Nach Massenpanik: Viele Iraner meiden Mekka

Für eineinhalb Millionen Muslime beginnt heute die Wallfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien. Fehlen wird der grösste Teil der schiitischen Pilger aus dem Iran. Nach der Massenpanik im letzten Jahr ist um die Teilnahme von Iranern am Hadsch ein Konflikt entbrannt.

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Bildlegende: Pilgerfahrt in Mekka. Letztes Jahr kam es zu einer Massenpanik, die viele Menschen das Leben kostete. Keystone/Archiv

Ist Mekka nicht sicher genug für iranische Pilgerer?

4:05 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.09.2016

SRF News: Pilgern denn dieses Jahr gar keine Iraner nach Mekka?

Monika Bolliger: Ich habe gehört, dass es im Iran Reiseagenturen gibt, die über die Kontingente von anderen Ländern iranischen Pilgern eine Reise nach Mekka ermöglichen. Aber es sind sicher sehr viel weniger als normalerweise. Es gibt Kontingente für jedes Land, weil es rein von den Kapazitäten her nicht möglich ist, dass jeder jederzeit gehen kann. Es werden weniger Iraner dabei sein als in den letzten Jahren.

Irans Revolutionsführer Chamenei hat Saudi-Arabien vorgeworfen, zu wenig für die Sicherheit der Pilger zu tun. Ist da etwas dran?

Zum einen muss man sich vorstellen, dass es sehr schwierig ist, diesen Massenevent mit zwei Millionen Menschen zu managen. Letztes Jahr gab es eine Massenpanik, bei der nach inoffiziellen Angaben 2400 Menschen ums Leben kamen. Saudi-Arabien spricht von etwas mehr als 700 Toten. Das ist wahrscheinlich das tödlichste Unglück, das jemals an einer Pilgerfahrt passiert ist. Saudi-Arabien hat bis heute nicht transparent gemacht, was bei seiner Untersuchung herausgekommen ist.

Diese über 2000 Menschen, waren das hauptsächlich Iraner?

Es waren 470 Iraner, laut iranischen Angaben.

Saudi-Arabien hat die Untersuchung zwar nicht transparent gemacht, aber hat die Regierung nun für die Sicherheit der Pilger vorgesorgt?

Ich denke, die Saudis wollen auf jeden Fall verhindern, dass sich das wiederholt. Ein solches Unglück ist für das Ansehen als Hüter der heiligen Stätten in der muslimischen Welt ganz schlecht. Die Saudis haben erklärt, dass sie Tausende von Angestellten trainiert haben, die das managen sollen. Es gibt auch medizinisches Personal und ganz viele neue Sicherheitsvorkehrungen wie Überwachungskameras.

Trotzdem flogen verbale Giftpfeile zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien hin und her. Welche politischen Interessen stecken dahinter?

Saudi-Arabien und Iran sind zwei Regionalmächte, die um die Vormachtstellung kämpfen. Sie legitimieren sich beide religiös. Der Konflikt zwischen den Ländern ist dieses Jahr eskaliert. Sie haben die diplomatischen Beziehungen zueinander abgebrochen. Mir scheint, Saudi-Arabien ist im Moment ein bisschen in Panik, weil Iran seinen Einfluss ausgeweitet hat. In diesem Zusammenhang haben die Saudis offenbar – ich weiss nicht, ob das stimmt – den Iranern absurde Bedingungen für die Pilgerfahrt auferlegt. Die Iraner hätten das nicht akzeptieren können, so lautet die eine Version der Ereignisse. Die Saudis hingegen versuchten es so darzustellen, dass sich die Iraner nicht an die Regeln hielten.

Das Gespräch führte Eliane Leiser.

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