Nach Anschlag in Nairobi: Vier Verdächtige angeklagt

Sie sollen den Extremisten bei ihrer tödlichen Terrorattacke auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi geholfen haben – nun werden die vier mutmasslichen Täter zur Rechenschaft gezogen.

Bild einer Überwachungskamera zeigt einen Mann mit Gewehr im Einkaufszentrum Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beim Angriff auf das Einkaufszentrum waren im September 67 Menschen ums Leben gekommen. Reuters

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind im Zusammenhang mit der Attacke auf das Westgate-Einkaufszentrum vier Personen angeklagt worden. Den vier Somaliern wird vorgeworfen, die Terroristen unterstützt zu haben – unter anderem mit falschen Dokumenten und Unterkünften. Die vier Männer beteuerten vor Gericht ihre Unschuld.

Der Radiosender CapitalFM berichtete, die Verdächtigen müssten im Gefängnis bleiben, da der Richter eine Kautionszahlung ablehnte.

Anschlag fordert Dutzende Tote

Am 21. September hatten Extremisten das Einkaufszentrum mit schweren Waffen gestürmt. Die Hauptverantwortlichen für die Bluttat waren kenianischen Sicherheitskräften zufolge bei der Stürmung von Westgate getötet worden.

Mindestens 67 Menschen waren bei dem Anschlag der Terroristen ums Leben gekommen. Nach Angaben des Roten Kreuzes werden noch immer 20 Menschen vermisst. Die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Umstrittene Einschätzungen

SRF- Afrika-Korrespondent Patrik Wülser berichtet, dass noch über 30 Menschen vermisst werden. «Polizei und Armee haben sich während dem Einsatz gegenseitig beschossen und erschossen, und am Ende des Einsatzes stürzten drei Etagen des Supermarktes, vom oberen Parkdeck bis in Erdgeschoss, ein.»

Wie es dazu kommen konnte, ist ungeklärt und sollte es nach dem Willen der Regierung wohl auch bleiben, sagt der kenianische Fernsehjournalist John Allan Namu: «In Wahrheit hat der Anschlag eine Reihe von Versagen und Schwächen aufgezeigt. Schwächen unserer Sicherheitskräfte während des Anschlags, aber auch unseres korrupten Systems, denn nur dank Korruption konnten die Terroristen unerkannt unser System infiltrieren. Westgate war ein Alarmruf und keinesfalls ein Triumph oder Sieg.»

Polizei droht den Journalisten

Zusammen mit seinem Kollegen Mohamed Ali hat er einen einstündigen Film über den Anschlag produziert. Unter anderem mit Bildern von Überwachungskameras - und gerade diese Bilder werfen viele Fragen auf: Weshalb sind nur vier Terroristen zu sehen, obwohl die Regierung von einem guten Dutzend sprach? Wie kann es sein, dass vier Männer mit Kalaschnikows eine ganze Armee während vier Tagen in Atem halten konnte? Sind die Terroristen am Ende durch den Hinterausgang verschwunden? Und was tragen die Soldaten während dem Einsatz in weissen Plastiksäcken aus dem Supermarkt? Plünderung, Korruption und taktisches Versagen. Die Vorwürfe gegen die Behörden wiegen schwer.

Zwei Tage nach der Ausstrahlung des Films rief Kenias Polizeichef zu einer Pressekonferenz. Nicht etwa um die vielen Fragen zu beantworten, sondern den beiden Journalisten mit Gefängnis zu drohen. Polizeichef David Kimayo bezeichnete den Film als übles Machwerk und bezichtigte die Journalisten der Hassrede, Propaganda und antipatriotischem Verhalten.

Es blieb nicht bei der Drohung. Vergangene Woche verabschiedete das Parlament in aller Eile einen Entwurf für ein neues Mediengesetz – es sieht drakonische Strafen gegen Journalisten vor, die sich nicht an den Berufskodex halten. Der Kodex wird von einem staatlichen Medien-Gericht festgelegt und überwacht.

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