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International Moldawien: Prorussischer Kandidat siegt bei Präsidentschaftswahl

Bei der Präsidentschaftswahl in der Ex- Sowjetrepublik Moldawien haben sich die Wähler für den Sozialisten Igor Dodon entschieden. Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt der prorussische Kandidat auf rund 56 Prozent der Stimmen. Seine Rivalin Maia Sandu spricht von Unregelmässigkeiten.

Der prorussische Präsidentschaftskandidat in Moldawien, Igor Dodon.
Legende: Rückt Moldawien bald näher zu Russland? Igor Dodon hat jedenfalls angekündigt, sich von der EU abkehren zu wollen. Reuters

Der prorussische Kandidat Igor Dodon hat die Präsidentschaftswahl in Moldawien gewonnen. In der Stichwahl kam der Sozialist auf 55,9 Prozent der Stimmen – nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen. Seine proeuropäische Politikerin Maia Sandu kommt demnach auf 44,1 Prozent.

Ex-Bildungsministerin Sandu warf der Wahlleitung Unregelmässigkeiten vor. Viele Wahllokale hätten früher als geplant geschlossen, erklärte die 44-Jährige.

Dodon bereits bei erster Wahlrunde vor Sandu

Dodon hatte im Wahlkampf erklärt, die Annäherung der ehemaligen Sowjetrepublik an die EU umkehren zu wollen. Sandu hatte sich im Wahlkampf für die Fortsetzung des Westkurses des 3,5-Millionen-Einwohner-Landes ausgesprochen.

Bereits in der ersten Wahlrunde hatte Dodon vor Sandu gelegen. Er hat für den Fall seines Sieges eine Volksbefragung über die Aufhebung eines Handelsabkommens mit der EU aus dem Jahr 2014 angekündigt. Stattdessen soll sich Moldawien einer von Russland geführten Zollunion anschliessen.

Einschätzungen von SRF-Korrespondent Christoph Franzen

«Das Volk war enttäuscht von seiner proeuropäischen Regierung. In der Vergangenheit kam es zu einem grossen Betrugs- und Korruptionsskandal, was die gesamte politische Ausrichtung des Landes in Verruf brachte. Viele Menschen wendeten sich wieder prorussischen Politikern zu, die aber in früheren Regierungszeiten ebenfalls als hoch korrupt galten. Zudem machte Russland in den letzten Jahren – ähnlich wie bei der Ukraine – unter anderem Druck mit Embargos gegen moldawische Produkte. Ob nun eine proeuropäische oder prorussische Regierung – das Grundübel bleibt: Moldawien ist faktisch einer Bande rücksichtsloser Oligarchen ausgeliefert. Das Land ist darum arm, und Perspektiven gibt es kaum.»

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Man kann über Oligarchen sicher geteilter Meinung sein und Korruption spielt ja in solchen wirtschaftlichen Situationen praktisch unvermeidbar immer mit. Franzen lege ich mal kurz nahe, in seiner Heimat zu schauen, wie der wirtschaftliche Aufbau so vonstatten ging und wer heute noch das Sagen dort hat und ob das wirklich von so grossem Nachteil ist.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Der Artikel vereinfacht die Situation in Moldawien doch etwas zu stark. Fakt ist, dass in Moldawien die ethnischen Konflikte (siehe Transnistrien) und deren Folgen wohl doch eine grössere Rolle spielen und die EU sich auch hier im Versetzen von Nadelstichen gegen Russland übt. Fakt ist nun mal, dass das russisch-geprägte Transnistrien wirtschaftlich erfolgreicher arbeitet als der Rest der Republik, wo gewisse EU-freundliche Politiker immer noch von einem Anschluss an Rumänien träumen.
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  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    Der NATO Boss Rasmussen warnt uns unaufhörlich vor der Gefahr dass die ehem. Ostblockstaaten von Russland angegriffen und annektiert werden. Scheinbar wollen diese aber, Moldawien wie auch die Krim und weitere, freiwillig mit den Russen zusammenarbeiten. Die Gefahr geht wohl viel stärker von dem oben erwähnten unter Wahrnehmungsstörungen leidenden General aus.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Nachdem im Juli 2014 Moldawien mit der EU ein Assoziierungsabkommen abschloss, verhängte Putin postwendend Strafmaßnahmen auf dem Agrarsektor, ein schwerer Schlag gegen die Wirtschaft des Landes. Putin hat da und durch den früheren russischen Einmarsch auf transnistrischem Territorium ganze Arbeit geleistet. Zusammen mit Wahlen nach russ. Muster kommt es dann, dass ein so eingeschüchtertes Völklein "freiwillig mit den Russen zusammenarbeiten" will. Abstrus hier die NATO ins Spiel zu bringen.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Chauvet: Das ist so nicht richtig. Russland hat im Frühjahr 2006 die Einfuhr von Moldawischen Gütern blockiert, aber im Sommer 2006 diese bereits wieder ins Land gelassen. Gegenüber Moldawien sind die aktuellen Einfuhrstopps Russlands für Agrargüter aus der EU nicht gültig. So nebenbei: die EU hat auf Betreiben der Deutschen eine Teilblockade gegenüber Russland ausgesprochen, worauf Russland Gegenmassnahmen einleitete (Agrargüter). Deutschland ist der Bösewicht, nicht Russland!
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    3. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @ Ducrey: Würde Ihnen auch empfehlen, in obigem Artikel (grau schraffiert) nachzulesen: "Zudem machte Russland in den letzten Jahren – ähnlich wie bei der Ukraine – unter anderem Druck mit Embargos gegen moldawische Produkte". Vielleicht könnten sie dann auch Ihre bösarte Unterstellung "Deutschland ist der Bösewicht, nicht Russland!" zurücknehmen.Im übrigen überschätzen Sie Deutschland maßlos. Ich jedenfalls kann wahrheitsgemäß sagen: "RUSPutin ist der Bösewicht, nicht Deutschland!"
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