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International Sorge vor dem Flächenbrand im Nahen Osten

Israels Luftschlag in Syrien lässt die Sorge vor einem Krieg in der Region wachsen. Syrien und der Iran drohen mit Vergeltung. Die UNO versucht zu beschwichtigen und den Fall zu bewerten. Damaskus hat Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingelegt.

Legende: Video SRF-Korrespondent Pascal Weber über die Situation im Nahen Osten abspielen. Laufzeit 1:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.01.2013.

Berichte über Angriffe des israelischen Militärs nahe Damaskus haben Sorgen vor einer Ausweitung des Syrien-Konflikts geweckt. Syrien und der Iran drohten Israel mit Vergeltung für einen Luftangriff auf strategische Ziele in Syrien. Die Regierung in Damaskus legte bei der UNO Protest gegen Israel ein.

Harte Worte Richtung Israel

Damaskus habe die Mittel, um zurückzuschlagen und den Überraschungseffekt auf seiner Seite, sagte Syriens Botschafter in Libanon, Ali Abdul-Karim Ali. Er könne nicht vorhersagen, wann der Vergeltungsschlag erfolgen werde.

Schild mit der Aufschrift Damascus, 60 km. Daneben die Silhouette einer Silhouettenfigur.
Legende: Es droht ein militärischer Konflikt zwischen den Nachbarländern Syrien und Israel. Keystone/Archiv

Der Iran als eigentliche Schutzmacht des Assad-Regimes und der Hisbollah drohte Israel harsche, aber nicht weiter erläuterte Konsequenzen an. Der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi sprach in seiner Stellungnahme von «brutalen Aggressionen».

Die Arabische Liga verurteilte erwartungsgemäss die Luftangriffe. Die libanesische Hisbollah warf Israel vor, Teil einer «Verschwörung» gegen Syrien zu sein. Das russische Aussenministerium äusserte seine «Besorgnis».

Israel äussert sich nicht

Die Regierung in Jerusalem wollte Angaben nicht kommentieren, nach denen die Luftwaffe am Vortag eine militärische Forschungsanlage und einen Waffentransport angegriffen hatte.

Es sei übliche Praxis, dass Israel aus Sicherheitsgründen solche Einsätze weder bestätige noch dementiere, sagte der Likud-Abgeordnete Zahi Hanegbi, ein Vertrauter von Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Israel habe «immer gesagt, dass eine rote Linie erreicht ist, wenn hochentwickelte Waffen aus dem Iran, Nordkorea oder Russland in die Hände der Hisbollah zu fallen drohen».

Die radikalislamische schiitische Hisbollah-Bewegung, ein enger Verbündeter der Regierungen Syriens und des Irans, hatte Israel wiederholt von Libanon aus mit Raketen angegriffen. Israelische Experten erläuterten, dass nicht nur chemische oder biologische Waffen, sondern auch etwa Langstreckenraketen im Besitz der Hisbollah inakzeptabel seien.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich besorgt über den israelischen Luftangriff im Nachbarland Syrien gezeigt. In einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung rief er alle Beteiligten dazu auf, weitere Spannungen in der Region zu vermeiden und internationales Recht und die Souveränität der Staaten zu respektieren.

Unklarheit über Angriffsziele

Nach syrischen Armeeangaben hatte die israelische Luftwaffe am Mittwoch ein militärisches Forschungszentrum in der Ortschaft Dschamraja nördlich der Hauptstadt Damaskus zerstört. Anwohner bestätigten dies der Nachrichtenagentur AFP. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, auch ein Waffenkonvoi nahe der Grenze zu Libanon sei angegriffen worden, was Syrien bestritt.

Den Vereinten Nationen lägen bislang allerdings noch keine detaillierten Informationen zu dem Luftangriff vor, sagte Ban weiter. «Wir können noch nicht unabhängig bestätigen, was genau passiert ist.»

Liefert die EU bald Waffen an Assad-Gegner?

Zwischen den EU-Regierungen gibt es derweil Streit um die Frage, ob in Zukunft möglicherweise Waffenlieferungen an Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad erlaubt sein sollten.

Nach Angaben von Diplomaten bekräftigten Grossbritannien, Frankreich und Italien bei einem Treffen der EU-Aussenminister  in Brüssel die Forderung, das Ende Februar auslaufende EU-Waffenembargo für Syrien nicht in der bisherigen umfassenden Form zu verlängern. Deutschlands Aussenminister Guido Westerwelle wollte sich nicht näher äussern.

Das EU-Waffenembargo gilt für ganz Syrien, für die Regierung ebenso wie für die Aufständischen. Es läuft automatisch am 1. März aus, sofern es nicht verlängert oder durch einen anderen Beschluss ersetzt wird.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Res Muster, Bern
    Sehr saupere Aktion von Israel. Das Bla Bla der UNO bringt keinen weiter. Der Iran und Syrien sind doch einfach Nester von kranken Islamisten. Darunter leidet am meisten die Zivilbevölkerung. Der Westen soll dann wieder helfen in den Flüchtlingslagern. Wo sind eigentlich die Länder der arabischen Liga mit Hilfsgeldern!!! Aber die rüsten lieber ihre Armeen hoch um die Weltherrschaft voranzutreiben mit Terror und Gewalt.
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  • Kommentar von Walter Staub, Schwerzenbach
    Israel zerstört im eigenen Interesse Anlagen in Nachbarregionen, welche für die Sicherheit Israels eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn die grossen Feinde mit Vergeltungsaktionen drohen, wird das Israel kaum gross beeindrucken. Israel verfügt nach einigermassen zuverlässigen Schätzungen zwischen 120 bis 200 Atomsprengköpfe die über U-Boote oder mit Jericho III-Trägerraketen bis 4000 km und damit weit über Teheran hinaus reichen.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Das stimmt zwar, aber im Gegensatz zu den Hitzköpfen in Teheran, im Libanon - bei den Hisbollah - und im Gaza-Steifen, die diese Waffen ohne Zögern einsetzen würden, wenn sie diese hätten, haben die Israelis sie bis heute noch nie eingesetzt und werden sie auch nie einsetzen, solange es nicht wirklich um Leben und Tod für das ganze eigene Land und Volk geht. Erkennen Sie den feinen Unterschied?
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Saubere Aktion Israels. Israel als einzige Demokratie in der Region muss seinen muslimischen und agressiven Nachbarn unmissverständlich klar machen, dass weder Grenzverletzungen noch Drohungen geduldet werden und wenn nötig auch zu harten Verteidigungsmassnahmen gegriffen wird.
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    1. Antwort von Franz Studer, Uster
      Israel begeht täglich Grenzverletzungen, siehe Westjordanland. Israel spricht permanent Drohungen aus, siehe Angriffspläne gegen Iran. Und ein Angriff auf fremdem Territorium ist keine "Verteidigungsmassnahme". Israel gesteht sich jede Menge "Sonderrechte" zu und meint, es könne tun und lassen was immer es möchte.
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    2. Antwort von H. Girschweiler, 9500 Wil SG
      An F. Studer, tägliche Grenzverletzungen durch Israel im Westjordanland, wo, wann und wie sowie wo steht diese Meldung? Nach Ihnen müsste gestern mind. eine erfolgt sein und heute schon wieder????
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    3. Antwort von Mart Web, Switzerland
      Genau, Herr Studer, so sehe ich - und viele die ich kenne - das auch! Israel denkt, dass sie ein Sonderrecht besitzen. Wer Wind säht, wird Sturm ernten, kann man da nur sagen! @H.Girschenweiler: was sagen Sie denn dazu, dass Israel den Palästinensern das Land illegalerweise wegnimmt? Kümmert Sie das Leid dieser Menschen nicht? Haben diese Leute kein Recht zu Leben in Würde? Ich bin zutiefst angewiedert von dieser einseitigen Haltung!
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    4. Antwort von Fritz Frei, Buriram
      @MartWeb: Die Gebiete, die Israel als seine eigenen betrachtet, sind genauso legitim in ihrem Besitz wie zum Beispiel das Elsass, das nun zu Frankreich gehört. Jemand hat in verabscheuungswürdiger Absicht versucht, die Menschen anderer Länder zu töten und diese Länder von der Landkarte zu entfernen. Dann wurden die Kiregshetzer besiegt, und der "Kriegsgewinn" gehörte den erfolgreichen Verteidigern.
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    5. Antwort von Mart Web, Switzerland
      Geehrter Herr Rritz Frei, also im Elsass wird niemandem täglich das Land weggenommen und auf dem Weg zur Arbeit gegängelt. Die medizinische Versorgung ist in Takt, die Leute dürfen ins Ausland studieren gehen, ihre Häuser liegen nicht in Trümmern.....merken Sie denn nichts?
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