Xi zu Besuch bei Merkel Schätzchen und Träumchen machen Politik

Es gilt als grosse Ehre, wenn China einem Land wie Deutschland Pandas überreicht. Ein Geschenk ist es aber nicht.

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Meng Meng oder die Kuscheldiplomatie Chinas

  • Wenn sich ranghohe Politiker am nagelneuen Panda-Gehege im Berliner Zoo zu einem Festakt treffen, hat das einen Grund.
  • Chinas Präsident Xi Jinping überreicht der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel sein Staatsgeschenk: Meng Meng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen).
  • Das Panda-Pärchen traf bereits am 24. Juni in Berlin ein. Inzwischen hat es sich in seinem neuen Gehege eingelebt, das der Zoo für zehn Millionen Euro eigens erbauen liess.
  • Die Pandas sollen dort allerdings nur 15 Jahre verbringen, dann müssen sie wieder zurück – mitsamt ihrem allfälligen Nachwuchs.
  • Denn die Zeiten, als China Pandabären verschenkte, sind endgültig vorbei.
Zwei Piloten der Frachtmaschine schwenken die deutsche und die chinesische Flagge. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosser Bahnhof für die Pandabären auf dem Flughafen Schönefeld in Berlin. Getty Images

Ein Count-Down-Blog, Sondersendungen, Wassersalven der Feuerwehr und Reden von diplomatischen und politischen Honorationen: Die Ankunft von Meng Meng und Jiao Quing am Berliner Flughafen Ende Juni wurde inszeniert wie ein Staatsakt. Das mag auf den ersten Blick verwundern.

Doch der Grosse Panda ist rar: Bei der letzten Zählung 2015 kam man auf 1864 frei lebende Tiere. Pandabären stammen aus einem eng begrenzten Gebiet in China und waren vor rund 25 Jahren vom Aussterben bedroht.

Gefahr vorerst gebannt

1992 richteten die chinesischen Behörden im Rahmen eines Schutzprogramms 40 Reservate für Pandas ein. Zugleich gelang es ihnen, einen erfolgreichen Zuchtbetrieb aufzubauen. «Darauf ist China zu Recht stolz», wie SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi in Schanghai sagt.

Der Grosse Panda ist daher auch ein nationales Symbol des Reichs der Mitte. «Pandas sind beliebt, weil sie niedlich und tolpatschig sind. Sie eignen sich also bestens als Botschafter für China», erklärt Aldrovandi.

Müller spricht vor den Medien. Hinter ihm stehen die beiden Transportboxen, in denen die Pandas zu sehen sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fünf Jahre nach dem Tod des hochbetagten Bao Bao hat Berlin wieder zwei Pandas: Bürgermeister Michael Müller freuts. Getty Images

Bären bleiben Chinas Staatseigentum

Peking wählt allerdings sehr genau aus, wer Tiere bekommt – gute wirtschaftliche Kontakte scheinen dabei von Vorteil, wie das Beispiel Deutschland zeigt. Kanzlerin Merkel hatte vor rund zwei Jahren bei einem China-Besuch das Bären-Thema angeschnitten und auch das Bundesland Berlin verhandelte hinter den Kulissen mit. Man spricht auch von Panda-Diplomatie.

Bis 1982 verschenkte China Pandas als Zeichen des guten Willens und der Freundschaft. Während US-Präsident Richard Nixon in den 1970er-Jahren die Tiere noch als Geschenk erhielt, muss sich Bundeskanzlerin Merkel heute allerdings mit einer Leihgabe begüngen.

Nach 15 Jahren müssen Meng Meng und Jiao Qing also wieder zurück in die chinesische Zuchtstation in China – mitsamt ihren Nachkommen, sollte es denn solche geben.

Zoobesucher schauen in das noch leere Gehege. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Zoo baute ein neues Panda-Gehege mit Pagoden, Kletterspielplatz und Liebestunnel für fast zehn Millionen Euro. Keystone

Nur etwas für reiche Zoos

Diese wertvollen Leihgaben können allerdings nur reiche Zoos verkraften. Der Berliner Zoo musste für das Panda-Bärchen eigens ein Gehege mit Pavillons bauen. Kostenpunkt: zehn Millionen Euro. Die Leihgebühr für die Tiere beträgt jährlich eine Million Euro.

Trotzdem sei es für Deutschland und andere Länder «eine grosse Ehre, die Pandas als Leihgabe zu erhalten», ergänzt Aldrovandi. Denn der Grossteil des Geldes fliesst in den Artenschutz und die Panda-Forschung.