Notstand in salvadorianischen Gefängnissen

Die Bosse der mächtigen Jugendgangs steuern in El Salvador ihre Geschäfte aus den Haftanstalten heraus. Damit soll jetzt Schluss sein. Mit einer Reihe von Notmassnahmen will die Regierung die Gewalt in dem mittelamerikanischen Land in den Griff bekommen.

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Bildlegende: Soldaten und Polizisten bewachen künftig den Aussenbereich der Haftanstalten. Reuters

Angesichts der jüngsten Gewaltwelle in El Salvador hat die Regierung des mittelamerikanischen Landes für sieben Gefängnisse den Notstand erklärt. In den kommenden zwei Wochen werde jede Art der Kommunikation zwischen den Häftlingen und der Aussenwelt unterbunden und Familienbesuch gestrichen, teilte Justizminister Mauricio Landaverde mit.

Rund 300 führende Gangmitglieder wurden in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Die Jugendbanden – sogenannte Maras – erhalten ihre Befehle häufig von ihren inhaftierten Chefs. «Die Gefängnisse sind Spelunken, aus denen Befehle kommen, die die Verbrechen im Land erhöhen», sagte Regierungssprecher Eugenio Chicas. «Die Massnahmen sollen die Bevölkerung schützen.»

Verhängung des Ausnahmezustandes erwogen

Mit 104 Morden je 100 000 Einwohner ist El Salvador das gefährlichste Land weltweit ausserhalb von Kriegsgebieten. Die Regierung macht die Maras für den Grossteil der Gewalt verantwortlich. Zuletzt war in El Salvador über die Verhängung des Ausnahmezustandes diskutiert worden. Für Mittwoch wurde erwartet, dass die Regierung dem Kongress ein erstes Massnahmenpaket vorlegt.

Verhandlungen mit den Banden schloss die Regierung aus. Zuletzt hatten die Sprecher der mächtigsten Gangs ihre Mitglieder aufgerufen, keine Morde mehr zu verüben und die Regierung im Gegenzug aufgefordert, von den Notstandsmassnahmen abzusehen.

«Sie halten der Bevölkerung die Pistole an den Kopf und sagen: Verhandelt mit uns oder wir töten weiter», sagte Chicas. «Es wird keinen Waffenstillstand geben. Wir werden diese kriminellen Gruppen weiter verfolgen und vor Gericht bringen.»