Korruptionsvorwürfe Netanjahu gerät weiter unter Druck

Der israelische Ministerpräsident soll einen Kuhhandel mit einer Zeitung gemacht haben.

Netanjahu Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bisher hat Benjamin Netanjahu jeden Skandal überstanden. Diesmal existieren aber Mitschnitte des «Deals». Keystone

  • Im Ermittlungsverfahren gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wegen mutmasslicher Korruption sind neue Vorwürfe an die Öffentlichkeit gelangt.
  • Netanjahu soll versucht haben, die kritische Presse gegen ihn zu beeinflussen.
  • Der Regierungschef bestreitet die Vorwürfe.

Der mit Korruptionsvorwürfen konfrontierte israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gerät weiter unter Druck. Ein Fernsehsender veröffentlichte am Sonntag den Mitschnitt eines heiklen Gesprächs. Darin schlägt Netanjahu dem Besitzer einer der auflagenstärksten Zeitungen einen Handel als Gegenleistung für eine wohlwollendere Berichterstattung vor.

Wenn «Yedioth Ahnoroth» besser über ihn berichte, werde er sich dafür einsetzen, dass die Marktführerin «Israel Hayom» ihre Auflage drossle, sagte der Regierungschef laut Channel 2 in dem Gespräch mit «Yedioth-Ahnoroth»-Eigner Noni Moses.

Weder vom Regierungschef noch von Moses waren Stellungnahmen dazu zu erhalten. Laut der Zeitung «Haaretz» fand das Gespräch vor einigen Monaten statt.

Das sagt «Tachles»-Journalist Jacques Ungar in Jerusalem:

Die Affäre könnte sich für Netanjahu durchaus weiter zuspitzen. Immerhin sass Generalstaatsanwalt Mandelbit mehrere Monate lang über den ihm zugespielten Unterlagen. Erst dann kam er zum Schluss, dass etwas an den Vorwürfen dran sein könnte. Erst dann ordnete er gegen Netanjahu eine polizeiliche Untersuchung an. Für den Ernst der Lage spricht auch die Tatsache, dass der Ministerpräsident in den letzten Tagen recht leise geworden ist. Die Erfahrung zeigt, dass vorgebrachte Vorwürfe um so eher zutreffen, je weniger Netanjahu dazu sagt. Es könnte also durchaus sein, dass er diesmal zur Kasse gebeten wird. Tatsächlich ist es dicke Post, wenn Netanjahu mit seinem jahrelangen Erzfeind, dem Verleger von «Yedioth Ahnoroth», ein Zweckbündnis gebastelt haben sollte. Für viele Israelis wäre Netanjahu dann erst recht nicht mehr glaubwürdig.

Netanjahu hat seine liebe Mühe mit den Medien

Es sei sehr erstaunlich, dass Netanjahu überhaupt mit Moses gesprochen habe, hiess es in israelischen Medien. Schliesslich hat der Ministerpräsident Moses und dessen Zeitung öffentlich vorgeworfen, ihn durch eine gezielt verdrehte Berichterstattung stürzen zu wollen.

Das Verhältnis Netanjahus zur Presse des Landes ist angespannt. So warf er ihr noch vor Veröffentlichung des Berichts am Sonntag erneut vor, ihn zu jagen. Die Presse übe unablässig Druck auf die Ermittlungsbehörden aus. Sie lasse ständig Ballons aufsteigen, aus denen dann später nur heisse Luft entweiche, sagte er vor Ministern seiner Likud-Partei. Das sei auch jetzt wieder so.

Polizei befragte Netanjahu bereits letzte Woche

Netanjahu war bereits Anfang vergangener Woche wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme im Amt von der Polizei vernommen worden. Nach Ansicht von Generalstaatsanwalt Awischai Mandelbit gibt es genügend Hinweise, um strafrechtliche Ermittlungen zu beginnen, berichtete die Zeitung «Haaretz».

Dem Regierungschef wird vorgeworfen, von Unternehmern aus dem In- und Ausland Geschenke im Gesamtwert von Hunderttausenden Schekel angenommen zu haben. Netanjahu bestreitet dies.