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International Nach Absturz: Der Machtpoker von Russland, USA und EU

Nach der Tragödie schieben sich die politischen Akteure gegenseitig die Schuld zu. Eine Einschätzung von Politikwissenschaftler Michael Lüders.

Was als lokaler Konflikt in der Ukraine begann, ist zu einem ausgewachsenen Konflikt mit Eskalationspotenzial geworden. Die politische Rhetorik auf höchster Ebene verschärft sich seit dem Absturz der Passagier-Maschine von Tag zu Tag.

Jede Seite will politisch Kapital aus der Krise schlagen – das politische Machtspiel ist in vollem Gange. USA, Russland, EU – wer verfolgt welche Strategie? Der deutsche Politikwissenschaftler Michael Lüders nimmt in der «Tagesschau» Stellung.

Legende: Video Lüders zu Obama abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2014.

Lüders zur Taktik von Obama:

«Barack Obama geht es darum, die Konfrontation mit Russland aufrecht zu erhalten. Wir haben seit mehreren Monaten eine scharfe Zuspitzung der Beziehung zwischen den USA und Russland.

Die Ukraine ist neben Georgien und Moldau eines der Problemfelder, wo sich dieser Konflikt bricht.

Der Abschuss der MH17 ist natürlich ein hervorragender Aufhänger, um diesen Konflikt noch einmal in aller Schärfe zu beleuchten. Die Amerikaner wollen die Russen in die Pflicht nehmen und sie wollen Russland politisch und diplomatisch isolieren, obwohl die Urheberschaft natürlich formal juristisch noch nicht ganz klar feststeht.»

Legende: Video Lüders zu Merkel abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2014.

Lüders zur Rolle der EU:

«Die EU macht sich zum Handlanger der USA. Doch die Interessen der Europäer gegenüber der Ukraine sind ganz andere, als die der Amerikaner. Vor allem können die Europäer kein Interesse daran haben, dass die Ukraine in einem blutigen Bürgerkrieg versinkt.

Es ist auch nicht sinnvoll, Russland zu isolieren. Die Europäer hätten hier ein grösseres Interesse auf die Bremse zu treten, aber sie folgen der Amerikanischen Spur.

Und das Ergebnis ist, dass wir Europäer am Ende den politischen und auch finanziellen Preis für diese Krise bezahlen müssen, während die Amerikaner die Nutzniesser dieser Konfrontation sind.»

Legende: Video Lüders zu Putin abspielen. Laufzeit 00:12 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2014.

Lüders zum Machtpoker von Putin:

«Wladimir Putin will natürlich Russland aus der Schusslinie nehmen. Es spricht vieles dafür, dass die Raketen von Rebellen mit russischer Bewaffnung abgefeuert wurden.

In diesem Fall wird natürlich Russland international politisch vorgeführt werden, allen voran von den USA.» Dabei gehe es dann letztlich nicht mehr um des Todes der unschuldigen Passagiere, sondern um Macht und Geopolitik.

Man dürfe in dem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass die Amerikaner 1988 ein iranisches Verkehrsflugzeug mit 288 Passagieren abgeschossen hätten, so Lüders. «Es braucht immer einen geopolitischen Rahmen, damit eine solche Tragödie zu einem politischen Konfliktfall wird.»

Zur Person

Michael Lüders ist ein deutscher Politik- und Islamwissenschaftler sowie Publizist. Der 55-Jährige ist Mitinhaber der Middle East Consultig Group in Berlin.

Liveticker

Hier geht es zu den aktuellen Entwicklungen nach dem MH17-Absturz.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Also diese Medien-Berichte über diesen Abschuss sprechen Bände. Offenbar gibt es an der PR-Front einen Unterschied, ob eine iranische A300 oder eine Boeing 777 bzw. Boeing 747 abgeschossen worden ist. - Wie wäre es, wenn man gar keine Verkehrsflugzeuge abschiessen würde ?
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  • Kommentar von peter mueller, zürich
    Vor allem zeigt der aktuelle Vorfall, dass die Ukrainische Regierung und Armee keine Kontrolle über Ihr Land haben. Wenn ein Staat nicht in der Lage ist einen Raketenstart im eigenen Land zu dokumentieren läuft etwas gravierend falsch. Man darf nicht daran denken was pasiert wäre wenn Russland die Nuklearwaffen 1991 nicht zurückgeholt hätte. Es gibt bis heute keine Beweise - selbst ein Sprengstoff Anschlag ist immer nboch möglich. Gewisse Indikatoren bei der Fragmentierung werfen Fragen auf
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    1. Antwort von M.Krebser, Thun
      Deshalb hat Russland rechtzeitig in Krim eingeschritten weil dort in Sewastopol sehr wahrscheinlich Atom-U-Boote liegen. Stellen wir uns vor dieses Szenario wenn jetzt rechtsradikale Kräfte (Rechter Sektor) diese Nuklearwaffen in eigene Gewalt hätten. Sehr empfehlenswert zu hören auf youtube "nachdenKEN über: Krim-Krimi und die wahren Hintergründe", "KenFM im Gespräch mit: Willy Wimmer von CDU (Juni 2014)".
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    2. Antwort von Peter Oppliger, Walenstadt
      @Müller, kennen Sie den Konflikt in der Ukraine? Wissen Sie was dort abläuft ?Scheinbar nicht, oder Sie blenden alles aus was Ihnen nicht passt. Wie kann der Staat einen Raketenstart dokumentieren, wenn dieser in einem Kriegsgebiet-Abschnitt passiert ist? Und eventuell dazu noch von Separatisten ? Es gibt vielleicht noch keine Beweise, doch alle Indizien sprechen für diese Version !!
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  • Kommentar von Markus Messmer, Wildhaus
    Neutrale Einschaetzung? Aus meiner Sicht sind das eher Mutmassungen von Hr. Lueders und tragen nichts zum Frieden auf der Welt bei. Ich bin entaeucht, dass SRF Lueders zu Wort kommen laesst, offenbar der Nachfolger von Scholl-Latour, der mit seinen Berichten ueber jahrzehnte kein bisschen zur Konfliktloesung und zum Frieden begetragen hat. Ich denke solche Berichte foerdern in der Schweiz nur den Hass auf andere Nationen die eigentlich unsere Freunde sind!
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Markus Messmer: Wer sind denn unsere Freunde und warum? Übrigens: Meines Wissens haben Berichte noch nie zu einer Konfliktlösung beigetragen, sondern nur aktive Friedenspolitik. Und die ist weiss Gott nirgends zu sehen.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Es waren für einmal eben keine Mutmassungen & es war höchste Zeit, dass einmal sehr objektiv berichtet wurde. Persönliche Einschätzungen von Berichterstatter gab es bisher genügend. Herzlichen Dank an SRF, dass sie Herr Lüders haben zu Wort kommen lassen. Und übrigens sind schon vor Monaten Friedensforscher zum selben Ergebnis gekommen. Der Kommentar sehr viel deutlicher gewesen ist: "Die EU & Amerika haben in diesem Konflikt alles falsch gemacht."
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