Flugzeugunglück in Kolumbien Pilot meldete vor Absturz Treibstoffmangel

Das Flugzeug, das am Dienstag in Kolumbien abgestürzt ist, hatte offenbar keinen Treibstoff mehr.

Ein Polizist in den Trümmern des abgestürzten Flugzeugs. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den Trümmern wurden beide Blackboxes gefunden. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Tonaufnahme gibt erste Aufschlüsse darüber, weshalb am Dienstag eine Chartermaschine in Kolumbien abstürzte.
  • Kurz vor dem Absturz hatte der Pilot mit dem Tower Kontakt und sprach von «Treibstoffproblemen».
  • Zuletzt meldete der Pilot, dass auch die Elektronik ausgefallen sei. Dann prallte die Maschine in einen Berg.
  • Die Luftfahrtbehörde Kolumbiens bestätigte, dass das Flugzeug keinen Treibstoff mehr hatte.

Luftaufnahmen der Absturzstelle (ohne Ton)

0:21 min, vom 1.12.2016

Treibstoffmangel hat den Absturz des Flugzeugs mit der Delegation des brasilianischen Fussball-Erstligisten Chapecoense verursacht. Das bestätigte die zivile Luftfahrtbehörde Kolumbiens am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz.

«Nach dem Eintreffen am Unglücksort und der Untersuchung der Wrackteile können wir festhalten, dass das Flugzeug keinen Treibstoff mehr hatte», versicherte der für die nationale Flugsicherheit zuständige Sekretär.
Die Behörden wollen nun untersuchen, warum dem Flieger der Kraftstoff ausgegangen ist.

«Treibstoff-Notfall»

Der Pilot meldete kurz vor dem Aufprall der Flugkontrolle zudem, der Treibstoff sei ausgegangen, er sprach von einem «Treibstoff-Notfall». Das geht aus einem zwölfminütigen Mitschnitt hervor, der den Funkverkehr zwischen mehreren Piloten und dem Tower des kolumbianischen Flughafens bei Medellín wiedergibt.

«Keine Antwort mehr»

Als nächstes meldet der Pilot den Ausfall der Elektronik. Deshalb bitte er dringend um eine Navigation Richtung Landepiste – kurz darauf bricht der Kontakt ab. Eine Stimme auf der Aufnahme sagt daraufhin: «Keine Antwort mehr». Das Flugzeug prallt kurz darauf rund 40 Kilometer vor Medellín auf 3000 Metern Höhe in einen Berg.

Die beiden gefundenen Flugschreiber sind nun bereits auf dem Weg nach Grossbritannien, wo Experten der British Aerospace als Hersteller der Avro-RJ-Maschine die Black Box auswerten sollen.

Beim Absturz waren 71 Menschen ums Leben gekommen, sechs Insassen der Maschine überlebten. Fast das gesamte Profiteam des brasilianischen Fussballclubs Chapecoense verstarb bei dem Unglück. Der brasilianische Präsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Verkehrsminister Jorge Eduardo Rojas sagte zu, alle Erkenntnisse über die Unglücksursachen zu veröffentlichen.