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International Mursi: Vom Präsidenten zum Terroristen

Mohammed Mursi von den Muslimbrüdern gewann 2012 die ersten freien Präsidentenwahlen in Ägypten. Nach einem Jahr ereilte ihn dasselbe Schicksal wie sein Vorgänger – er wurde gestürzt. Seither überschlugen sich die Ereignisse. Heute gilt die Muslimbruderschaft als Terrororganisation. Ein Rückblick.

  • Anhänger von Mursi mit einem Plakat
    Legende: Der Sturz von Mubarak im Februar 2011 eröffnet den Muslimbrüdern neue Möglichkeiten. Sie gründen die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei und wählen Mursi zum ersten Vorsitzenden. Als solcher tritt er bei der Präsidentschaftswahl 2012 an. Reuters

    Februar 2011:

    Die Muslimbruderschaft, der auch Mohammed Mursi angehört, ist seit ihrer Gründung 1928 die meiste Zeit über verboten. So auch unter dem Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak. Der Sturz von Mubarak im Februar 2011 eröffnet den Muslimbrüdern neue Möglichkeiten. Sie gründen die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei und wählen Mursi zum ersten Vorsitzenden. Als solcher tritt er bei der Präsidentschaftswahl 2012 an.

  • 24. Juni 2012:

    Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Er erringt 51,7 Prozent der Stimmen. Mit ihm tritt erstmals ein Zivilist an die Spitze des ägyptischen Staates.

  • 29. November 2012:

    Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. Mit Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

  • Ein Mann hält ein Plakat, auf dem je eine Gesichtshälfte von Mursi und von Mubarak zu sehen ist
    Legende: Im November 2012 erlässt Mursi Dekrete, die ihn juristisch unanfechtbar machen. Kritiker vergleichen ihn immer mehr mit Hosni Mubarak. Reuters

    2. Juni 2013:

    Mursi erlässt Dekrete, die ihn juristisch unanfechtbar machen. Kritiker vergleichen ihn immer mehr mit Hosni Mubarak. Im Juni 2013 verkündet das oberste Verfassungsgericht, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

  • 30. Juni 2013:

    Eine Unterschriftenkampagne der Initiative «Tamarud» (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender. Auch die Armee stellt ein Ultimatum und fordert eine Lösung des Konflikts.

  • 3./4. Juli 2013:

    Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

  • 26./27. Juli 2013:

    Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft – mit ihm auch andere hochrangige Politiker der Muslimbruderschaft.

  • 8. August 2013:

    Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

  • 14. August 2013:

    Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi-Anhängern gibt es nach Regierungsangaben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

  • Demonstranten werfen Steine
    Legende: 4. Oktober 2013: Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet. Reuters

    4. Oktober 2013:

    Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

  • Mursi-Gegner zerstören das Hauptquartier der Muslimbruderschaft
    Legende: Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal. Keystone

    23. September 2013:

    Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

  • Mehrere Särge, mit ägyptischen Flaggen bedeckt
    Legende: 19. August 2013: Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen der Tötung von Demonstranten ein. Es folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz. Keystone

    19. August 2013:

    Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen der Tötung von Demonstranten ein. Es folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

  • Zwei Männer schauen TV, auf dem Mursi hinter Gittern zu sehen ist
    Legende: 28./29. Oktober: Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmässigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen. Reuters

    28./29. Oktober 2013:

    Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmässigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

  • 4. November 2013:

    Kurz nach Beginn wird der Strafprozess gegen Mursi auf den 8. Januar 2014 vertragt.

  • Adli Mansur
    Legende: 24. November 2013: Übergangspräsident Adli Mansur hat ein umstrittenes Demonstrationsgesetz unterzeichnet, wie Medien berichten. Künftig müssen Demonstrationen drei Tage vorher angemeldet werden. Reuters

    24. November 2013:

    Übergangspräsident Adli Mansur unterzeichnet ein umstrittenes Demonstrationsgesetz. Künftig müssen Demonstrationen drei Tage vorher angemeldet werden.

  • 1. Dezember 2013:

    Die Verfassungskommission nimmt den Entwurf für eine neue Verfassung an. Im Januar 2014 soll in einem Referendum darüber abgestimmt werden.

  • Mursi und andere Männer hinter Gittern
    Legende: 18. Dezember 2013: Mursi (recht im Bild) ist nun auch wegen Spionage und Terrorismus angeklagt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Keystone

    18. Dezember 2013:

    Die Vorwürfe gegen Mursi wiegen schwer: Der abgesetzte Präsident ist nun auch wegen Spionage und Terrorismus angeklagt.

  • 24. Dezember 2013:

    Bei einem Bombenanschlag auf die Zentrale der Polizei in der nordägyptischen Stadt Al-Mansura kommen 16 Menschen ums Leben, mehr als 100 werden verletzt.

  • 25. Dezember 2013:

    Radikale Islamisten bekennen sich zu dem Anschlag. Die Regierung stuft die Muslimbruderschaft als Terrororganisation ein, weil das Attentat angeblich auf ihr Konto gehe. In den folgenden Tagen werden Hunderte Muslimbrüder festgenommen.

  • Mursi
    Legende: Der Prozess gegen Mursi läuft. Bei einem Schuldspruch droht ihm und den Mitangeklagten lebenslange Haft oder die Todesstrafe. Keystone

    8. Januar 2014

    Das Strafverfahren gegen Mursi wegen der angeblichen Tötung von Demonstranten ist auf den 8. Januar angesetzt. Die Sitzung wird jedoch auf den 1. Februar verschoben. Begründung des Gerichts: Mursi könne wegen schlechten Wetters nicht mit dem Helikopter zum Gerichtssaal gebracht werden. Bei einem Schuldspruch droht ihm lebenslange Haft oder die Todesstrafe. Ende Januar muss Mursi sich zusätzlich wegen eines Gefängnisausbruchs aus dem Jahr 2011 vor Gericht verantworten. Ein drittes Verfahren wegen Terrorismus und Spionage ist in Vorbereitung.

  • Mursi hinter Gitter.
    Legende: Im April wurde Mursi bereits verurteilt. Keystone/Archiv

    21. April 2015

    Mursi wird in einem anderen Verfahren wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Demonstranten zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

  • 16. Mai 2015

    In Kairo ist der ehemalige ägyptische Präsident Mohammed Mursi zum Tod verurteilt worden. Das Gericht sprach ihn wegen Spionage schuldig. Mit ihm sollen 105 weitere Funktionäre und Anhänger der Muslimbruderschaft hingerichtet werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen , Bern
    Auch wenn sie auch einen gemeinnützigen Arm hat (ähnlich wie die Hisbollah im Libanon), um die armen, einfachen Leute einzuseifen, die Muslimbruderschaft war schon immer eine sunnitische Terrororganisation - alles von Hamas bis al-Qaeda beruft sich ideologisch auf die MB. Gut, dass dieser Laden in Ägypten politisch aus dem Verkehr gezogen wurde - nur weil man demokratisch gewählt wird, ist man eben noch lange kein Demokrat. Das sollten wir spätestens seit Hitler und den Nazis kapiert haben.
    1. Antwort von Albert Planta , Chur
      Ägypten ist nach dem Putsch der Obristen ohne Zweifel in die Zeit von Mubarak zurückgefallen. Das Land entwickelt sich zu einem gefallenen Staat.
    2. Antwort von Björn Christen , Bern
      Mubarak und jetzt al-Sisi sind Mursi und den Fanatikern der Muslimbruderschaft 100 Mal vorzuziehen. Ägypten und all diese anderen islamischen Länder funktionieren nur einigermassen, wenn ein Autokrat am Ruder ist, der etwaige Extremisten - notfalls mit Gewalt - in Schach hält. Demokratie ist dort bis auf weiteres keine Option.
    3. Antwort von Albert Planta , Chur
      100 Mal vorzuziehen? Haben sie vergessen, warum die Bevölkerung gegen dieses korrupte Regime aufgestanden ist? Es ticken nicht alle Leute gleich wie sie und verherrlichen korrupte Regimes.