea Leadsom.