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International Sarkozy bei Vorwahl-Debatte unter Druck

Im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen gerät Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy immer stärker unter Druck. Am Donnerstagabend lieferten sich die Bewerber erneut einen Schlagabtausch im Fernsehen.

Sarkozy redet bei einer TV-Debatte
Legende: Sarkozy unter Druck: Seine Mitbewerber Kosciusko-Morizet (links) und Poisson warfen ihm Versagen vor. Reuters

Während der Fernsehdebatte warfen mehrere Konkurrenten Sarkozy Entscheidungen aus seinen Amtszeiten als Innenminister und Präsident vor, etwa den Abbau Tausender Stellen bei der Polizei.

Legende: Video Sarkozy über seine Haltung gegenüber Marine Le Pen abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.11.2016.

Sarkozy betonte, bei einer Wahl 2017 nach einer Amtsperiode aufzuhören. Mit dann 67 Jahren würde er 2022 kein weiteres Mal kandidieren, sagte er. Nach derzeitigem Stand hat der ehemalige Premierminister Alain Juppé allerdings die besten Siegeschancen. Auch der 71-jährige Juppé bekräftigte, für nur eine Amtszeit zur Verfügung zu stehen.

Warnung vor Sarkozy

Die bürgerliche Rechte bestimmt ihren Präsidentschaftskandidaten erstmals mit einer Vorwahl, bei der alle Anhänger abstimmen können. Der erste Wahlgang ist für den 20. November angesetzt, die erwartete Stichwahl wäre dann eine Woche später. Die Franzosen wählen ihren nächsten Präsidenten im Frühjahr 2017.

«Nicolas Sarkozy hat 2012 verloren. Wenn wir 2017 siegen wollen, müssen wir Wähler gewinnen, die nicht für ihn gestimmt haben», warnte Nathalie Kosciusko-Morizet, die einzige Frau unter den sieben Bewerbern. Sarkozy setzt in seiner Kampagne auf eine harte Linie in der Sicherheitspolitik, die nach der verheerenden Terrorserie grosse Brisanz birgt. Juppé vertritt dagegen gemässigtere Positionen.

Terrorismus und Flüchtlinge

In der zweiten von drei TV-Debatten plädierte Sarkozy am Donnerstag erneut dafür, Terroristen die französische Staatsbürgerschaft zu entziehen und als gefährlich eingestufte Radikale einzusperren. «Der Rechtsstaat ist dazu da, die Bürger zu schützen», sagte er.

Zugleich wehrte er sich gegen die Vorwürfe zum Abbau von Stellen bei den Sicherheitskräften unter seiner Präsidentschaft 2007 bis 2012. Damals habe er Frankreich vor dem weltweiten Wirtschafts-Debakel nach der Finanzkrise beschützen müssen, sagte Sarkozy.

Auch vor dem Hintergrund der Flüchtlings-Problematik im nordfranzösischen Calais nahmen Kandidaten Sarkozy ins Visier. In dessen Zeit als Innenminister wurde eine Vereinbarung mit Grossbritannien getroffen, wonach britische Grenzkontrollen bereits im Hafen von Calais durchgeführt werden – Juppé und andere wollen diese Vereinbarungen aufkündigen.

Juppé überzeugt

In Calais hatten sich Tausende Migranten in einem Elendslager gesammelt, die illegal nach Grossbritannien gelangen wollten. Vergangene Woche liess die sozialistische Regierung das Camp räumen.

In einer Umfrage im Auftrag des Senders BFMTV hielten 34 Prozent der Befragten Juppé für am überzeugendsten, nur 24 Prozent Sarkozy. Unter den befragten Anhängern der Republikaner lag Sarkozy dagegen aber knapp vorn.

Umfragen

Dem Sieger der Vorwahl der bürgerlichen Rechten werden gute Chancen zugerechnet, in den Élyséepalast einzuziehen. Umfragen lassen für die Präsidentschaftswahl derzeit eine Stichwahl zwischen einem Konservativen und der Rechtspopulistin Marine Le Pen von der Front National als möglich erscheinen.

Die Beliebtheitswerte des sozialistischen Amtsinhabers François Hollande sind im Keller, ob er nochmal antritt, ist noch unklar.

SRF-Korrespondent Charles Liebherr: «Beteiligung ausschlaggebend»

SRF News: Juppé und Sarkozy gelten als Favoriten bei den Präsidentschaftswahlen. Hat sich das bei der zweiten Fernsehdebatte bestätigt?
Charles Liebherr: Ja, das sagen zumindest die Umfragen während und nach der Debatte. Alain Juppé überzeugte am meisten bei einer breiten Wählerschicht im rechten politischen Spektrum bis hin ins Zentrum. Nicolas Sarkozy ist der Favorit der Mitglieder seiner Partei, den Republikanern. Alle anderen Kandidaten landeten weite abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Es bleibt also bei diesem Zweikampf Juppé gegen Sarkozy.
Wie geht es weiter, bis feststeht, wer für die Konservativen für das Präsidentenamt kandidiert?
Der erste Wahlgang findet in gut zwei Wochen statt. Es geht jetzt vor allem darum, zu mobilisieren. Juppé zählt bei diesen Vorwahlen auf eine Teilnahme vieler Wähler aus der politischen Mitte, vielleicht sogar von enttäuschten Wählern der Linken. Sarkozy auf der anderen Seite wünscht sich eine Teilnahme des harten Kerns seiner Partei. Denn für ihn gilt: Je rechter die Wähler sind, desto grösser sind seine Wahlchancen. Es wird also viel davon abhängen, wie hoch die Beteiligung an den Vorwahlen schliesslich sein wird.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Dass Personen wie Sarkozy aber auch Clinton überhaupt zur Wahl zugelassen werden, nachdem beide proaktiv den illegalen Krieg gegen Lybien befürwortet und geführt haben spricht nicht für den "Westen".
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    In Anbetracht der gesellschaftlichen Realitäten und einem Front National (FN), der etwa 30% der Wähler repräsentiert, hört sich das alles was N. Sarkozy, F. Hollande und Co. zum Thema Terrorismus und Migration von sich geben nach "Pfeifen im Walde" an. Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist auch die einst offene Gesellschaft Frankreichs wegen Versagens der Politik nur noch ein kleines Fragment.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Profitgier ud Machthunger, stehen obenan bei vielen Regierungs-Anwärtern!
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