Mit Steueranreizen gegen die Lohnschere in den USA

In den USA werden die reichsten Menschen immer reicher. Der Mittelstand hingegen bleibt zurück. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Vertreter der Demokratischen Partei suchen nach Wegen, um Gegensteuer zu geben.

Hochhäuser in der City von San Francisco. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei den wichtigsten börsenkotierten US-Unternehmen verdient der Chef heute das 300-fache. Keystone

Loni Hancock sitzt in ihrem Büro im 14. Stock, hoch über Oakland, Kalifornien. Durchs Fenster sind in der Ferne die Wolkenkratzer San Franciscos zu sehen. In dieser Region weitet sich die Kluft zwischen Reich und Arm schneller aus als anderswo.

«Wir müssen etwas tun, statt darüber zu reden», sagt Hancock. Sie ist Senatorin im kalifornischen Parlament. Der Mittelstand sei stets das Fundament der US-Wirtschaft und -Gesellschaft gewesen. Das zerbröckle nun.

Belohnung für niedrige Cheflöhne

Die demokratische Politikerin schlägt einen Steueranreiz vor. Unternehmen, die ihrem Chef mehr als 200-mal soviel bezahlen, wie ihre Mitarbeiter im Schnitt verdienen, sollen höher besteuert werden. Firmen, die eine gleichmässigere Lohnstruktur aufweisen, sparen dafür Steuern. «Ein Anreiz für eine ausgewogenere Vergütung ist der richtige Weg», sagt Loni Hancock.

Der Vorschlag stösst auf den geballten Widerstand der Wirtschaftslobbys, allen voran der Handelskammer, der «California Chamber of Commerce». Diese warnt davor, dass Firmen gezwungen würden Kalifornien zu verlassen, wenn sie talentierte Spitzenmanager nicht mehr mit hohen Löhnen anziehen könnten.

Der Mittelstand generiert die Nachfrage

Doch Hancock winkt ab. Mit diesem immer gleichen Argument versuche die Wirtschaft, alle ihre unangenehmen Vorschläge zu bodigen. «Nicht die CEOs schaffen Jobs, die Kunden tun dies, indem sie Dinge kaufen und Nachfrage generieren», sagt Hancock. Wenn nur ein Prozent der Menschen reicher werde, fehle die Kundschaft.

Die 500 grössten an der Börse kotierten US-Firmen zahlten ihren Chefs fast 300-mal soviel wie der Durchschnittslohn in diesen Firmen beträgt. Vor drei Jahrzehnten war es 30-mal soviel. Damals sei es der Wirtschaft besser gegangen, argumentiert Hancock. Ihr Vorschlag wurde in der zuständigen Kommission gutgeheissen.

Als Nächstes kommt die Steuerstrafe für hohe Managerlöhne in den kalifornischen Senat. Falls der Vorschlag eine Mehrheit gewinnt, werden weitere Ideen folgen. Denn Hancock und ihre demokratische Partei sehen dies nur als eine erste kleine Massnahme, um den Graben zwischen Arm und Reich zuzuschütten.