Nato sagt Schlepperschiffen den Kampf an

Das Verteidigungsbündnis soll ab sofort aktiv dabei helfen, den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Das Einsatzgebiet ist die Ägäis. Eigentlich sollte das Unternehmen schon viel früher starten.

Der Nato-Einsatz zur Ortung von Flüchtlingsbooten in der Ägäis soll noch am heutigen Sonntag voll anlaufen. Die Türkei und Griechenland hätten sich auf ein Operationsgebiet zwischen der griechischen Insel Lesbos und dem türkischen Festland verständigt und grünes Licht für den Einsatz der Nato-Schiffe dort gegeben, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Die Meerenge ist eine der wichtigsten Routen für Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg von der Türkei nach Nordeuropa. Die Schiffe der Nato sollen ablegende Flüchtlingsboote der türkischen Küstenwache melden, damit diese sie stoppt.

Unstimmigkeiten sorgen für Verzögerung

Das Flaggschiff des Nato-Verbandes, der deutsche Versorger «Bonn», sei bereits unterwegs und werde noch im Laufe des Tages im Einsatzgebiet ankommen, sagte der Sprecher.

Der Verband hatte der Küstenwache schon in den vergangenen Tagen Flüchtlingsboote gemeldet, konnte bislang aber wegen Unstimmigkeiten zwischen der Türkei und Griechenland nicht in das Hauptoperationsgebiet zwischen der Insel Lesbos und der türkischen Küste einfahren. Dadurch verzögerte sich der Beginn des eigentlichen Einsatzes.

Wieder Tote in der Ägäis

Unterdessen ertranken am Sonntag mindestens 18 Flüchtlinge bei einem Bootsunglück in der türkischen Ägäis. Die Küstenwache habe 15 weitere Menschen vor der Küste des westtürkischen Bezirks Didim gerettet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Zur Nationalität machte Anadolu keine Angaben.