Nach Enthauptung: Japans Premier verurteilt Terrorakt

Die IS-Terrormiliz hat nach eigenen Angaben die zweite japanische Geisel ermordet. Zum Beweis stellte sie ein Video über die Enthauptung des 47-jährigen Journalisten ins Internet. Der Mord löst weltweit Abscheu aus. Japans Premier Shinzo Abe sagte in Tokio, man werde dem Terrorismus nicht nachgeben.

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Zweite japanische IS-Geisel tot

1:30 min, aus Tagesschau am Mittag vom 1.2.2015

In dem am Samstagabend verbreiteten Video ist der 47-jährige Journalist Kenji Goto in der Gewalt eines IS-Kämpfers zu sehen. Anschliessend wird ein Standbild veröffentlicht, das den abgetrennten Kopf Gotos zeigen soll.

In dem Video droht ein in Schwarz gekleideter IS-Kämpfer zugleich dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, «ein Massaker zu veranstalten, wo auch immer deine Leute zu finden sind». Die Beobachtungsseite Site bestätigte die Authentizität des Videos.

Mutter des ermordeten Journalisten vor den Medien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Junko Ishido, Mutter des ermordeten Journalisten, empfängt mit ihrem Ehemann in Tokio die Medien. Keystone

Es bestehe eine «hohe Wahrscheinlichkeit», dass es sich bei dem Mann in dem Video um Goto handle, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga. Gotos Mutter Junko Ishido erklärte in ihrem Heim in Tokio vor Reportern: «Ich bin so bestürzt, dass ich nicht die richtigen Worte finde.»

Premier Abe will weiterhin Verantwortung zeigen

Regierungschef Abe sprach von einer verabscheuungswürdigen terroristischen Tat: «Wir werden mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren und die Terroristen den Preis zahlen lassen. Wir werden den Terroristen niemals vergeben», sagte er am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) am Amtssitz vor den Medien.

Zugleich kündigte er an, dass Japan seine humanitäre Hilfe für den Nahen Osten ausweiten werde. Abe bedankte sich bei befreundeten Staaten, insbesondere bei Jordanien, für die Hilfe in der Geiselkrise.

Schicksal eines Jordaniers ungewiss

Unerwähnt blieb im Video das Schicksal einer weiteren jordanischen Geisel. Japans Regierung hatte sich gemeinsam mit Jordanien in der vergangenen Woche um die Freilassung beider bemüht. Der IS wollte Goto nur im Austausch gegen eine in Jordanien inhaftierte Islamistin freigeben. Amman forderte jedoch zunächst ein Lebenszeichen von dem seit Mitte Dezember gefangenen jordanischen Piloten.

Gotos Mutter Junko Ishido erklärte in ihrem Heim in Tokio vor Reportern: «Ich bin so bestürzt, dass ich nicht die richtigen Worte finde.»

Obama: «feige Ermordung»

Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die «feige Ermordung» der zweiten japanischen Geisel scharf. In einer Mitteilung würdigte er den Journalisten als mutigen Mann, der sich bemüht habe, der Welt das Leiden des syrischen Volkes nahe zu bringen. Obama bekundete seine Solidarität mit Premier Abe und dem japanischen Volk.

Obama kündigte an: «Zusammen mit einer breitgefächerten Koalition von Verbündeten und Partnern werden die USA weiterhin entschlossen handeln, um den IS zu schwächen und am Ende zu zerstören.»

Japanerinnen mit Zeitung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Nachricht über die Ermordung der Journalisten Kenji Goto durch IS löst Wut unter Trauer aus. Keystone

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die «barbarische Ermordung» des Japaners aufs Schärfste, wie ein Sprecher in New York mitteilte. Ban forderte demach die Extremisten auf, alle weiteren Geiseln ohne Bedingungen freizulassen.

Auch der britische Premierminister David Cameron und der französische Staatspräsident François Hollande verurteilten den Mord an der Geisel. Cameron schrieb bei Twitter, die Ermordung Gotos sei «eine Erinnerung daran, dass der IS die Verkörperung des Bösen ist».

Tötung von Yukawa vor Wochenfrist

Der IS hatte Goto vor knapp zwei Wochen erstmals in einem Video gemeinsam mit dem ebenfalls entführten Japaner Haruna Yukawa präsentiert. Nachdem Tokio die Zahlung von 200 Millionen US-Dollar Lösegeld verweigert hatte, verkündeten die Dschihadisten in Syrien vergangenen Samstag die Tötung Yukawas.

Goto hatte als freier Journalist über viele Kriegsgebiete in aller Welt berichtet. Dabei ging es ihm stets um das Schicksal einfacher Menschen. Immer wieder erzählte er zu Hause japanischen Kindern vom Los der Kindersoldaten, von Teenagern mit Aids und von der harten Realität in Krisengebieten.