Farc-Konflikt Nach 53 Jahren ruhen die Waffen

Die Farc hat die Waffen abgegeben, in Kolumbien kann der Frieden beginnen. Das Ende einer langen Verhandlungsgeschichte.

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Die Ziele der Farc bleiben, ihre Mittel sind aber anders

0:52 min, vom 27.6.2017

Wer ist die Farc? Seit 1964 kämpfte die «Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo» («Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee» gegen den kolumbianischen Staat. Die marxistische Gruppierung entstand im Konflikt um die gleichmässige Bodenverteilung und kämpfte als Guerilla-Rebellen aus dem Untergrund.

Seit 2012 verhandelten die Farc-Rebellen mit einer Delegation um Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos über einen Waffenstillstand und die Zukunft der Farc-Rebellen. Unter anderem einigten sich die Parteien über Friedenszonen im Land, in denen die Rebellen straffrei leben können. Ebenfalls vereinbarten sie eine Sonderjustiz, bei der die Farc-Rebellen mit Haftstrafen von maximal acht Jahren rechnen müssen. Die Farc verpflichtet sich im Gegenzug, dass die Rebellen ihre Waffen abgeben und die Kämpfer sich der Regierung stellen.

Rückschläge: Am 2. Oktober 2016 sollte das kolumbianische Stimmvolk den Friedensvertrag absegnen. Es sagte allerdings Nein: Insbesondere die Sonderjustiz sorgte für rote Köpfe in der Bevölkerung, sowie der Plan, dass die Farc garantierte Sitze im Parlament und im Senat erhalten soll. Mit 50,21 Prozent verwarf es den Friedensvertrag.

Nach der Abstimmung ging der Vertrag ins Parlament, wo er verschärft wurde. Unter anderem wurde die kritisierte Strafregelung härter formuliert und entschieden, dass das Vermögen der Rebellen eingezogen wird, um damit Opfer zu entschädigen. Präsident Santos will nun auch mit der kleineren ELN-Guerilla ein ähnliches Abkommen schliessen, um den Frieden komplett zu machen.

Die Hindernisse: Es ist schwer, eine Vertrauensbasis aufzubauen mit Menschen, die ihr ganzes Leben als Guerillas im Dschungel verbracht haben. Auch wenn der Staat eine monatliche finanzielle Unterstützung anbietet, gibt es dennoch Dissidenten, die sich gegen das Leben in der Zivilisation entscheiden und weiter in der Illegalität leben. Besonders lukrativ ist dabei der Handel mit Kokain – seit die Farc-Rebellen sich daraus zurückziehen, übernehmen kriminelle Banden und paramilitärische Gruppen ihren Platz.

Symbolträchtiger Frieden: Die Entwaffnung der Farc bedeutet das Ende eines über 50-jährigen Konfliktes, bei dem über 220'000 Menschen starben und wohl über 6 Millionen Menschen vertrieben wurden. Entsprechend symbolträchtig ist das friedliche Ende der Farc-Ära. Der ausgehandelte Friedensvertrag wurde mit einem Kugelschreiber unterschrieben, der aus einer Patronenhülse gefertigt worden war. «Unsere Vergangenheit wurde mit Kugeln geschrieben, die Bildung wird unsere Zukunft schreiben», war darauf zu lesen. Die abgegebenen Waffen sollen zudem zu drei Kriegsdenkmälern zusammengeschweisst werden. Diese sollen in Kolumbien, New York und Havanna (hier fanden die Friedensverhandlungen statt) aufgebahrt werden.