Sonntag der Gewalt in Kiew

Bei Protesten gegen die Regierung in der Ukraine sind mehr als 150 Polizisten und Demonstranten verletzt worden. Vermummte versuchten mit einem Bulldozer einen Polizeikordon zurückzudrängen und griffen Sicherheitskräfte an. Zuvor hatten über 100'000 Personen friedlich demonstriert.

Proteste in der Ukraine

Am Rande der Kundgebung gegen die Regierung ist es in Kiew vor dem Amtsgebäude des ukrainischen Staatspräsidenten zu schweren Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei wurden mehrere Protestierende und bis zu 100 Polizisten verletzt.

Proteste in der Ukraine arten in Gewalt aus

1:14 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 1.12.2013

«Gruppen von Provokateuren warfen Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit, Steine und Feuerwerkskörper», so die Polizei. Einige Krawallmacher versuchten, eine Polizei-Absperrung vor dem Verwaltungssitz des Präsidenten mit einem Bulldozer zu durchbrechen. Ein radikale Gruppe, welche den Nationalisten zugerechnet wird, hat zudem das Kiewer Stadthaus besetzt und den Bürgermeister entführt, sagte Peter Gysling, SRF-Korrespondent in Moskau.

Spezialeinheiten versuchten, die Protestierenden mit Tränengassalven und Blendgranaten vertreiben. Die Opposition distanzierte sich von den Krawallen und gab Provokateuren die Schuld an der Eskalation.

Versammlung auf symbolträchtigem Platz

Zuvor hatten Hunderttausende Befürworter einer EU-Annäherung in Kiew den Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch gefordert. In Sprechchören forderten die Regierungsgegner immer wieder «Revolution» und «Die Ukraine gehört zu Europa».

Auch viele ältere Menschen und Familien mit Kindern waren dabei. Mitglieder der rechtspopulistischen Partei Swoboda (Freiheit) marschierten ebenfalls mit. Der regierungskritische Fernsehsender 5. Kanal sprach von rund 700'000 Teilnehmern.

Regierungsgegner schlugen im Haus der Gewerkschaften am Unabhängigkeitsplatz Maidan ein vorläufiges «Stabquartier der Revolution» auf. «Wir bleiben hier», rief der Chef der rechtspopulistischen Partei Swoboda der Menge auf dem Platz zu. Unbestätigten Berichten zufolge begannen Demonstranten damit, auf dem Platz Zelte aufzustellen wie bei der prowestlichen Orangen Revolution vor neun Jahren. Der Swoboda-Chef rief zudem zum Generalstreik auf.

«Die Ukraine gehört zu Europa»

3:29 min, aus Echo der Zeit vom 01.12.2013

Die aktuelle Gegnerschaft des ukrainischen Präsidenten scheint derzeit sehr entschlossen. Doch laut Peter Gysling, SRF-Korrespondent in Moskau, gilt es im Moment als fraglich, ob die Proteste – nach dem Vorbild der Orangen Revolution von 2004 – von Erfolg gekrönt sein werden.

Denn Präsident Janukowitsch werde wohl mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, sich an der Macht festzukrallen. Zudem verfüge die zersplitterte politische Oppositon im ukrainischen Parlament über keine eigene Mehrheit, so Gysling.

Wirtschaftliche Verluste vermeiden

Präsident Janukowitsch versprach, alles für eine schnelle Annäherung der Ukraine an die EU zu tun. Es gehe aber darum, wirtschaftliche Verluste zu vermeiden. Der Präsident hatte am Freitag auf dem EU-Gipfel zur Östlichen Partnerschaft in Vilnius die Unterschrift unter ein Partnerschaftsabkommen mit der EU verweigert.