Ostdeutschland versinkt im Wasser, Osteuropa wappnet sich

Das Hochwasser an Elbe, Donau und Saale hat Teile Deutschlands weiter fest im Griff. Tausende mussten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern ihre Häuser verlassen. Niedersachsen steht das Schlimmste noch bevor. Hier soll die Scheitelwelle am Wochenende eintreffen.

Sachsen: Wasser wird lange bleiben

Der Hochwasserscheitel der Elbe hat Dresden erreicht. Mit einem Höchststand von 8,76 Metern schwoll der Fluss aber weniger stark an als in Prognosen vorhergesagt. Die Behörden waren von einem Höchststand von «um die neun Meter» ausgegangen. Normal sind knapp zwei Meter. Bei der Jahrhundertflut 2002 wurden 9,40 Meter gemessen.

MDR-Reporter Theo Lies beschreibt die Lage in Halle

4:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.06.2013

Die Hochwasserzentrale rechnet mit einer Scheitelwelle. Die Dresdner müssten sich daher auf eine langanhaltende Hochwasserphase einstellen, teilte die Stadtverwaltung mit.

Sachsen-Anhalt: Kanzlerin kommt

Die Hochwasserlage in Bitterfeld nimmt immer bedrohlichere Züge an. «Das Wasser steigt permanent», sagte die Bürgermeisterin Petra Wust. Das Problem sei der Damm, der den Goitzsche-See von der Innenstadt trennt.

«Wenn das hier bricht, dann haben wir hier eine richtige Flutwelle», sagte Wust. Sie kritisierte zudem Sachsen. Das Bundesland hatte eine dritte Sprengung eines Dammes auf seinem Gebiet abgelehnt.

Am Nachmittag besuchte Kanzlerin Angela Merkel die Region und machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Dabei stellte sie weitere Millionenhilfen in Aussicht.

Kanzlerin Merkel vor einem Sandsackwall auf dem Soldaten sitzen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aller guten Dinge sind vier: Nach Passau, Greiz und Pirna besuchte Kanzlerin Merkel heute Bitterfeld. Reuters

Die Kanzlerin lobte zudem den Zusammenhalt in den Hochwassergebieten. «Das ist schon wunderbar, was die Solidarität und das Zusammenstehen anbelangt. Da kann man ein Stück stolz darauf sein, dass das so klappt.»

Bayern: Seehofer verspricht rasche Hilfe

Aufgeweichte Deiche, die zu brechen drohen, stehen auch im Süden im Mittelpunkt: Einsatzkräfte kämpften die ganze Nacht, um die Dämme zu stabilisieren. Bei  Deggendorf in Niederbayern verloren die Helfer den Kampf. Am Morgen brach hier ein weiterer Deich.

Vielen Dämmen droht ein ähnliches Schicksal. Die Behörden rechnen deshalb weiter mit dem Schlimmsten. Am Vormittag war Bayerns Ministerpräsident Seehofer im Krisengebiet. Er versprach den Betroffenen rasche Hilfe.

Brandenburg: Flutwelle am Wochenende

Hier zittert besonders der 4000-Einwohner-Ort Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits evakuiert.

Auch der Landkreis Prignitz bereitet sich auf den Ernstfall vor. «Wir wissen auch dort nicht, wie hoch das Wasser stehen wird», sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Potsdam. In Nordbrandenburg wird die Flutwelle am Wochenende erwartet.

Niedersachsen: Gespanntes Warten

Tausende Einsatzkräfte und Anlieger entlang der Elbe bereiten sich hier auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden bereits Tag und Nacht Deichwachen eingesetzt. Noch ist unklar, wie hoch die Pegel steigen werden.

Weitere Geldhilfen gefordert

Die SPD hat unterdessen einen Milliarden-Hilfsfonds für die betroffenen Regionen verlangt. Auch der Deutsche Städtetag hält weitere Hilfen für unumgänglich. «Die 100 Millionen Euro sind wichtig zur kurzfristigen Unterstützung», sagte Präsident Ulrich Maly. Die Schäden würden voraussichtlich aber deutlich höher sein.

Donau: Slowakei und Ungarn bangen

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava hat der Wasserstand der Donau mit 10,30 Meter einen Rekordwert erreicht. Wie der Wetterdienst mitteilte, werde die Scheitelwelle spätestens in der Nacht zum Freitag mit 10,40 Metern erwartet.

Nach den Überschwemmungen in Süddeutschland und Österreich bereitet sich auch Ungarn auf Rekord-Hochwasser der Donau vor. Die Scheitelwelle wird am Wochenende erwartet. Der bisher höchste Pegelstand in Budapest war 2006 mit 8,60 Metern gemessen worden.