Putschversuch in der Türkei ist gescheitert

Die türkische Regierung hat laut Premier Binali Yildirim wieder die volle Kontrolle im Land. Bei Gefechten in Istanbul und Ankara sind mindestens 265 Menschen getötet worden. Über 1500 Menschen wurden verletzt. Die Ereignisse seit gestern Nacht zum Nachlesen hier im Liveticker.

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Putschversuch Türkei

13 min, aus Tagesschau vom 16.7.2016

Militärputsch in der Türkei

Der Ticker ist abgeschlossen.
  • In der Türkei haben Teile der Armee einen Putsch versucht. Der Aufstand ist gescheitert.
  • Mindestens 265 Menschen sind tot – darunter viele Zivilisten. 1440 Menschen wurden verletzt.
  • 2839 Militärangehörige sind laut Premier Yildirim festgenommen worden. Ferner haben die Behörden 2745 Richter abgesetzt.
  • 22 :58

    Mit einer Analyse des Putschversuchs in der Türkei in einer Sondersendung «Tagesschau Spezial» schliessen wir die Berichterstattung über den Aufstand in der Türkei ab.

    Video «Sondersendung: Putschversuch in der Türkei, 16.07.2016, 20:00» abspielen

    Sondersendung: Putschversuch in der Türkei, 16.07.2016, 20:00

    28 min, aus Tagesschau Spezial vom 16.7.2016

  • 21 :56

    Jubel auf dem Istanbuler Taksim-Platz

    Auf dem Taksim-Platz in Istanbul haben sich etwa tausend Anhänger des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan versammelt und den Sieg über die Putschisten gefeiert. Viele schwenkten die türkische Flagge und riefen «Gott ist gross». Auch auf der Unabhängigkeitsstrasse in Istanbul schwenkten die Menschen Fahnen, Autos fuhren laut hupend die Strasse entlang. Seit den Protesten in der Türkei im Jahr 2013 sind regierungskritische Demonstrationen auf dem Taksim-Platz grundsätzlich verboten.

  • 21 :04

    Kieser: «Erdogan kann sich nun als Retter der Demokratie darstellen»

    Die Türkei habe den Einfluss der Armee bewusst beschnitten, erklärt Türkei-Experte Hans-Lukas Kieser. Dies sei Dank der EU-Annäherung gewesen. «Das war ja Erdogans Verdienst.» Der Aufmarsch mit Panzern habe aber schlechte Erinnerungen geweckt an alte Aufstände. «Selbst die Oppositionellen, die bitter leiden unter der jetzigen Regierung will keinen Putsch», betont Kieser. Erdogan könne sich nun als der Retter der Demokratie darstellen.

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    Einschätzung von Türkei-Experte Hans-Lukas Kieser

    2:10 min, vom 16.7.2016

  • 20 :42

    Demonstrationen vor dem türkischen Konsulat in Zürich

    Vor dem türkischen Generalkonsulat in Zürich haben sich mehrere hundert Personen eingefunden: Sie drückten nach dem gescheiterten Putschversuch ihre Unterstützung für Präsident Recep Tayyip Erdogan aus. Dutzende Teilnehmer der spontanen Demonstration, zu der unter anderem auf Facebook aufgerufen worden war, hatten sich türkische Flaggen um die Schultern gehängt. Andere trugen T-Shirts, auf denen Erdogan abgebildet war.

    Die Stadtpolizei war vor Ort und sperrte die Weinbergstrasse im Bereich des Generalkonsulats während der Demonstration ab. Die beiden betroffenen Tramlinien der VBZ wurden umgeleitet. Bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag war es beim Konsulat zu einer kleinen Demonstration gekommen.

  • 20 :27

    Wer profitiert vom gescheiterten Putschversuch?

    Fast der einzige der im Putschversuch einen Zitat «Segen Gottes» sieht ist Präsident Erdogan selbst. Er sieht jetzt die Chance gekommen die Armee zu säubern. Korrespondentin Inga Rogg spricht im «Echo der Zeit» über die Auswirkungen der jüngsten Ereignisse in der Türkei.

  • 20 :04

    Erdogan will Gülens Auslieferung

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verlangt von den USA die Auslieferung oder Festnahme des Predigers Fethullah Gülen. Erdogan wandte sich mit seiner Forderung direkt an US-Präsident Barack Obama. Wenn die USA und die Türkei tatsächlich strategische Partner seien, müsse Obama handeln, sagte der türkische Präsident bei einer Ansprache vor Anhängern in Istanbul.

    Derweil hält es der in den USA lebende türkische Geistliche Fethullah Gülen für möglich, dass der Putschversuch inszeniert war. Er forderte die Bevölkerung der Türkei auf, eine militärische Intervention nicht in einem positiven Licht zu beurteilen. Eine Demokratie könne durch militärisches Vorgehen nicht erreicht werden, sagt er.

  • 19 :53

    Werner Van Gent: Auslieferung der Militärs ist nicht einfach

    «Die Regierung möchte selbstverständlich die Militärs so schnell wie möglich loswerden,» erklärt SRF-Korrespondent Werner van Gent. Aber zum einen gebe es kein Auslieferungsabkommen zwischen der Türkei und Griechenland und zum anderen hätten die Soldaten um politisches Asyl ersucht. «Es ist ein grosses politisches Dilemma.»

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    Einschätzung von Werner Van Gent

    1:49 min, vom 16.7.2016

  • 19 :37

    Michael Schramm: Erdogan wird jetzt Armee säubern

    «Erdogan ist stärker denn je,» sagt Michael Schramm von der ARD. Erdogan wolle die Armee jetzt säubern. Der Ministerpräsident drohte bereits mit der Einführung der Todesstrafe, so der Korrespondent weiter.

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    Einschätzung von Michael Schramm

    2:04 min, vom 16.7.2016

  • 19 :17

    Swiss fliegt ab Sonntag Istanbul an

    Die Swiss fliegt am Sonntag wieder nach Istanbul. Die beiden Flüge in die Stadt am Bosporus würden planmässig durchgeführt, teilte die Fluggesellschaft mit. Am Samstag waren alle Flüge nach Istanbul gestrichen worden. Aufgrund der aktuellen Lagebeurteilung werde Swiss am Sonntag zum normalen Flugbetrieb in die Türkei zurückkehren, heisst es weiter. Swiss-Flüge von und nach Istanbul können aber kostenlos umgebucht werden.

  • 19 :11

    20:05 Uhr: Sondersendung auf SRF1

    SRF sendet eine «Tagesschau Spezial» zum gescheiterten Putschversuch in der Türkei. Die Sendung überträgt srf.ch/news im Live-Stream.

  • 18 :59

    Bundesrat Burkhalter: «Jetzt die gesellschaftliche Versöhnung»

    Bundesrat Didier Burkhalter hat den Putschversuch in der Türkei verurteilt. «Gewalt ist nie ein angemessenes Mittel, um Situationen zu ändern», teilte der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.
    Deshalb verurteile er den Putschversuch, der viele Menschenleben gekostet habe. Er rufe dazu auf, jetzt den Weg der gesellschaftlichen Versöhnung einzuschlagen.

  • 18 :56

    Rasche Wiederaufnahme der Luftangriffe gegen IS von der Türkei aus

    Die USA wollen erreichen, dass die Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat von der Türkei aus rasch wieder aufgenommen werden können. Peter Cook, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, bestätigte, die türkische Regierung habe nach dem Putschversuch den Luftraum für Militärflugzeuge gesperrt. Als Ergebnis seien die Flüge von der Basis Incirlik aus zurzeit gestoppt.

    «US-Vertreter arbeiten mit den Türken daran, die Luftoperationen so schnell wie möglich fortzusetzen», so der Sprecher. In der Zwischenzeit würden die Einsätze gegen den IS umgestellt, um die Auswirkungen der Ereignisse in der Türkei auf die Luftkampagne gegen den IS gering zu halten.

  • 18 :49

    Auch Verfassungsrichter verhaftet

    Der Verfassungsrichter Alparslan Altan befindet sich offenbar in Gewahrsam. Dies berichtet der türkische Privatfernsehsender NTV. Das Verfassungsgericht mit seinen 17 Richtern gilt als Gegengewicht zur islamisch-konservativen Regierung von Staatschef Erdogan.

  • 18 :40

    «Putschgefahr vollständig eliminiert» – Gefahr nicht gebannt

    Laut dem türkischen Verteidigungsminsiter Fikri Isik ist die Putschgefahr in der ganzen Türkei vollständig eliminiert worden. Alle Gebiete des Landes seien unter der Kontrolle der Regierung. Allerdings müsse das Land wachsam sein. Es sei zu früh, um zu sagen, dass die mit dem Putschversuch verbundene Gefahr vollständig gebannt sei.

    Auch Premier Yildirim geht davon aus, dass die Gefahr noch nicht ganz vom Tisch ist. Er ruft die Menschen vor allem in Ankara dazu auf, auf den Strassen auszuharren.

    Derweil beginnt der Putsch nun mit dem Säuberung des Militärs, wie der ehemalige Pentagon-Berater beim Think Tank American Enterprise Institute Michael Rubin im «Echo der Zeit» sagt.

  • 18 :17

    Oberbefehlshaber der Zweiten Armee verhaftet

    Die Türkei sucht nach den Drahtziehern des Putschversuchs. Die Behörden haben General Adem Huduti verhaftet. Er ist der Chef der Zweiten Armee. Er ist damit der ranghöchste Militär, der im Zuge des Putschversuchs inhaftiert wurde. Die Zweite Armee hat ihr Hauptquartier in Malatya und ist für das Grenzgebiet zu Syrien, dem Irak und dem Iran verantwortlich.

  • 17 :47

    Nach Griechenland geflüchtete Soldaten sollen ausgeliefert werden

    Die acht türkischen Soldaten, die mit einem Helikopter nach Griechenland geflüchtet sind, werden «so schnell wie möglich in die Türkei repatriiert», wie der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu via Twitter mitteilt. Griechenland hat die Putschisten in Alexandropolis verhaftet.

  • 17 :42

    Türkische Parteien verurteilen gemeinsam Putschversuch

    Die vier wichtigsten Parteien im türkischen Parlament verurteilen in einer gemeinsamen Erklärung den Putschversuch. Diese Einigkeit sei von unschätzbarem Wert für die Demokratie in der Türkei, heisst es in dem Papier, das vor den Abgeordneten verlesen wird.

  • 17 :32

    Yildirim erklärt 15. Juli zum «Demokratie-Festtag»

    Bei der Sondersitzung des Parlaments hat Ministerpräsident Yildirim der Opposition und türkischen Bürgern für ihre Unterstützung gedankt. Er erklärte den 15. Juli - den Tag des gescheiterten Putsches - zum künftigen «Demokratie-Festtag».

    Yildirim sagte in Ankara: «Ich bedanke mich einmal mehr bei den Führern unserer Parteien, den Fraktionschefs und allen Abgeordneten.» Er betonte zudem: «Ich danke jedem türkischen Bürger, der auf die Strasse gegangen ist, um die Demokratie zu verteidigen. Ich bin so stolz, Teil dieser Nation zu sein.»

  • 17 :22

    Amnesty warnt vor Wiedereinführung der Todesstrafe

    Amnesty International warnt vor einer Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei. «Die Türkei hat sich vereint, um die Rechte gegen eine vermeintliche Junta zu verteidigen», teilte der Türkei-Experte der Menschenrechtsorganisation, Andrew Gardner, auf Twitter mit.

    Eine Wiedereinführung der Todesstrafe würde diesen «Sieg» zunichte machen. Unterstützer von Präsident Erdogan hatten bei Demonstrationen gegen den Putschversuch von Teilen des Militärs in Sprechchören die Todesstrafe für Umstürzler gefordert.

  • 17 :13

    «Vier haben wir umgebracht, jetzt sind wir beim fünften. Hund!»

    Während des Putschversuchs sollen nach unbestätigten Berichten womöglich Soldaten misshandelt oder sogar gelyncht worden sein. Auf einem Video ist etwa ein Soldat zu sehen, der blutüberströmt auf dem Boden liegt. Derjenige, der das Video aufnimmt, sagt auf Türkisch: «Vier haben wir umgebracht, jetzt sind wir beim fünften. Hund!» Schüsse sind zu hören. Andere rufen «Gott ist gross», «Ungläubiger!» und «Krepier!». Mehrere treten auf den leblos wirkenden Körper ein.

    Die Zeitung «Sözcü» berichtet, ein aufgebrachter Mob habe einem Soldaten in Istanbul die Kehle durchgeschnitten. Die Behörden haben den Bericht nicht bestätigt.

    Präsident Erdogan hatte seine Anhänger in der Nacht dazu aufgerufen, auf die Strasse zu gehen und gegen den Putsch zu protestieren.

    Männer greifen einen Reporter an. Bild in Lightbox öffnen.

    Bildlegende: Die Wut der Menschen ist gross: Erdogan-Anhänger schlagen in Ankara einen türkischen Reporter nieder. Keystone