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International Mazedonien: Drei Rücktritte und ein ungeheuerlicher Verdacht

Nach den tödlichen Gefechten zwischen Polizisten und vermeintlichen albanischen Terroristen sind zwei Minister und der Geheimdienstchef zurückgetreten. Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass die Regierung die Kämpfe inszeniert haben könnte – die Opposition ruft zu Massenprotesten auf.

Jankulovska am Begräbnis eines in Polizisten in der Stadt Tetovo
Legende: Zuerst nahm Innenministerin Jankulovska (links) am Begräbnis eines Polizisten teil. Stunden später trat sie zurück. Reuters

Nach schweren Kämpfen in Mazedonien sind zwei Minister und der Geheimdienstchef des Landes zurückgetreten. Innenministerin Gordana Jankulovska, Transportminister Mile Janakieski und der Geheimdienst-Chef Saso Mijalkov hätten ihren Rücktritt eingereicht, sagte ein Regierungssprecher. Ministerpräsident Nikola Gruevski habe die Rücktritte angenommen.

Bei den Gefechten in der Stadt Kumanovo waren am Wochenende 22 Menschen getötet und 37 verletzt worden. Der Innenministerin waren schwere Fehler bei der Polizeiaktion gegen bewaffnete Albaner angelastet worden.

Hat die Regierung die Kämpfe inszeniert?

Unterdessen mehren sich Indizien, dass die Regierung die Kämpfe möglicherweise gezielt organisiert haben könnte. Der pensionierte mazedonische General Ilija Nikolovski wiederholte seine These, bei den Bewaffneten habe es sich nicht um Terroristen gehandelt, wie von der Regierung behauptet, sondern um bezahlte Söldner.

Ein Angehöriger einer Spezialeinheit nach den Kämpfen in Kumanovo
Legende: Was geschah wirklich in Kumanovo? Nicht nur die Opposition äussert Zweifel an der offiziellen Version der Regierung. Keystone

Es sei unmöglich, dass die Dutzende Albaner derart grosse Mengen Waffen unbemerkt ins Land hätten bringen können, sagte er weiter.

Auch das Portal «Libertas» kritisierte, es gebe vonseiten der Regierung nur Desinformation. Die Behörden hätten bisher noch keinen einzigen Beweis für ihre Behauptung erbracht, es habe sich um erfahrene Terroristen gehandelt.

Weder die Innenministerin noch der Regierungschef oder hohe Polizeigeneräle hätten sich bei der Polizeiaktion in Kumanovo blicken lassen. Zudem gebe es bis heute keine offizielle Untersuchung der schweren Kämpfe.

Opposition plant Massenproteste

Die sozialdemokratische Opposition, die seit über einem Jahr wegen angeblicher schwerer Wahlfälschung das Parlament boykottiert, hat für Sonntag in Skopje zu Massenprotesten zum Sturz von Regierungschef Nikola Gruevski aufgerufen.

Der Konflikt fällt mitten in eine schwere politische Krise in Mazedonien. Die Regierung Gruevski sieht sich schweren Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Die Opposition wirft ihr ausserdem vor, illegal 22'000 Menschen abgehört zu haben.

Ethnisches Pulverfass Mazedonien

Der Konflikt wirft ein Schlaglicht auf das schwierige Verhältnis zwischen den Volksgruppen in der früheren jugoslawischen Teilrepublik. Im Jahr 2001 hatte es im Norden Mazedoniens einen Aufstand ethnischer Albaner gegeben. Er endete mit einem Abkommen, das den Albanern mehr Rechte zusagte. Das Verhältnis der Albaner zur Regierung in Skopje bleibt aber angespannt. Rund ein Viertel der 2,1 Millionen Einwohner des Balkanlandes sind ethnische Albaner.

Die Gefechte am Wochenende lösten international Besorgnis aus. EU, UNO und die deutsche Regierung riefen zur Deeskalation auf. Mazedonien ist seit zehn Jahren EU-Beitrittskandidat und strebt auch die Aufnahme in die Nato an.

40 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Wie ich sehe, sind auch bei diesem Thema die Putinisten schon wieder aktiv und versuchen die üblichen Feindbilder und Schuldzuweisungen zu verbreiten. Tatsache ist, dass es in Mazedonien ein immer autoritäreres Regime gibt, welches seit Jahres den Gegensatz zwischen slawischer Mehrheit und albanischer Minderheit akzentuiert. Mit dieser verantwortungslosen Politik hat sie u.a. schon bewirkt, dass ein EU-Beitritt (Mazedonien wäre eigentlich Kandidat) in weite Ferne gerückt ist.
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    1. Antwort von Ognjenovic Alexander, Zürich
      Und das Regime in Albanien ist nicht autoritär? Haben Sie sich schon mal darüber informiert wie sehr griechische und slawische Minderheiten in Albanien in Angst und Schrecken leben? Häuser werden angezündet, geplündert mit rassistischen Parolen verschmirt.... aber das interessiert dem linksorientierten Schweizer natürlich nicht, denn wir wissen alle wer eure Lieblingsausländer sind!!!!
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    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Herr Ognjenovic, Chauvinismus ist IMMER eine schreckliche Krankheit, von welcher Seite her er auch kommen mag! Und hier sprechen wir jetzt eben von der mazedonischen Ausprägung! Mit "linksorientiert" oder "Lieblingsausländern" hat das rein gar nichts zu tun! In Mazedonien gibt es eine grosse albanische Minderheit, welche in einigen Regionen sogar die Mehrheit bildet. Vernünftige Politik MUSS auf dieser Tatsache aufbauen und für Ausgleich und Vernunft sorgen, sonst werden ALLE verlieren!
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    3. Antwort von Ognjenovic Alexander, Zürich
      Bei allem Respekt... Sie sollten wissen, dass viele Albaner im vergangenen Jahrhundert nach Griechenland und auch nach Ex-Jugoslawien auswanderten um dort ein besseres Leben und eine bessere Zukunft zu finden! Und jetzt, da sie nicht mehr zufrieden sind mit den jeweiligen Ländern... wollen sie sich abspalten und sich demjenigen Land anschliessen, von wie sie einst abgehauen sind wegen schlechten Umständen! Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Schweiz dieses Vorhaben unterstützt! Sorry!!
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    4. Antwort von Betim Kelmendi, Baden
      @Ognjenovic Alexander, Das was Sie über Albanien erzählen stimmt in keinster Weise, das ist nichts anderes als Angstmacherei, Albanien ist wohl das toleranteste BalkanLand, sei es mit den Religionen wie auch mit den Minderheiten. Ich zweifle stark dass die SP ihre Denkmuster und Schubladisierungen teilt, bezüglich "Lieblingsausländer"
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    5. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Ognjenovic&Kelmendi, die Fortsetzung dieser Diskussion zeigt, welch verheerendes Konfliktpotenzial in und um Mazedonien vorhanden ist. Als neutraler Schweizer bitte ich um Vernunft und Friedfertigkeit. Niemand ist ein schlechterer Mensch, nur weil er oder sie albanisch, mazedonisch, serbisch.... was auch immer ist. Warum nicht all die Vorurteile und Ressentiments aus der Geschichte hinter sich lassen und gemeinsam in die Zukunft blicken?
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    6. Antwort von Ognjenovic Alexander, Zürich
      @ Herr Buchmann... ich bin mit Ihrer Idee einverstanden, dass wir alle Vorurteile und Ressentiments hinter uns lassen sollen und gemeinsam in die Zukunft blicken! Aber dafür ist es notwendig, dass die "lieben Albaner" darauf verzichten alle paar Jahre einen neuen Mini - Staat zu gründen! Wie von mir bereits erwähnt hätte Jugoslawien als Ganzes (Grenze 1990) der EU beitretten können, dann wären auch die Grenzen zu Albanien früher oder später geöffnet worden!!!
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    7. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Herr Ognjenovic, Ihre Idee eines vereinten Jugoslawien, das der EU beigetreten wäre und seine Grenzen zu Albanien geöffnet hätte, ist durchaus sympathisch! Aber ich fürchte, dass dieser Zug endgültig abgefahren ist. Jetzt muss versucht werden, im Rahmen der neuen Realitäten neue Katastrophen zu verhindern. Wenn es gelingt, wirtschaftliche Fortschritte zu machen, von denen alle profitieren, werden auch die ethnischen Reibungen nachlassen, das ist meine Hoffnung!
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    8. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      P.S. Die Bilanz der Regierung Gruevski ist ja gelinde gesagt durchwachsen.... Die Korruption grassiert, die Gewaltenteilung funktioniert nicht, und ökonomisch kommt das Land nicht wirklich vorwärts. In einer solchen Situation flüchten sich autoritäre Herrscher gerne in die Pose des "Retters" vor einer "faschistischen Bedrohung", das kennen wir ja auch von anderen aktuellen Beispielen....
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen, Amlapura
    Gladio - heute heissen solche Operationen vielleicht Phoenix ;)
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  • Kommentar von slobo, mellingen
    diese leute gehen weil sie seit 9 jahre nicht gemerkt haben das sie von unsere freunde abgehort werden,ein bild 1000 worten paul wolers us botschafter in mazedonien mit den terror scheff frei zugenglich auf uck homepage dritens meine freunde es geht um die " türkisch stream "die MUSS gestopt werden um jeder preiss und die grösste verlierer werden serbien ungarn grichenland und türkei sein ob diese mächtige länder glücklich über die albaner sein werden ist eine sehr grosse frage....
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