Präsidentenwahl in Österreich «Österreich ist ein gespaltenes Land»

Der österreichische Kabarettist Markus Koschuh über die heutige Wahl des neuen Bundespräsidenten.

SRF News: In Ihren satirischen Programmen fühlen Sie der österreichischen Gesellschaft auf den Zahn. Welches Österreich zeigt sich in der diesjährigen Bundespräsidentenwahl?

Markus Koschuh: Auf der einen Seite ein sehr politisiertes, aber auch ein sehr frustriertes Österreich, weil es mit der Wahl nicht geklappt hat (Anmerk. d. Red.: Der Verfassungsgerichtshof hatte die Stichwahl vom Mai wegen Verfahrensfehlern annulliert). Österreich ist aber auch ein gespaltenes Land. Es ist ein Wahlkampf zwischen zwei Lagern: Grüne gegen Freiheitliche. Das gab es noch nie. Dies sollte eigentlich mobilisierend wirken. Da sich die Wahl allerdings so lange hinzieht, wirkt sie mittlerweile schon fast wieder demobilisierend.

«  Alexander Van der Bellen könnte eine Brandrede halten und dabei selbst fast einschlafen, auch betäubt vom vielen Zigarettenrauch. »

Markus Koschuh
Kabarettist

Sie haben versucht, mit diversen Singveranstaltungen Gegensteuer zu geben, unter anderem in Innsbruck. Was ist der Hintergedanke?

Es war für uns klar, dass in diesem langen Wahlkampf alles schon gesagt ist. Da haben wir uns gedacht, dass wir halt singen und versuchen, mit Spass und Lebensfreude dem Wahlkampf eine Note zu geben. Wir haben es geschafft, mit bekannten, umgetexteten Liedern viele Leute zu aktivieren.

Vor wenigen Tagen hatten wir in Innsbruck einen Flashmob mit 300 Personen, die als Chor aufgetreten sind. Alles Personen, die für Alexander Van der Bellen eintreten. Es gab auch Leute, die zufällig dazu gestossen sind, spontan um Liedtexte gebeten und bereitwillig mitgesungen haben. Es war eine sehr schöne Erfahrung.

«  Norbert Hofer ist brilliant darin, mit zuckersüssen Methoden die Wahrheiten umzudrehen. »

Markus Koschuh
Kabarettist

Ein solch umgetextetes Lied stammt auch aus Ihrer Feder: «Lasst uns froho und bunter sein.» Es ist auch eine klare Aussage gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer.

Es ist vor allem auch ein Plädoyer für Vielfalt. Buntheit ist von uns ausgesehen in jedem Fall positiv besetzt. Einförmigkeit und im Gleichschritt mitmarschieren, das kann nie wirklich gut sein. Wir sind eine bunte und tolerante Gesellschaft. So wollen wir es beibehalten und nicht mehr zurück zu nationalen, starren Grenzen. Das haben wir vor Jahrzehnten bereits einmal gehabt. Das hat zu grossen Tragödien geführt.

Gründe, weshalb Sie und andere Kulturschaffende sich für Alexander Van der Bellen engagieren?

Wir sind viele Leute aus Sport Kultur und Wissenschaft, aber auch ganz normale Leute – aus allen Berufsschichten, aus allen Regionen. Es habe sich Leute gemeldet, die Liedtexte haben wollten, um in ihren Regionen einen kleinen Chor zu organisieren. Die Buntheit des Chors spiegelt unser Gedankengut wider. Für diese Buntheit stehen wir ein.

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Markus Koschuh

Markus Koschuh

ZVG

Markus Koschuh, 39 Jahre alt, ist ein österreichischer Kabarettist und Slam-Poet. Er ist in Innsbruck aufgewachsen, hat seine berufliche Karriere als Journalist begonnen und ist seit 2009 auf der Bühne unterwegs. Mehrfach ist er auch in der Schweiz und Deutschland aufgetreten.

Gleichzeitig hat der vergangene Wahlkampf auch für eine Anekdote gesorgt, die durchaus zum Schmunzeln ist. Die Wahlcouverts liessen sich bei der Wahlwiederholung nicht zu kleben und die Stichwahl musste auf Dezember verschoben werden. Eine Panne, die selbst ein Kabarettist nicht besser hätte planen können?

Manchmal kann man das normale Leben nicht mehr persiflieren, sondern nur noch kopieren. Diese Panne ist für den politischen Menschen eine Tragödie, weil es die Leute frustriert.

Für einen Kabarettisten ist es allerdings ein gefundenes Fressen und hat mich zu einem Lied inspiriert. Man muss die Panne mit einem Schmunzeln sehen.

Wenn man den Vorfall Ernst nimmt, muss man ja verzweifeln, wenn es eine entwickelte Demokratie wie Österreich nicht zu Stande bringt, eine Wahl ordnungsgemäss abzuwickeln.

Das Gespräch führte Matthias Heim.