Russisches TV: Ukrainische MiG-29 schoss MH17 ab

«Das ist eine Sensation», ist sich das russische Staatsfernsehen sicher. Satellitenbilder sollen einen ukrainischen Kampfjet neben MH17 kurz vor dessen Absturz zeigen. Doch was ist dieser angebliche Beweis wert?

Ist die vor vier Monaten in der Ostukraine abgestürzte malaysische Passagiermaschine MH17 möglicherweise doch von einem Flugzeug abgeschossen worden? Das russische Staatsfernsehen zeigte pünktlich zum G20-Gipfel in Brisbane angebliche Satellitenaufnahmen eines Kampfjets des Typs MiG-29.

Dieser soll in der Nähe der Boeing-777 am 17. Juli geflogen sein und habe eine Rakete abgefeuert. Das Foto stamme vermutlich von einem britischen oder US-Spionagesatelliten, sagte der erste Vize-Präsident der Russischen Vereinigung der Ingenieure, Iwan Andrijewski. Experten behaupteten in der Sendung zwar, dass die Aufnahme echt sei, Beweise gab es allerdings nicht.

Australien fordert Entschuldigung, Russland neutrale Untersuchung

Die Ermittler der Untersuchungskommission in den Niederlanden hatten bisher keinerlei Hinweise auf ein anderes Flugzeug. Der Hauptverdacht richtet sich gegen die pro-russischen Separatisten, die mit einer Rakete vom Boden aus die Maschine abgeschossen haben könnten.

Das kremlnahe Fernsehen bezeichnete den Bericht über den Abschuss aus der Luft als «Sensation» zum G20-Gipfel. Die neuen Hinweise seien wichtig für die Konfrontation von Putin und Abbott in Brisbane, meinten die TV-Moderatoren. Unter den Opfern waren auch 38 Australier.

Abbott gibt Putin die Schuld an dem Abschuss der Maschine, weil Russland die Separatisten in der Ostukraine unterstützt, und fordert auf dem Gipfel eine Entschuldigung von ihm. Russland hatte dagegen eine unabhängige Untersuchung gefordert, die auch andere Varianten berücksichtigt.

«Hoffnung auf baldige Zusammenarbeit»

Unterdessen können Experten aus den Niederlanden die Suche nach weiteren Wrackteilen des Unglücksflugs MH17 in den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten der Ostukraine fortsetzen. Eine entsprechende Einigung sei unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa getroffen worden, berichtete die niederländische Zeitung «Volkskrant».

Holländische Experten und OSZE-Mitarbeiter bei der Inspektion der Absturzstelle vor wenigen Tagen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Holländische Experten und OSZE-Mitarbeiter bei der Inspektion der Absturzstelle vor wenigen Tagen. Keystone

Die in Charkow wartenden Experten würden «hoffentlich so bald wie möglich die Zusammenarbeit mit den örtlichen Rettungsdiensten beginnen», wird aus der Mitteilung des Ministeriums zitiert.

Bergung bisher äusserst schwierig

Bei dem Absturz der Boeing auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur waren am 17. Juli alle 298 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die meisten Opfer stammten aus den Niederlanden.

Die Maschine war vermutlich von einer Rakete getroffen worden.Da sich viele Wrackteile in dem von Rebellen kontrollierten Teil der Ostukraine liegen, war die Bergung bisher äusserst schwierig. Erst in diesem Monat hatten die Experten weitere Leichenteile und Wrackstücke im Absturzgebiet geborgen.