Neue Gefechte in Syrien trotz Waffenruhe

In einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus sind neue Gefechte ausgebrochen, obwohl seit Anfang Woche eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien vereinbart worden ist. Unklar ist, wer mit den Gefechten begonnen hat.

Zwei Knaben laufen durch eine Strasse voller Schutt in Damaskus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Für wenige Tage hatten die Menschen in Damaskus ohne Beschüsse leben können. Jetzt ist die Waffenruhe gebrochen worden. Reuters

Trotz der vereinbarten Waffenruhe in Syrien sind im Osten der Hauptstadt Damaskus wieder heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und islamistischen Milizen ausgebrochen. Armee und Rebellen beschossen sich in der Region um den Ort Dschubar gegenseitig mit Granaten.

Dies teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Es handle sich um einen «klaren Bruch» der Waffenruhe. Auch ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP und Militärkreise bestätigten die Gefechte.

Kampf um strategischen Vorort

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Dringlichkeitssitzung

Der UNO-Sicherheitsrat tritt am Freitagabend (23.30 Uhr MESZ) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, auf der über die gemeinsame Initiative der USA und Russlands zum Syrien-Konflikt beraten werden soll. Eine derartige militärische Koordination zwischen den USA und Russland wäre ein Novum.

Das Damaszener Stadtviertel Dschubar ist seit Jahren umkämpft, die Bewohner haben den Vorort längst verlassen. Er ist von strategischer Bedeutung, da er an den Abbasiden-Platz grenzt. Ein Ort, von dem man direkt in die syrische Hauptstadt Damaskus gelangt.

Regierungstreue Medien meldeten, die Rebellen hätten einen überraschenden Angriff gestartet. Die oppositionelle Nachrichtenseite Orient News berichtete hingegen, die syrische Armee und verbündete Milizen seien für den Bruch der Waffenruhe verantwortlich.

In Dschubar stünden unter anderem Einheiten der dschihadistischen Fatah al-Scham, hiess es von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Diese war zuvor als Al-Nusra-Front bekannt und ist von der Waffenruhe ausgenommen, weil sie eine dschihadistische Gruppe ist.

USA unterstützt Türkei in Syrien

Die zwischen Russland und der USA vereinbarte Waffenruhe trat am Montag in Kraft. «Wir sind bereit, den Stopp der Kampfhandlungen um weitere 72 Stunden zu verlängern», sagte General Viktor Posnichir am Freitag im russischen Fernsehen. Voraussetzung dafür müsse aber sein, dass die USA stärker auf gemässigte Rebellen einwirkten, damit diese die Feuerpause respektierten.

Auf Bitten der Türkei entsenden die USA Spezialkräfte nach Syrien. Mehrere Dutzend US-Soldaten sollten die türkische Armee und gemässigte Rebellengruppen bei ihrem Kampf gegen die Terrormiliz IS unterstützen, verlautete aus dem Pentagon. Brisant an dem neuen US-Einsatz ist, dass die türkische Armee in Syrien neben den Dschihadisten auch die Kurden zurückdrängen will.

Auch Kämpfe in Aleppo und Idlib

Zu Gewalt kam es auch in der nordsyrischen Stadt Aleppo und in der Provinz Idlib. Dort starben bei Luftangriffen nach Angaben der Beobachtungsstelle ein Mann und zwei Kinder; die ersten Zivilisten, die seit Beginn der Waffenruhe durch Luftangriffe getötet worden sind.

Wegen der Kämpfe in Aleppo brachte die syrische Armee bereits abgezogenes Kriegsgerät zurück zur Hauptversorgungsroute (Castello-Strasse). «Das Militär sah sich dazu gezwungen, nachdem es unter Beschuss kam und zwei Soldaten verwundet wurden», sagte ein Armeesprecher in Moskau der Agentur Tass zufolge.

Ein Konvoi aus 20 Lastwagen mit Hilfsgütern für die besetzten Teile Aleppos hing am Freitag weiter an der türkisch-syrischen Grenze fest.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Waffenstillstand in Syrien

    Aus Tagesschau vom 13.9.2016

    Nach der Einigung der beiden Länder USA und Russland herrscht seit gestern Abend eine Feuerpause in Syrien. Doch an einen dauerhaften Waffenstillstand glauben auch die Soldaten der syrischen Armee nicht.

  • Syrien: Skepsis und etwas Hoffnung

    Aus Echo der Zeit vom 10.9.2016

    Der amerikanische Aussenminister John Kerry wollte das Treffen in Genf als Zeichen der Hoffnung sehen. Der Plan für Syrien, den er gemeinsam mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lavrov vorlegte, könne zum Wendepunkt werden.

    In der Region selbst ist man nach bald sechs Jahr Krieg verständlicherweise skeptisch.

    Philipp Scholkmann