Proteste gegen Thailands Regierung eskalieren

Die Massenproteste gegen Thailands Regierung schlagen zunehmend in Gewalt um. Vier Menschen wurden am Wochenende nach Angaben der Behörden in der Hauptstadt Bangkok getötet, Dutzende wurden verletzt. Es handelte sich um die ersten Toten seit Beginn der Demonstrationen vor rund einem Monat.

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Gewalt bei thailändischen Protesten

1:18 min, aus Tagesschau vom 1.12.2013

Gegner von Regierungschefin Yingluck Shinawatra versuchten am Sonntag erneut, die Regierungszentrale zu stürmen. Die Sicherheitskräfte wehrten den Ansturm zunächst ab.

Worum es im Konflikt geht

1:46 min, aus Tagesschau vom 1.12.2013

Teile Bangkoks versanken im Chaos. Dichte Tränengasschwaden zogen über das Regierungsviertel. Andere Protestmärsche hatten den Sitz der Hauptstadt-Polizei und mehrere grosse TV-Sender zum Ziel. Einige Einkaufszentren blieben aus Angst vor Gewalt geschlossen. Mehr als 20'000 Polizisten waren im Einsatz.

Gespräche ohne Ergebnisse

Ein Treffen der Regierungschefin mit dem Anführer der Demonstranten, Suthep Thaugsuban, brachte keine Annäherung. Suthep dazu: «Ich werde Yingluck nicht mehr treffen, bis das Volk gesiegt hat.»

Die Demonstranten wollen die Regierung stürzen. Sie werfen ihr vor, Steuergelder zu verschleudern. Suthep rief alle Beamten auf, nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen. Seine Versuche, Staatsangestellte zu zivilem Ungehorsam zu animieren, waren vergangene Woche gescheitert.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden seit Samstagabend vier Menschen getötet und 57 Menschen verletzt. Die Opfer wiesen demnach Schuss- und Stichwunden auf. Bei mindestens zwei der Toten soll es sich um Unterstützer der regierungstreuen Rothemden handeln. Regierungsgegner und -anhänger machten sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich.

Hassfigur Thaksin

Thailand wird seit Ende Oktober von der heftigsten Protestwelle seit dem Frühjahr 2010 erschüttert. Damals waren bei der Niederschlagung wochenlanger Demonstrationen von Anhängern des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra gegen die damalige Regierung mehr als 90 Menschen getötet worden.

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Armee zurückhaltend

Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, liess die Regierung mehr als 2700 Soldaten aufmarschieren – erstmals seit Beginn der Unruhen. Im aktuellen Konflikt hält sich die Armee, die in Thailands Geschichte schon oft eine Schlüsselrolle spielte, bislang weitgehend zurück. Der Armeechef forderte ein Ende der Gewalt.

Thaksin, der Bruder der heutigen Regierungschefin, war vor gut sieben Jahren durch einen Putsch königstreuer Militärs gestürzt worden. Er lebt im Exil und gilt vielen als Strippenzieher der derzeitigen Regierung.

Die jüngsten Proteste entzündeten sich an einem von der Regierung befürworteten Amnestiegesetz, das Thaksin womöglich die Rückkehr in seine Heimat erlaubt hätte. Der Gesetzentwurf wurde mittlerweile wieder fallen gelassen.

Thaksins Sturz im September 2006 spaltet die thailändische Gesellschaft bis heute. Die Rothemden verfügen besonders in ländlichen Gebieten über grossen Rückhalt. Die Regierungsgegner sind dagegen vor allem bei Beamten und Militärangehörigen sowie Angehörigen der Mittelschicht anzutreffen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Gewalt bei thailändischen Protesten

    Aus Tagesschau vom 1.12.2013

    Die Lage in der thailändischen Hauptstadt Bangkok spitzt sich zu: nachdem die Demonstranten versucht haben den Regierungssitz zu stürmen greift die Polizei hart durch. Inzwischen haben die Proteste zwei Menschen das Leben gekostet, dutzende weitere wurden verletzt.

  • Thailändische Regierungsgegner auf den Strassen

    Aus Tagesschau vom 30.11.2013

    In Thailands Hauptstadt Bangkok sind erneut Tausende Gegner der Regierung auf die Strassen gegangen. Sie wollen so die Regierung zum Rücktritt zwingen.

  • Die Proteste in Thailand reissen nicht ab

    Aus Tagesschau vom 29.11.2013

    Seit Tagen fordern in Thailand zehntausende Demonstranten den Rücktritt der Regierung. Nun sind rund eintausend von ihnen in das Hauptquartier der Armee in Bangkok eingedrungen. Sie hoffen auf einen neuen Militärputsch.