Notstand und Ausgangssperre wegen Ausschreitungen in Ferguson

In der US-Stadt Ferguson wurde ein unbewaffneter schwarzer Teenager von einem Polizisten getötet. Nachdem ein Video veröffentlicht wurde, das den Jugendlichen bei einem Diebstahl zeigen soll, kam es erneut zu Ausschreitungen. Deshalb greift der Gouverneur von Missouri nun zu drastischen Massnahmen.

Video «Bilder einer Überwachungskamera» abspielen

Bilder einer Überwachungskamera (unkomm.)

1:04 min, vom 16.8.2014

Der Gouverneur des Bundesstaates Missouri, Jay Nixon, hat über die Kleinstadt Ferguson Notstand ausgerufen und eine nächtliche Ausgangssperre verfügt. Damit sollen weitere gewalttätige Proteste verhindert werden. Die Ausgangssperre soll Mitternacht in Kraft treten und bis fünf Uhr am Sonntagmorgen dauern.

Video von Diebstahl veröffentlicht

Die Polizei von Ferguson hatte am Freitag mitgeteilt, Michael Brown habe eine Tabakware im Wert von 49 Dollar gestohlen, kurz bevor er getötet wurde. Die Polizei veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera.

Bild einer Überwachungskamera zeigt zwei Personen, die offensichtlich einen Streit ausfechten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bild einer Überwachungskamera: Wie der angebliche Diebstahl und die Tötung Browns zusammenhängen, ist aber rätselhaft. Reuters

Darauf ist ein grosser, muskulöser schwarzer Mann zu sehen, der einen Ladenmitarbeiter am T-Shirt packt und schüttelt. Der Mann in dem Video trägt T-Shirt, Khaki-Shorts und Sandalen – die gleiche Kleidung, die Brown trug. Die Polizei erklärte, es sei erwähnenswert, das der Diebstahl «mit einem anderen Vorfall in Verbindung steht», bei dem Brown durch einen Polizeibeamten erschossen worden sei.

Browns Eltern reagierten empört. Sie warfen der Polizei vor, ihren Sohn, der keine kriminelle Vergangenheit habe, in ein schlechtes Licht zu rücken. Keine der vorgelegten Fakten könne «die hinrichtungsartige Tötung ihres Kindes durch einen Polizisten rechtfertigen, während er die Hände hoch hielt, was weltweit das Zeichen des Sich-Ergebens ist», erklärten die Anwälte der Familie.

Neue Krawalle entfacht

Nach der Veröffentlichung des Videos kam es im Ort erneut zu Ausschreitungen. Randalierer zogen in der Nacht durch die Strassen und plünderten Geschäfte. Medienberichten zufolge schritten mehrere Bürger gegen die Plünderer ein. Eine Menschenkette wehrte Plünderer vor dem Geschäft ab, in dem Brown den Diebstahl begangen haben soll, wie der TV-Sender CNN berichtete.

Proteste in Ferguson

0:20 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 16.8.2014

Seit der Tötung des 18-jährigen Michael Brown am 9. August hatte es in Ferguson tagelang Zusammenstösse zwischen Demonstranten und schwer bewaffneten Polizisten gegeben.

Nach fünf Tagen waren die örtlichen Polizeikräfte abgezogen worden und die Polizei des Bundesstaates – angeführt von einem schwarzen Beamten – übernahm die Verantwortung für die Sicherheit in der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Stadt. Die Lage hatte sich daraufhin zunächst beruhigt.

Polizeichef korrigiert Angaben

Am Freitag wurde auch der Name des Todesschützen bekanntgegeben. Laut dem Polizeichef Thomas Jackson handelte es sich dabei um den 28-jährigen weissen Beamten Darren Wilson. Dieser habe zuvor noch nie gegen Disziplinarregeln verstossen.

Später sagte Jackson, der erste Kontakt zwischen Wilson und Brown habe «nicht mit dem Diebstahl» zusammengehangen. Vielmehr habe der Polizist Brown angehalten, «weil er auf der Strasse lief und den Verkehr aufhielt. Das war's».

Jackson gab nach eigenen Angaben den Polizeibericht und das Überwachungsvideo heraus, weil zahlreiche Medien unter Berufung auf das Gesetz zur Informationsfreiheit die Herausgabe von Informationen verlangt hatten.

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