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International Sepp Blatter und die Liebe zu seinen Nächsten

Ohne Ausschreibung kam ein Unternehmer wiederholt zu Aufträgen der Fifa. Er ist der Ehemann von Sepp Blatters langjähriger rechten Hand, die zuletzt im Rang einer Direktorin bei der Fifa arbeitete. Laut Recherchen von «10vor10» analysiert jetzt die Fifa-Ethikkommission die Verträge.

Legende: Video Das System Blatter abspielen. Laufzeit 05:08 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.11.2016.

Dokumente, die «10vor10» vorliegen, zeigen, dass in den letzten Jahren immer wieder der gleiche Unternehmer lukrative Aufträge der Fifa erhalten hat. Es ist der Ehemann von Joseph Blatters früherer persönlichen Assistentin. Zuletzt war sie Fifa-Direktorin und gehörte damit dem Top-Management des Weltfussballverbandes an.

Laut Informationen von «10vor10» analysiert die Fifa-Ethikkommission derzeit die Verträge und muss dann entscheiden, ob sie ein formelles Verfahren eröffnet oder nicht.

Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter winkt lachend in die Kamera.
Legende: Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter (Archivbild). Keystone

WM-Stadien, Fifa-Museum, Hauswartung am Hauptsitz

Bei den Aufträgen für den Ehemann handelt es sich vorwiegend um Projektleitungen: Überwachung der Bauten der WM-Stadien in Südafrika (WM 2010), Brasilien (WM 2014) und Russland (2018). In Zürich war der Ehemann Gesamtprojektleiter beim Bau des Fifa-Museums in Zürich sowie beim Umbau und der Sanierung des Fifa-Hotels Ascot in Zürich. Die verschiedenen Aufträge gingen fast nahtlos von einem zum nächsten über.

Seit zehn Jahren schon betreibt der Ehemann das Facility Management am Fifa-Hauptsitz «Home of Fifa» in Zürich, also die Hauswartung. Den Auftrag erhielt er nur kurze Zeit, nachdem er dafür ein eigenes Hauswartungsunternehmen gegründet hatte.

Für Monika Roth, Rechtsprofessorin an der Hochschule Luzern und Expertin für Good Governance, also gute Unternehmensführung, ist klar: «Das macht man einfach nicht, Angehörige von Angestellten derart zu bevorzugen.» Sie würde gerne wissen, warum das so gewesen ist. «Waren alle Vergleichsofferten immer viel schlechter? Aber so oder so: Es ist schlechter Stil.»

Unternehmer wehrt sich

Laut Fifa wurde der Unternehmer jeweils «mit den Aufgaben betraut» – ohne Ausschreibung. Er habe gute Arbeit geleistet, allerdings müssten jetzt unter der neuen Führung von Gianni Infantino alle Dienstleistungen ausgeschrieben werden.

Der Unternehmer selber lässt ausrichten, dass die Geschäftsbeziehung mit der Fifa bereits bestanden habe, bevor er seine Frau, die Fifa-Direktorin, kennenlernte. «Die Fifa ist aufgrund unseres Leistungsausweises an uns herangetreten», sagt er und weist alle Vorwürfe zurück.

Sepp Blatter hat Fragen nicht beantwortet

Geschäfte mit nahestehenden Personen, das sei in der Fifa ein oft gesehenes Muster gewesen, sagt Bruno Affentranger. Der Wirtschaftsjournalist war der erste Biograf von Sepp Blatter. «Es ist natürlich ein Verhalten, das man sonst im Lokalen bei kleinstunternehmen antrifft: Dass man Geschäfte macht mit seinen Nächsten und nicht mit dem Preisbesten oder dem, der weltweit die beste Qualität verspricht.» Aber das sei kein Verhalten, das man bei globalen Unternehmen sehen sollte.

Affentranger sagt, ihm selber seien Fälle bekannt aus dem Sportrechtehandel oder dem TV-Rechtehandel-Bereich, in welchen Bekanntschaften den Ausschlag gegeben hätten, und nicht der «best price».

Für Rechtsprofessorin Roth könnten die Verträge gar strafrechtlich relevant sein, «nämlich dann, wenn man sieht, dass keine Vergleichsofferten eingeholt worden sind und man zu hohe Preise bezahlt hat». Solche Ermittlungen würden sich gegen Blatter und/oder andere Fifa-Funktionäre richten.

Sepp Blatter hat auf E-Mails von «10vor10» zwar reagiert, inhaltlich aber keine Stellung zu den Vorwürfen genommen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Wir sollten uns schleunigst TTIP, TISA- und CETA-Verträge in die Schweiz holen, dann gehen künftig ganz sicher alle lukrativen Aufträge ins Ausland - denn das ist einer der Gründe, warum solche "Dienstleistungs-und Freihandelsabkommen" so gepuscht werden.
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  • Kommentar von Esther Gisler Fischer (la Pasionara)
    Das ist nicht einfach "schlechter Stil", sondern muss schlicht und einfach als Korruption bezeichnet werden!
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  • Kommentar von Kurt Wirz (kw)
    Die Strukturen der Fifa haben so einen wie Blatter und sein Treiben zugelassen. Wenn man das jetzt nachhaltig ändert, wird das Ganze auch etwas übersichtlicher und transparenter. Solche Veränderungen muss man wollen, durchführen und kontrollieren. Korruption ist auch in der Schweiz ein allgegenwärtiges Thema.
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