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Machtwechsel in Südkorea Moon als Präsident bestätigt

Legende: Video Linksliberaler Moon wird Präsident Südkoreas abspielen. Laufzeit 2:17 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.05.2017.
  • Der linksgerichtete Kandidat Moon Jae In ist von der Wahlkommission in Seoul offiziell als Sieger der Präsidentenwahl bestätigt und vereidigt worden.
  • Laut der Agentur Yonhap erhielt Moon 41,08 Prozent der Stimmen.
  • Moon soll noch heute als neuer Staatschef Südkoreas vereidigt werden.

Mehr als vier Jahre nach seiner Niederlage gegen die frühere Präsidentin Park Geun Hye, die im März wegen Korruptionsvorwürfen vorzeitig abgesetzt wurde, steigt der 64-jährige Moon im zweiten Anlauf ins höchste Staatsamt auf. Die Wahlkommission in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul bestätigte ihn offiziell als Sieger. Moon ist bereits vereidigt worden.

Wie die Agentur Yonhap berichtete, erhielt Moon 41,08 Prozent der Stimmen. Der Konservative Hong Joon Pyo von der Regierungspartei der abgesetzten Staatschefin Park Geun Hye kam demnach auf 24,03 Prozent der Wählerstimmen, der Mitte-Politiker Ahn Cheol Soo auf 21,4 Prozent.

Etwa 42,5 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Beteiligung lag bei 77,2 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf die staatliche Wahlkommission berichtete.

Strategische Bedeutung

Die Abstimmung hat grosse strategische Bedeutung für Asiens viertgrösste Volkswirtschaft. Im Präsidialsystem des Landes trifft das Staatsoberhaupt fast alle wichtigen Entscheidungen.

Die Neuwahlen waren notwendig geworden, nachdem Park wegen eines Korruptionsskandals ihres Amtes enthoben worden war. Die Affäre hatte in Südkorea hohe Welle geschlagen und zu Protesten hunderttausender Menschen geführt.

Beobachter hatten wegen der Affäre mit einer Abstrafung der konservativen Regierungspartei gerechnet. «Ich spüre den starken Willen des Volkes, die Regierung zu ändern», sagte Moon bei der Stimmabgabe.

Einschätzung von SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi

Die jüngeren Südkoreaner glauben immer weniger, dass nur die Konservativen den Süden vor Nordkorea beschützen können. Sie hoffen auf eine Entspannung. Moon ist tendenziell gegen das amerikanische Raketenabwehr-System THAAD, das das Land vor nordkoreanischen Angriffen schützen soll. Es hat viele Menschen erzürnt, weil es in Südkorea aufgestellt wurde, ohne die Meinung der Bevölkerung miteinzubeziehen. Washington wird indes keine Freude daran haben, sollten sich Nord- und Südkorea wieder annähern. Deswegen wird man die USA in Südkorea weiterhin bei allen Entscheidungen berücksichtigen. Wenn es darauf ankommt, setzt auch Moons demokratische Partei nach wie vor auf die USA.

Moon wurde 1953 in der südlichen Sadt Geoje als Kind von Flüchtlingen aus Nordkorea geboren. Er studierte Jura an der Kyunghee-Universität in Seoul. Er ist mit Kim Jung Sook verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Mögliche Kursänderung

Sein Wahlsieg könnte nun eine Kursänderung Seouls gegenüber Nordkorea zur Folge haben. Moon befürwortet einen Dialog mit dem Nachbarn im Norden, dessen Führung in Pöngjang ungeachtet internationaler Kritik ihr Atom- und Raketenprogramm vorantreibt. Der Politiker der Demokratischen Partei befürwortet aber auch Sanktionen gegen den Norden.

Er will zudem die Position Südkoreas in der Diplomatie stärken, wie er in einem YouTube-Video erklärte. Moon plädiert für eine grössere Unabhängigkeit von den USA, die mit zehntausenden in Südkorea stationierten Soldaten zu den engsten Verbündeten des Landes zählen. Sein Land dürfe nicht länger tatenlos zusehen, wie die USA und China die zentralen Gespräche dominierten.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Vogt (bru.vogt)
    Ein sehr positives politisches Signal aus Südkorea. Nur wird sich die USA mit ihren Provokationen gegen Pjöngjang nicht zurückhalten, nur weil Moon jetzt Präsident ist. Südkorea wird militärisch zu 100% durch Washington kontrolliert. Genauso wenig hört man im weissen Haus und im Pentagon auf die Länder der Region. Die ASEAN Staaten, China, Russland alle wollen sie eine friedliche Lösung und Deeskalation, das kümmert den Weltpolizist leider wenig.
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  • Kommentar von Luca Bachofner (Ama et fac quod vis!)
    Völlig egal ob weiche oder harte Politik gegen Nordkorea, sie werden ihr Atombomben Programm NICHT beenden, Nordkorea lebt innenpolitisch vom Hass gegen die USA und Südkorea, dies ist die Zentrale Propaganda mit der sich Kim die Unterstützung des Volkes sichert und sich an der Macht hält, bis zum Ende.
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  • Kommentar von Luca Bachofner (Ama et fac quod vis!)
    Ich bezweifle Stark das Kim mit sich reden lässt, hat er früher nie getan und wird er auch in Zukunft nicht, Die USA wird nicht gerne zuschauen wie Nordkorea weiter Atombomben Programme führt, ich befürchte es wird irgendwann zwangsläufig zum Krieg kommen, spätestens wenn die Atombomben Einsatzbereit sind. Nordkorea wird sein Atombomben Programm NICHT beenden, davon bin ich leider überzeugt, egal ob weiche oder harte Politik gegen Nordkorea.
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