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International Schlittern die USA in einen neuen Irak-Krieg hinein?

Die USA haben über kurdischem Gebiet in der Nähe der Stadt Erbil Luftwaffenangriffe ausgeführt. Dies geschah wenige Stunden, nachdem Präsident Barak Obama grünes Licht gab für limitierte militärische Einsätze im Irak. Es war ein Entscheid, der ihm schwer fiel. Er könnte fatale Konsequenzen haben.

Mit versteinerter Miene verkündete US-Präsident Barak Obama frühmorgens das, was er nie hatte tun wollen. Lange hatte er sich dem Ruf der irakischen Regierung nach US-Kampfeinsätzen widersetzt.

Obama war einer der wenigen US-Politiker, der 2003 einen Angriff auf Bagdad ablehnte. Er versprach in seiner Wahlkampagne der kriegsverdrossenen Bevölkerung, die Truppen nach Hause zu bringen.

Noch letzte Woche lehnte Obama einen US-Militärschlag gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ab. Doch der Vorstoss der Dschihadisten am vergangenen Wochenende sowie die Berichte verhungernder und verdurstender Menschen, die vor dem sicheren Tod flüchteten, haben ihn gezwungen zu handeln.

«Obama müsste internationalen Druck ausüben»

Nun ist Barak Obama der vierte US-Präsident in Folge, der Angriffe auf irakisches Gebiet anordnet. Die Vergangenheit holt die Vereinigten Staaten ein.

Legende: Video Ma abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.08.2014.

Wie gross ist die Gefahr, dass sich die Luftangriffe zu einem grösseren US-Engagement in der Region ausweiten? «Laut den Militärstrategen, mit denen ich heute sprechen konnte, ist diese Gefahr gering», sagt Karin Bauer, SRF-Korrespondentin in New York.

Obama habe ja bewusst eine Politik der Nadelstiche angekündigt, er wolle den Genozid verhindern an der kurdischen und christlichen Minderheit im Irak, und er wolle auch das eigene Botschaftspersonal beschützen.

«Friedhof amerikanischer Ambitionen»

Da stelle sich eher die Frage nach dem Nutzen der Luftschläge. «Schaffen sie es, das Terrorregime der IS-Kämpfer einzudämmen? Hier wäre sehr viel mehr Aktion nötig», sagt Karin Bauer. «Obama müsste internationalen Druck ausüben und Staaten wie den Iran, die Türkei und auch die Golfstaaten einbinden, um auf die irakische Regierung einzuwirken, damit endlich eine mehrheitsfähige Regierung gebildet wird, die dann ihrerseits gegen die IS vorgehen könnte.»

Das Zweistromland sei ein «Friedhof amerikanischer Ambitionen», schreibt die Zeitung «New York Times» heute. Die innenpolitischen Reaktionen waren bisher positiv, sogar führende Republikaner unterstützen die Einsätze gegen die Dschihadisten.

Barak Obama versprach, dass die Angriffe gezielt und limitiert sein werden. Ziel sei der Schutz bedrohter Minderheiten wie der Christen und der Jesiden sowie des US-Personals in den Städten Erbil und Bagdad. Die Vereinigten Staaten würden keinen breit angelegten Luftkrieg gegen die Dschihadisten führen. Es sei Aufgabe der irakischen Streitkräfte, diese zu besiegen.

Schon wieder ein Irak-Krieg?

Das Pentagon unterstützt die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga seit Monaten mit Geheimdienstinformationen, Militärstrategen und Waffen. Obama appellierte an Bagdad, rasch einen neuen Premierminister einzusetzen.

Was aber, wenn die irakische Regierung schwach bleibt, wenn die militärische Unterstützung nicht ausreicht, um das Vorrücken der islamistischen Gotteskrieger zu stoppen? Dann würde sich aus den gezielten US-Angriffen rasch eine umfassendere Militäroperation gegen die Dschihadisten entwickeln. Die USA würden wohl oder übel in einen weiteren Krieg im Irak hineingezogen.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Blum, Basel
    Schlittern die USA in einen neuen Irak Krieg hinein? Ist das euer Ernst? Das einst so starke und stolze Land wird seit dem Golf Krieg systematisch von den USA durch Kriege demontiert und ist heutzutage nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst und nur noch ein einziger Trümmerhaufen. Seit 34 Jahren leidet dieses Volk aufgrund von Habgier nach seinen Rohstoffen. Die Schlagzeile oben ist wirklich nicht mehr zu überbieten.
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    1. Antwort von Peter Meier, Zürich
      Genau wie Ihre unglaublich einseitige Sichtweise
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Die haben diesen Schlamassel zu verantworten, also sollen sie ihn auch ausbaden. Schade nur, dass man davon ausgehen muss, dass sie's auch diesmal nur noch schlimmer machen werden. Die US Aussenpolitik seit dem 2. Weltkrieg: eine einzige Katastrophe, die Millionen Menschen völlig unnötigerweise das Leben gekostet haben. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Einmal mehr bin ich mit dem Beitrag von SRF gar nicht zufrieden: Die USA unterstützen den "alten u. zuverlässigsten Verbündeten", die Kurden, mit gezielten Luftschlägen. Das ist nötig, da USA, wohl die Peschmerga seinerzeit bewaffneten, aber nicht mit mod. Waffen. Eine Luftwaffe war für die Kurden auch ein Tabu. Offenbar ist des P. Imboden egal ob im Irak Christen und Yessidis masakriert werden oder nicht. Ich bin entsetzt über einen so oberflächlichen Artikel, nichtsagend u. wenig hilfreich.
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Die USA erzählt, was sie will und mit sturer Realitätsverweigerung und massloses Selbstverherrlichung. Ist doch nichts Neues.
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    2. Antwort von Walter Bertschinger, Rüti
      Christen und Pfauenanbeter haben dort nichts zu suchen, die sollen sich in Israel niederlassen.
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Die USA hat vor allem im 1. Irak-Krieg die Menschen der unterschiedlichen Religionen gegen einander aufgewiegelt & aufgehetzt. Dann sind sie abgezogen, haben ein riesiges Chaos hinterlassen. Somit haben sie einen Neuen Nährboden für die ISIS geschaffen. Ironie: Dank der Amerikaner sind sie heute wieder so mächtig geworden.
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    4. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @W. Bertschinger: Ich denke Sie wissen dass die chald. Christen schon länger in diesen Gebieten leben als selbst die Leute welche sich zum Islam bekennen. Die Yesiden sind bereits seit 4000 Jahren dort sesshaft und deren Religion ist uralt. Meine Frage an Sie: weshalb sollen sich diese Minderheiten in Israel sich niederlassen?
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