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International Scharon ist beerdigt – der Konflikt geht weiter

Mit einem feierlichen Militärbegräbnis ist Ariel Scharon beigesetzt worden. Sein Grab befindet sich nahe dem Gazastreifen. Nach dem Gedenken wurde Israel wieder von der Gegenwart eingeholt. Es flogen Granaten.

Legende: Video Scharons letztes Geleit abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.01.2014.

Israel hat sich mit einem feierlichen Militärbegräbnis von Ariel Scharon verabschiedet. Im Beisein von Gästen aus aller Welt wurde der Politiker und Militär neben seiner im Jahre 2000 gestorbenen Frau Lily begraben. Acht Generäle trugen den in eine blau-weisse Flagge gehüllten Sarg zum Grab auf Scharons Schikmim-Farm in der Negev-Wüste.

Der 85-Jährige war am Samstag nach acht Jahren Koma gestorben. Scharon, von 2001 bis 2006 Israels Regierungschef, hinterlässt zwei Söhne und mehrere Enkelkinder. Zahlreiche Trauergäste legten Kränze an dem Grab nieder, darunter auch US-Vizepräsident Joe Biden.

Gedenkfeier in Jerusalem

Am Vormittag hatte die Staatsführung bei einer emotionalen Gedenkfeier vor dem Parlament in Jerusalem Abschied von dem früheren Ministerpräsidenten genommen. Alle Redner würdigten den umstrittenen Politiker und Militär als historische Persönlichkeit und grossen Kämpfer.

Legende: Video Trauerfeier für Ariel Scharon abspielen. Laufzeit 00:55 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.01.2014.

Biden sagte, Israels Sicherheit sei Scharons Lebenswerk gewesen. Für die Schweiz nahmen alt Bundesrat Samuel Schmid und der Schweizer Botschafter in Israel, Andreas Baum, an der Trauerfeier teil.

Der von Scharon 2005 durchgesetzte Abzug aus dem Gazastreifen sei eine «schwere und umstrittene Entscheidung» gewesen, sagte Biden, der auch Scharons Söhnen Omri und Gilad sein Beileid aussprach. Scharon habe immer hartnäckig für Israels Sicherheit gekämpft und deshalb sei klar, «warum er den Spitznamen «Bulldozer» bekommen hat».

«Einer der grössten Kämpfer des Volkes Israel»

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beschrieb Scharon bei der Trauerfeier als einen der Gründerväter Israels. Scharon sei «einer der grössten Kämpfer des Volkes Israel und der israelischen Armee» gewesen.

Staatspräsident Schimon Peres würdigte Israels 11. Ministerpräsidenten als «Freund, Anführer und Kämpfer». «Heute nehmen wir Abschied von dir», sagte Peres, der Scharon bereits als jungen Geschichtsstudenten kennengelernt hatte. «Du warst die Schulter, auf der die Sicherheit unseres Volkes ruhte.» Scharons Leben sei «mit der Geschichte des Staates (Israel) verwoben».

Der Nahost-Gesandte Tony Blair sagte, Scharon habe eine umfassende Friedenslösung in der Region angestrebt. «Er hat nicht als Träumer nach Frieden gestrebt, aber er hat von Frieden geträumt.»

Soldaten senken den Srag mit Ariel Scharon in die Erde.
Legende: Ariel Scharon ist nahe dem Gazastreifen beerdigt. Das Begräbnis fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Keystone

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Scharons Schikmim-Farm liegt unweit des palästinensischen Gazastreifens. Das Begräbnis fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Israels Armee war auf die Möglichkeit vorbereitet, dass militante Palästinenser versuchen könnten, während der Zeremonie Raketen auf Israel abzufeuern.

Nach Medienberichten wurde in der Nähe der Farm eine weitere Batterie des Raketenabwehrsystems «Eiserner Dom» aufgestellt. Im Jahre 2007 hatte eine Rakete das Anwesen getroffen.

Palästinenser im Gazastreifen hatten Scharons Tod gefeiert. Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete libanesische Milizen 1982 Hunderte Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ermordet. Dem damaligen Verteidigungsminister Scharon wurde später eine Mitschuld vorgeworfen.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Urs Schmidlin, Riehen
    Man konnte auch lesen (Ulrich W. Sahm): "Die Kombination der amerikanischen und palästinensischen Geheimdokumente bezeugt, dass es durchaus Absprachen zu dem Rückzug gab, und dass es keineswegs ein „unilateraler“ Schritt Sharons war. Der schwere Vorwurf gegen Sharon in zahlreichen Nachrufen und von linken wie rechten Israelis, mit seinem „einseitigen Schritt“ den Weg zur Machtübernahme der Hamas in Gaza bereitet zu haben, erweist sich als falsche Einschätzung" usw. (Findet man im Netz).
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