Wahlen in Frankreich «Nationalismus ist Krieg»: Macron und Le Pen im Nahkampf

Der Ton im französischen Präsidentschafts-Wahlkampf wird rauer. In der jüngsten TV-Debatte massen sich alle elf Kandidaten – und wollten dabei unbedingt auffallen. Nicht allen gelang das gleich gut.

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TV-Duell der 11 Präsidentschaftskandidaten

1:40 min, aus Tagesschau Nacht vom 4.4.2017
  • Weniger als drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich sind alle elf Kandidaten in einer TV-Debatte gegeneinander angetreten.
  • Beim Thema Europa gingen die Meinungen der Kandidaten weit auseinander.
  • Bei den Zuschauern konnte insbesondere der Linke Jean-Luc Mélenchon, gefolgt vom ehemaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, dem Konservativen François Fillon und der Rechtspopulistin Marine Le Pen punkten.
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Bildlegende: 11 Kandidaten bewerben sich um die Präsidentschaft – einige von ihnen sind einer breiteren Wählerschaft unbekannt. Keystone

Giftpfeile Richtung Brüssel: Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon forderte einen Ausstieg Frankreichs aus den europäischen Verträgen, die Rechtspopulistin Marine Le Pen erneuerte ihre Forderung nach einem Referendum über den EU-Austritt.

Fillon und Macron pro EU: Der als Favorit gehandelte Sozialliberale Emmanuel Macron und der Konservative François Fillon verteidigten dagegen Frankreichs Platz in der Europäischen Union. «Wir brauchen Europa, um uns zu beschützen», sagte Fillon. Die EU müsse sich aber auf bestimmte strategische Ziele konzentrieren.

Macron in Umfragen vorne

Die erste Runde der Wahl findet am 23. April statt, die Stichwahl zwischen den zwei stärksten Kandidaten am 7. Mai. Umfragen erwarten derzeit ein Duell zwischen Macron und Le Pen, für das Macron deutlich vorne liegt. Allerdings sind fast 40 Prozent der Wähler noch unentschieden. An dritter Stelle steht derzeit der durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre angeschlagene Fillon, gefolgt von Linkspartei-Gründer Mélenchon und dem Sozialisten Benoît Hamon.
Le Pen und Macron in einer Fotocollage Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Le Pen und Macron lieferten sich teils heftige Wortgefechte. Die beiden Kandidaten sind derzeit favorisiert. Keystone/Reuters

Macron und Le Pen im Infight: «Nationalismus ist Krieg. Ich weiss es. Ich komme aus einer Region, die voll ist mit Kriegsgräbern», sagte Macron. Le Pen konterte: «Sie sollten nicht vorgeben, etwas Neues zu sein, wenn man wie alte Fossilien spricht». Macron setzte nach: «Sie sprechen dieselben Lügen aus, die wir von Ihrem Vater 40 Jahre lang gehört haben.»

Reizthema Terrorismus: Frankreich sei eine «Dschihadisten-Universität», polterte Le Pen. «Wir müssen unsere Grenzen wiederbekommen. Denn es ist absolut unmöglich, gegen den Terrorismus zu kämpfen, wenn wir nicht wissen, wer in unser Land kommt.» Mélenchon kritisierte dagegen den seit den Terroranschlägen vom 13. November 2015 geltende Ausnahmezustand: «Wir müssen aus dem permanenten Ausnahmezustand aussteigen.»

Premiere am Fernsehbildschirm: In der Debatte der Sender BFMTV und CNews trafen erstmals alle elf Präsidentschaftskandidaten aufeinander. Bei der ersten Fernsehdebatte für die diesjährige Präsidentschaftswahl waren vor zwei Wochen nur die fünf wichtigsten Kandidaten eingeladen worden, sehr zum Verdruss der anderen Bewerber.