Saudi-Arabien richtet bekannten schiitischen Geistlichen hin

Saudi-Arabien hat eine Reihe von Todesurteilen vollstreckt. Nach Angaben staatlicher Medien wurden 47 Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet. Unter den Toten ist auch ein hochrangiger schiitischer Geistlicher.

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Saudi-Arabien vollstreckt umstrittene Todesurteile

1:36 min, aus Tagesschau vom 2.1.2016

Saudi-Arabien hat 47 Menschen hingerichtet. Wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA berichtete, wurden die Todesstrafen wegen Terrorismus und Anstiftung zur Gewalt vollstreckt.

Prominenter Geistlicher unter den Hingerichteten

Riad verteidigte die Hinrichtungen mit der Begründung: «Diese Gruppe folgte den Fussstapfen des Teufels. Durch ihre terroristischen Taten ist unschuldiges Blut vergossen worden mit dem Ziel, die Stabilität in diesem Land zu erschüttern», zitierte die SPA eine Stellungnahme des Innenministeriums.

Auf diesem Bild von 2012 tragen Demonstranten ein Bild des nun hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf diesem Bild von 2012 tragen Demonstranten ein Bild des nun hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr. Reuters

Unter den Exekutierten ist auch der bekannte schiitische Geistliche Scheich Nimr Baker al-Nimr. Der 55-Jährige spielte eine zentrale Rolle in den Protesten, die 2011 im Zuge des Arabischen Frühlings auch in Saudi-Arabien ausgebrochen waren. Der Aktivist war für seine Unterstützung friedlichen Protests bekannt.

Al-Nimr war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte während der Proteste 2011 die Abspaltung der mehrheitlich schiitischen Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet.

Warnungen aus Teheran

Vor einem Jahr wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

Der Iran warnte Riad im Vorfeld der Hinrichtung al-Nimrs. Sollte das Todesurteil gegen den Geistlichen vollstreckt werden, werde Saudi-Arabien einen «hohen Preis zahlen», sagte der iranische Vize-Aussenminister Hossein Amir Abdollahian. Seine Hinrichtung könnte nun bei der schiitischen Minderheit des Landes erneut für Unruhe sorgen.

Der Graben zwischen Sunniten und Schiiten

2:00 min, aus Tagesschau vom 2.1.2016

Diskriminierte Schiiten

Die meisten der rund zwei Millionen saudi-arabischen Schiiten leben im Osten des Landes. Die schiitische Minderheit klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty hatte in der Vergangenheit kritisiert, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein.

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Al-Kaida-Führer hingerichtet

Auf der Liste der Hingerichteten steht auch Fares al-Schuwail, der Medienberichten zufolge der oberste religiöse Anführer von Al-Kaida in Saudi-Arabien war. Anfang Dezember hatte der Al-Kaida-Ableger im Jemen mit Blutvergiessen gedroht, sollte Riad verurteilte Dschihadisten hinrichten.

Das ultrakonservative Königreich richtete im vergangenen Jahr laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP 153 Menschen hin. Laut Menschenrechtlern waren 2015 so viele Todesurteile vollstreckt worden wie seit 20 Jahren nicht mehr.

«Hexerei als Todesurteil»

Fast die Hälfte der Todesurteile wurde demnach wegen relativ leichten Vergehen ausgesprochen. 63 Menschen seien wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt worden.

In Saudi-Arabien ist für zahlreiche Taten die Todesstrafe vorgesehen, darunter Mord, Vergewaltigung, Drogenhandel und «Hexerei». Die Verurteilten werden entweder öffentlich enthauptet oder erschossen.

Der Anstieg der Zahl von Hinrichtungen geht einher mit der Machtübernahme von König Salman. Er war Ende Januar nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah auf den Thron gestiegen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Anstieg der weltweiten Todesurteile

    Aus Tagesschau vom 1.4.2015

    Amnesty International verzeichnet einen starken Anstieg von gesprochenen Todesurteilen. Vor allem zwei Länder sind für die massive Zunahme verantwortlich: Ägypten und Nigeria. Fragwürdiger Spitzenreiter bleibt China.