Zum Inhalt springen

International Obamas Besuch in Brüssel: Zu kurz, um zu streiten

Zum ersten Mal überhaupt wird US-Präsident Barack Obama heute die EU besuchen. Brüssel freut sich auf den hohen Gast, doch dessen Vorfreude scheint eher verhalten zu sein.

Er hatte für die EU noch nie viel übrig. Einen Gipfel hat er auch schon mal abgesagt. Doch nun kommt Obama nach Brüssel – allerdings reicht es gerade einmal für ein verlängertes Mittagessen. Wertschätzung sieht ganz sicher anders aus.

Mit Ratspräsident Herman van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Aussenbeauftragten Katherine Ashton werden die drei höchsten EU-Beamten den US-Präsidenten empfangen.

Obama und der NSA-Skandal

Die Themenliste für diesen Gipfel ist lang, doch die Zeit ist kurz. 75 Minuten sind geplant, Essen inklusive. Auch in dieser Kürze aber wird sich zeigen, dass die Beziehungen nach wie vor angeknackst sind. Dies, nachdem Edward Snowden letztes Jahr enthüllt hat, dass der amerikanische Geheimdienst NSA so ziemlich alle Daten sammelt, die in Europa produziert werden.

Der NSA schreckte auch nicht davor zurück, das Handy der deutschen Kanzlerin Merkel anzuzapfen. In dieser Hinsicht erhofft sich die EU heute eine starke Geste von Obama, zur Wiederherstellung des Vertrauens, wie Diplomaten sagen.

Diskussion um freien Handel

Hauptthema dürfte das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU sein. Es wird unserer Wirtschaft gut tun, heisst es offiziell beidseits des Atlantiks. Und Diplomaten sagen, der Gipfel heute könnte dem Projekt politische Impulse geben.

Doch die Verhandlungen laufen seit etwa einem Jahr und fördern bis jetzt von Hormonfleisch bis Kulturförderung vor allem schwer überbrückbare Unterschiede zwischen den USA und Europa zutage.

Harte Töne oder weitere Gespräche?

Und beim nächsten grossen Thema – der Krimkrise – wird man zwar so tun, als ob man sich einig sei. Aber alle wissen, dass die USA die EU in dieser Sache für einen vernachlässigbaren Player halten.

Einigkeit herrscht zwischen Washington und Brüssel nur in der Verurteilung der russischen Annexion. Für das weitere Vorgehen setzt Washington auf harte Töne und Brüssel trotz der Drohung mit weiteren Sanktionen auf Gespräche.

Kurz gesagt: Es ist ein Höflichkeitsbesuch. Er ist lang genug, um einander nicht zu brüskieren. Und er ist kurz genug, um nicht wirklich über das Trennende sprechen zu müssen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Aber noch kein Wort, wenigstens in den Nachrichten Europas von Obama betreffend Natur-Katastrophe in Washington. Lieber bereist er Europa & hetzt weiter gegen Russland, statt jetzt bei seinem Volk zu sein. Sorry, aber auf mich persönlich wirkt Obama wie ferngesteuert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Hoffentlich lernen die sich total überschätzenden und selbstverliebten EU-Kommissäre etwas für die Zukunft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Was mich daran am meisten beunruhigt, ist die offenbare Hilflosigkeit, sei es auf Seiten der USA oder der EU. Da hatte man uns doch über Jahrzehnte mittlerweilen erzählt, was die Globalisierung doch für eine tolle Sache sei. Es ging soweit, dass man uns weismachen wollte, sie führe durch die internationalen WIRTSCHAFTLICHEN Verflechtungen zur Befriedung der Welt. Heute, und das durfte man von Anfang an erwarten, sehen wir, dass das Gegenteil der Fall ist, nicht nur am Beispiel Ukraine.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Jede Medaille hat eben auch eine Kehrseite ! - Gilt für die Globalisierung übrigens auch für die EU. - Da gibt es noch ein altes Sprichwort: "Drum prüfe was sich bindet, ob er/sie nicht noch was besseres findet !" Oder vielleicht auch noch: "mitgegangen ist mitgefangen" - Also ich denke, weder mit der EU/NATO noch mit den Russen sollten wir "einfach blindlinks mitgehen". - Sich raushalten ist angesagt !
      Ablehnen den Kommentar ablehnen