Terror in Berlin Mutmasslicher Fahrer des Sattelschleppers im Verhör

Zwölf Menschen sterben. Mindestens 48 werden verletzt. Die Polizei vermutet, dass es ein terroristischer Anschlag war.

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Die Ereignisse am Berliner Weihnachtsmarkt

1:36 min, vom 19.12.2016

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Gedächtniskirche in Berlin ist ein Lkw in die Menge gefahren.
  • Die Polizei bestätigte in der Nacht 12 Todesopfer. Mindestens 48 weitere Menschen sind verletzt, teilweise schwer.
  • Ein Verdächtiger wurde in Untersuchungshaft genommen, ein weiterer Verdächtiger ist tot.
  • Die Polizei geht davon aus, dass der Lkw vorsätzlich in den Weihnachtsmarkt gesteuert worden ist.

Bei einem vermutlichen Anschlag mit einem Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin sind am Montagabend mindestens zwölf Menschen getötet worden. Das teilte die Berliner Polizei mit. Nach Angaben der Feuerwehr wurden mindestens 48 Menschen teils lebensgefährlich verletzt.

Der mutmassliche Fahrer des Lkw konnte festgenommen werden. Er wurde in der Nacht verhört. Seit heute Morgen geht die Polizei davon aus, dass der Sattelschlepper vorsätzlich in den Weihnachtsmarkt gefahren ist. Es ist von einem vermutlich terroristischen Anschlag die Rede.

Der Tathergang

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern mit hoher Geschwindigkeit über den Markt und zerstörte dabei mehrere Buden. Der Lastwagen kam schliesslich am Rande der Budapester Strasse zum Stehen. Der Fahrer war zunächst Richtung Zoo geflüchtet.

Das Gelände wurde abgesperrt, Passanten wurden vom Weihnachtsmarkt wegbegleitet. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Ein weiterer Mann, ein Pole, der auf dem Beifahrersitz sass, sei tot, bestätigte ein Polizeisprecher.

«  Was wir hier sehen, ist dramatisch. »

Michael Müller
Berlins Bürgermeister

Der Inhaber der polnischen Speditionsfirma, der der Lastwagen gehört, erklärte in einem Interview mit einem polnischen TV-Sender, der eigentliche Fahrer sei sein Cousin gewesen. Er habe aber seit 16 Uhr keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt. Das Fahrzeug könnte demnach auch von einer Baustelle gestohlen worden sein.

«Was wir hier sehen, ist dramatisch», sagte Berlins Bürgermeister, Michael Müller. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte ihre Betroffenheit ebenfalls: «Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann.»

«  Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann.  »

Angela Merkel
Bundeskanzlerin (CDU)

Heute Vormittag treffen sich die Bundesinnenminister und die Innenminister von Bund und Ländern zu Beratungen zu allfälligen Reaktionen – etwa, ob die Weihnachtsmärkte nun besonders geschützt oder geschlossen werden sollen.

Erinnerung an Nizza

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als am Nationalfeiertag ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der südfranzösischen Stadt fuhr. Für den Anschlag hatte die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) die Verantwortung übernommen.

Einschätzung von SRF-Korrespondent Peter Voegeli in Berlin

«Ich glaube nicht, dass die Leute nun panisch reagieren, aber ich denke, dass sie betroffen sind. Denn diesen Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz kennt jeder. Jeder war schon einmal da. Es gibt Glühwein und Currywurst. Viele Geschäfte und Kinos befinden sich dort, im Westen Berlins. Wenn man dort einkaufen geht, so geht man über diesen Weihnachtsmarkt. Insofern: Weil jeder schon einmal da war, trifft das die Berliner. Es ist der erste grosse Anschlag in Deutschland wie in Nizza. Ich glaube zwar, dass man in Deutschland damit gerechnet hat, aber dies trotzdem nicht erwartet hat.»