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Veränderte Bedrohungslage Schweden will Wehrpflicht wieder einführen

Strammstehen heisst es bald wieder für junge Schweden. Das Land fühlt sich insbesondere durch Russland bedroht.

Legende: Video Schweden kehrt zur Wehrpflicht zurück abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die schwedische Regierung will im Sommer die Wehrpflicht wieder aktivieren.
  • Die veränderte Sicherheitslage sowie eine mögliche Bedrohung durch Russland werden als Gründe angegeben.
  • 2010 hatte Schweden die Wehrpflicht ausgesetzt. Seither hatte die Armee mit personellen Engpässen zu kämpfen.

Angesichts einer möglichen Bedrohung durch Russland will Schweden die Wehrpflicht in diesem Sommer wieder einführen. Dies sagte Verteidigungsminister Peter Hultqvist der schwedischen Nachrichtenagentur TT. «Die Regierung will eine Art der Rekrutierung, die stabiler ist, und unsere militärischen Fähigkeiten ausweiten, weil die Sicherheitslage sich geändert hat», führte der Minister aus.

Peter Hultqvist.
Legende: Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist. Reuters

Mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht sollen auch die Personalbestände der Armee gesichert werden. «Wir haben Schwierigkeiten gehabt, die Kampfeinheiten auf freiwilliger Basis zu bemannen», so Hultqvist.

Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass alle, die nach 1999 geboren wurden, wehrpflichtig sind. Von den 13'000 betroffenen Schweden sollen 4000 abhängig von ihren Fähigkeiten und ihrer Motivation am 1. Juli den elfmonatigen Wehrdienst antreten.

Breite politische Unterstützung

Das Gesetz benötigt zwar die Zustimmung des Parlaments. Sowohl die eher linke Regierung als auch die Mitte-Rechts-Opposition unterstützen aber das Vorhaben.
2010 hatte Schweden die Wehrpflicht ausgesetzt, nachdem sie als unpassend für ein modernes Militär befunden wurde. Es ist bereits 200 Jahre her, dass ein bewaffneter Konflikt auf schwedischem Boden stattfand.

Schwedische Soldaten auf einem Fahrzeug.
Legende: Nachwuchsprobleme im Schwedischen Militär sollen bald der Vergangenheit angehören. Keystone

Ähnlich wie Finnland kooperiert auch Schweden militärisch mit den USA, die ebenfalls Bedenken wegen Russlands verstärkten militärischen Aktivitäten in Nordeuropa geäussert haben. Im vergangenen Jahr beschuldigte Finnland seinen östlichen Nachbarn, mit zwei russischen Kampfflugzeugen in seinen Luftraum eingedrungen zu sein.

Schweden ist zwar nicht Teil der Nato, gehört aber – wie auch die Schweiz – der «Partnerschaft für den Frieden» an, einem 1994 gestarteten Programm zur militärischen Zusammenarbeit zwischen der Nato und Nicht-Mitgliedsländern. Russland hat sowohl Schweden als auch Finnland davor gewarnt, dem Verteidigungsbündnis beizutreten.

Das sagt SRF-Nordeuropa-Mitarbeiter Bruno Kaufmann:

Seit der Annexion der Krim und dem Krieg in der Ostukraine ist Russland in den Fokus der öffentlichen Sicherheitsdiskussion geraten. Ein Beispiel: Noch vor zwei Jahren half das schwedische Militär den Russen, im Meer eine Gasleitung an der Insel Gotland vorbei zu bauen. Jetzt, beim Bau einer zweiten Leitung, werden die Schweden nicht mehr mithelfen. Im Gegenteil: Sie sehen die russische Präsenz als Bedrohung und haben wieder Soldaten auf Gotland stationiert. Bemerkenswert ist, dass die Wehrpflicht in Schweden jetzt von einer Rot-Grünen Regierung wieder eingeführt wird; und dass damit ein Beitritt zur Nato vom Tisch ist. Ein solcher hätte die Einführung einer Berufsarmee bedingt.
Legende: Die Insel Gotland liegt in der Ostsee vor Scheden. srf

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    @ N. Bächler: Wenn Sie in den USA die Stimmung gegen Russland ansehen, dann ist der kalte Krieg nicht nur wieder da, sondern die Situation wird weiter eskaliert (McCain, Clinton u.a.). Spätestens seit dem Putsch in der Ukraine haben die USA in Taten und Worten mehrmals Russland den Krieg erklärt. Trump versprach anfänglich Entspannung mit Russland. Seither sind die Zeichen widersprüchlich. Es scheint, er könnte von seinem Versprechen abgerückt sein bzw. dazu gezwungen worden sein.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Schweden braucht mehr Sicherheitskräfte, allerdings kaum wegen der "russischen Bedrohung" sondern wegen der diversen No-go-zones in Schweden selbst. Die Gewerkschaft der Rettungssanitäter fordert in gewissen Gebieten permanenten Polizeischutz für ihre Einsätze. Die Forderung hat etwas zu tun mit den Folgen einer nicht ganz glücklich verlaufenden Integration gewisser Immigranten.
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  • Kommentar von Roland Gadient (Roland Gadient)
    Dieses Land verhält sich auch gleich uninteligent wie die Schweiz, möchte auch überall dabei sein, aber nirgends richtig und dann noch mit USA/NATO sympatisiert. Muss sich nicht wundern, dass sich Russland herausgefordert vorkommt und immer wieder mit militärischen Nadelstichen Schweden testet. Als Antwort darauf meint S es müsse sich mit der Kriegstreiber NATO noch verbünden und noch ein Feindbild zu Russl. aufbauen. Russland wird die Nordstaaten kaum angreifen wenn sie sich neutral verhalten.
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