Separatistische Gegen-Parade in Donezk

Die pro-russischen Separatisten haben 50 gefangene ukrainische Soldaten in einem Marsch durch Donezk vorgeführt. Ein klarer Verstoss gegen die Genfer Konvention. Solche Aktionen befeuern die Befürworter einer militärischen Lösung des Konflikts, sagt SRF-Korrespondent Christoph Franzen.

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Gefangenenmarsch in Donezk

0:27 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 24.8.2014

Zum Unabhängigkeitstag der Ukraine war Kiew in blau-gelb gehüllt. Zur Feier des Tages veranstaltete die Regierung eine grosse Waffenschau. Gleichzeitig hielten die pro-russischen Separatisten in Donezk eine eigene «Parade» ab.

Rund 50 gefangene Regierungssoldaten wurden öffentlich durch die Grossstadt geführt. Hunderte Menschen standen aufgereiht an der Strasse um die Soldaten zu sehen. Einige warfen Gegenstände auf die Gefangenen und bezeichneten sie als Mörder und Faschisten.

Wie 1945: Gefangene als Faschisten bezeichnet

Während des ganzen Umzugs hätten die Aufständischen die gefesselten und sichtlich eingeschüchterten Männer mit Bajonetten bedroht. Dies berichtete das ukrainische Nachrichtenportal Ostro.

Zuvor hatten die Separatisten mehrere ausgebrannte Panzer und Lastwagen der Armee auf dem zentralen Leninplatz gezeigt.

SRF-Korrespondent über das Zur-Schau-Stellen der Gefangenen

1:18 min, aus Tagesschau vom 24.8.2014

«Das war eine Anlehnung an die Siegesfeier der Roten Armee 1945 in Moskau», erklärt SRF-Korrespondent Christoph Franzen den Vorfall. Damals mussten die gefangenen Wehrmachtssoldaten über den Roten Platz laufen und wurden als Faschisten beschimpft.

«Aber diese Tat heute muss man ganz massiv verurteilen», so Franzen. Sie zeige aber auch, welche Kräfte inzwischen im Lager der pro-russischen Separatisten mitwirken würden. «Wir haben dort extremistische, nationalistische und national-bolschewistische Kräfte aus Russland. Berufskämpfer aus Tschetschenien. Und – wie die Ukrainer sagen – immer mehr Geheimdienstkräfte und reguläre Soldaten aus Russland.»

Dies erkläre möglicherweise auch, warum eine Mehrheit der Ukrainer wolle, dass diese Situation mit militärischen Mitteln gelöst werde. Aber: «Das alles macht die Situation sehr explosiv.»

Gemäss der Genfer Konvention ist die öffentliche Zurschaustellung von Kriegsgefangenen ausdrücklich verboten.

Erneute Gefechte

Auch am Sonntag waren die ukrainische Armee und pro-russischen Separatisten in schwere Kämpfe verwickelt. Allein in Donezk kamen dabei mindestens sieben Menschen ums Leben.

Am Stadtrand von Donezk schlug eine Granate in einem Krankenhaus ein, dabei wurden zwei Menschen getötet. Zahlreiche Patienten retteten sich in den Keller. Im Zentrum von Donezk kamen weitere zwei Zivilisten ums Leben, teilte die Stadtverwaltung mit.