Sarkozy und das Millionenloch bei der UMP

Elf Millionen Euro an ungedeckten Ausgaben aus dem letzten Wahlkampf muss Sarkozys UMP stemmen. Kein Hindernis für den früheren Präsidenten, mit dem Aufritt in der Parteizentrale schon heute Zeichen zu setzen.

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy trifft beim UMP-Hauptquartier in Paris ein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auftritt an der Krisensitzung. Frankreichs ehemaliger Präsident Nicolas Sarkozy trifft beim UMP-Hauptquartier ein. Reuters

So wollte er eigentlich nicht zurückkommen, der frühere «Président de la République». Doch mit der staatlichen Ablehnung seiner Wahlkampfrechnung war das Loch in der Parteikasse der UMP über Nacht um elf Millionen Euro grösser geworden.

Dem Champion der Rechten blieb keine Wahl: Sarkozy stellte der UMP heute publikumswirksam einen Scheck über 7500 Euro aus, das gesetzliche Maximum für eine Parteispende. Aber keine Rede davon, dass er einen Teil des Millionenschadens selber tragen könnte.

Für das «Animal politique» war der heutige Auftritt bei der krisengeschüttelten UMP nicht nur die Gelegenheit, die Parteikollegen aufzumuntern. Vor allem konnte er auch seinen Führungsanspruch anmelden.

UMP in der Krise

Denn die UMP steckt nicht nur in finanziellen Schwierigkeiten, sie ist auch zerstritten und kopflos: Weder der neue Präsident Jean-François Copé noch der frühere Premierminister François Fillon konnten sich als anerkannte Autoritäten etablieren. Der selbstmörderische Streit zwischen Copé und Fillon um den Vorsitz ist allen noch in schmerzhafter Erinnerung.

UMP-Wählerinnen und Wähler räumen in Umfragen regelmässig Sarkozy die besten Chancen bei den nächsten Wahlen ein. Politologen bezweifeln jedoch, dass der Abgewählte ein taugliches Erfolgsrezept hat. Er steht für einen Rechtsrutsch der Partei, für die Anbiederung bei den Wählern des rechtsextremen Front National (FN). Dieser wiederum gewinnt in letzter Zeit aber vor allem Stimmen auf Kosten der Sozialisten. Die UMP müsse sich nicht als Kopie des FN präsentieren, sondern als Alternative, warnen deshalb Politologen.

Nicolas Sarkozy meldet sich zurück

1:51 min, aus Tagesschau vom 8.7.2013

Retter in der Not?

Sarkozys Rückkehr ist echt und falsch zugleich. Echt, weil er wirklich zurück an die Macht will. Falsch, weil es dafür viel zu früh ist. Sarkozy wird nach der heutigen Krisensitzung der Partei wieder von der Bildfläche verschwinden, damit er sich bei den nächsten Wahlen in vier Jahren als Retter der Partei präsentieren kann.

Fürs Erste aber hat er die Partei nicht nur politisch, sondern auch finanziell an die Wand gefahren. Trotzdem lässt es sich von den Seinen in der Krise feiern. Freund und Feind sind sich sicher, dass der «Napoléon» der UMP es nicht erwarten kann, in die politische Arena zurückzukehren.

brut