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International So stürmte die Polizei den Nachtclub in Orlando

Nach dem Attentat auf einen Club in Orlando sind neue Details zum Polizeieinsatz bekannt geworden: Nach misslungener Sprengung musste die Polizei mit einem Fahrzeug ein Loch in eine Wand rammen. Daraufhin verliess auch der Attentäter den Club.

Legende: Video Suche nach dem Warum abspielen. Laufzeit 01:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.06.2016.

Die Polizei hat zur Befreiung der Geiseln des Todesschützen von Orlando mit einem gepanzerten Fahrzeug ein Loch in die Aussenmauer gerammt. Polizeichef John Mina sagte, die Beamten hätten erst versucht, ein Loch in die Wand zu sprengen, um Menschen zu befreien, die der Todesschütze in einen Waschraum gesperrt habe.

IS-Bekenntnis über Polizeinotruf

Die Explosion habe jedoch nicht ausgereicht, um einen Fluchtweg freizusprengen. Deshalb seien die Polizisten dann mit dem Fahrzeug gegen die Mauer gefahren. «Wir hatten zu diesem Zeitpunkt den Eindruck, dass sonst der Tod weiterer Menschen zu erwarten gewesen wäre», fügte Mina hinzu. Anschliessend hätten sich zahlreiche Besucher des Nachtclubs durch das Loch ins Freie gerettet. Auch der Todesschütze habe das Gebäude durch dieses Loch im Mauerwerk verlassen. Dabei habe er weiter um sich geschossen.

Zuvor hatte sich der Angreifer zum sogenannten Islamischen Staat bekannt. Wie Polizeichef Mina mitteilte, hatte der Mann nach den ersten Schüssen beim Polizeinotruf 911 angerufen und ein Bekenntnis abgeliefert. Am Sonntag hatte es noch geheissen, der Angreifer habe sich vor seiner Tat zum IS bekannt.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.06.2016.

Kein klares Bild des Täters

Ein eindeutiges Bild des Täters gebe es noch nicht, sagt SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen in Orlando. «Dieser Täter hat sich offenbar ideologisch ein bisschen überall bedient. Er soll sich vor ein paar Jahren als Sympathisant der schiitischen Hisbollah ausgegeben haben und jetzt für den sunnitischen IS.» Das ergebe irgendwie keinen grossen Sinn.

Direkte Kontakte zu diesen terroristischen Gruppen habe man ihm bisher nicht nachweisen können. «Es wird sicher noch eine Weil dauern, bis wir ein klareres Bild davon haben, was diesen Mann angetrieben hat.»

FBI hatte Täter bereits im Visier

Nach dem blutigsten Schusswaffenattentat in der jüngeren Geschichte der USA gehen die Ermittler Hinweisen auf ein islamistisches Motiv nach. Die Bundespolizei FBI hatte den mutmasslichen Attentäter nach eigenen Angaben 2013 wegen Terrorverdachts im Visier.

Sie stellte die Beobachtung des Mannes nach zwei Vernehmungen aber wieder ein. In den Stunden nach der schockierenden Tat, bei der in der Nacht auf Sonntag in einem beliebten Schwulen- und Lesbenclub in Orlando 49 Menschen ihr Leben verloren und 53 weitere verletzt wurden, gaben Angehörige und Bekannte Details aus seinem Leben bekannt.

«Aufbrausend und bisweilen gewalttätig»

Er wurde 1986 in New York als Sohn afghanischer Einwanderer geboren. Sein Vater nannte im Sender NBC Hass auf Schwule als mögliches Motiv, religiöse Beweggründe schloss er aus. Sein Sohn habe sich zuletzt über einen Zwischenfall aufgeregt, als sich zwei Homosexuelle vor den Augen seiner Familie geküsst hätten.

Der Attentäter arbeitete für die weltgrösste Sicherheitsfirma G4S. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, er habe im Dienst immer eine Waffe tragen müssen. Die Tatwaffe erwarb der Schütze FBI-Angaben zufolge vermutlich legal.

Seine Ex-Frau bezeichnete den 29-Jährigen als instabilen, aufbrausenden und bisweilen gewalttätigen Menschen. Er sei ein praktizierender Muslim gewesen. «Es gab aber keinerlei Anzeichen» für eine Radikalisierung.

Der Attentäter habe drei bis vier Mal pro Woche am Abendgebet der Moschee seines Wohnorts Fort Pierce teilgenommen, berichtete der dortige Imam Syed Shafeeq Rahman. Er hätte «niemals erwartet», dass der Mann eine solche Tat begehen könnte, sagte der Imam. Vielleicht habe er sich unbemerkt im Internet radikalisiert.

FBI-Ermittler Ronald Hopper sagte vor Journalisten, der 29-Jährige habe 2013 vor Kollegen Andeutungen gemacht, die «an eine mögliche Verbindung mit Terroristen denken liessen». Ausserdem sei gegen ihn wegen möglicher Kontakte zu einem US-Selbstmordattentäter ermittelt worden.

Obama: «Ein Akt des Hasses»

Er sei zweimal vernommen worden, sagte Hopper. Danach sei der Verdacht fallengelassen worden. Der IS verbreitete eine kurze Erklärung. Darin hiess es: «Der bewaffnete Angriff, der einen Nachtclub für Homosexuelle in Orlando, Florida, zum Ziel hatte und mehr als 100 Tote und Verletzte zurückliess, wurde von einem Kämpfer des Islamischen Staats ausgeführt». Beweise wurden aber nicht angeführt.

US-Präsident Obama wollte sich in einer ersten Reaktion nicht zu den mutmasslichen Tatmotiven äussern. «Wir wissen aber genug, um sagen zu können, dass dies ein Akt des Terrors und des Hasses war», sagte Obama.

Die Tat von Orlando ist der schwerste Terrorakt in den USA seit den Attentaten vom 11. September 2001. Sie gilt zudem als blutigste Tat eines Einzelschützen in der modernen US-Geschichte. Das Attentat ereignete sich während des Gay Pride-Monats, in dem im ganzen Land Homosexuellenparaden und Feste stattfinden. In New York ordnete Bürgermeister Bill de Blasio zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen an.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Dieser Vorfall, zusammen mit dem Fakt dass der Typ bereits eine bekannte Nummer beim FBI war, spricht glasklar gegen verstärkte Überwachung der Bürger. In diesem Fall hatten nämlich die Behörden jegliche gesetzliche Grundlage die nötig gewesen wäre um mehr zu tun, aber sie taten es dennoch nicht. Wenn wir die Erlaubnis zu Überwachung im grossen Stil ausweiten dann steigt die Datenmenge enorm an und die Wahrscheinlichkeit dass in diesem Berg von Daten die relevante Information auftaucht, sinkt!
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    1. Antwort von Thomas Schweizer (Der Römer)
      Nein, das FBI hat ihn überwachen lassen, aber ein Gesetz demnach alle Terrorverdächtigen in Untersuchungshaft müssen erscheint mir nötig.
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  • Kommentar von Thomas Schweizer (Der Römer)
    Dank der Professionalität der Swat Teams in den USA und junger Polizisten konnten viele Menschen gerettet werden ! Hat die Schweiz Swat-Trucks ? Die USA braucht zwar mehr junge Polizisten, bei manchen Behörden ist das Durchschnittsalter gegen 50 und die Cops werden im hohen Alter natürlich zu unsportlich, wie der eine Feuerwehrmann bei uns in der Nachbarschaft. Trotz allem muss die Schweizer Polizei mehr Gewalt anwenden ! Schaut euch die Niederländische Polizei an ! Genau wie in den USA...
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    1. Antwort von Urs Rohr (Batang)
      Genau Herr Schweizer, mehr Polizeigewalt als Mittel gegen Gewalt. Und bezüglich Gewaltverbrechen die USA als vorbildlich wahrzunehmen ist betreffend Realitätsverlust fast nicht überbietbar. In den Logikstunden wohl einen Fensterplatz gehabt...
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    2. Antwort von Thomas Schweizer (Der Römer)
      @Urs, schauen Sie sich die Niederländische Polizei an! Die Linken Holländer! Die Polizei dort macht Pit-Manoeuvre, genau wie die USA, und die Polizei in Holland schießt auch öfters! Und ja es nützt, die Kriminalität in den USA ist um 60% gesunken, und jetzt so tief wie nie zuvor! In Schweden oder UK Leben sie heute gefährlicher.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Man hat G. W. Bush massiv kritisiert, als er den "War against Terror" ausrief und dafür eine UN-Resolution (1371) erwirkte. 2009 kündigte die damalige US-Aussenministerin H. Clinton an, dass die US-Regierung den Begriff nicht mehr verwenden werde. 2013 erklärte Präsident B. Obama den "Kampf gegen den Terror" für beendet. Offenbar eine fatale Fehleinschätzung!
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    1. Antwort von Willy Gruen (wgruen)
      Eine Fehleinschätzung, da Sie anscheinend keinen Unterschied zwischen 'Krieg' und 'Kampf' machen wollen. In Wirklichkeit hat sich Bush massiv geirrt als er sie Losung 'Mission accomplished' heraus gab. Obama hingegen hat mit dem Truppenabzug den Frieden ein wenig sicherer gemacht. Der Kampf gegen den Terror ist damit allerdings nicht beendet.
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