Staatengemeinschaft einigt sich auf Weltklimaabkommen

Der Weltklimavertrag steht: Die Staatengemeinschaft ist sich in Paris einig geworden. Der französische Präsident Hollande sprach von einem «grossen Tag für die Menschheit». Kernstück des Vertrages ist das Versprechen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.

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Einigung am Weltklimagifpel erzielt

1:21 min, aus Tagesschau vom 12.12.2015

Die Pariser UNO-Klimakonferenz hat am Samstagabend eine Vereinbarung zum Kampf gegen den Klimawandel beschlossen.

Damit verpflichten sich erstmals nahezu alle Länder zum Klimaschutz. «Die Pariser Vereinbarung für das Klima ist angenommen», sagte Frankreichs Aussenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius unter dem Jubel der Delegierten.

François Hollande, Laurent Fabius und Ban Ki Moon vereint am Klima-Gipfel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Werk ist vollbracht: ein Erfolg für Präsident Hollande, Konferenzleiter Fabius und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Keystone

Umarmungen und Tränen

Nach einigen Hinweisen auf juristische und sprachliche Änderungen stellte Frankreichs Aussenminister die entscheidende Frage, ob jemand im Saal einen Einwand habe gegen das vorliegende Abkommen. «Ich sehe den Saal, die Reaktion ist positiv, ich höre keine Einwände», sagte Fabius - und damit war das Paris-Abkommen (Paris Agreement) angenommen worden.

Dann folgte minutenlanger stehender Applaus aller und es kam zu Umarmungen und Tränen. Fabius gab kurz darauf den diversen Ländern die Möglichkeit, sich zum Vertrag zu äussern.

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Eckpunte des Vertrags

  • Erderwärmung auf unter 2 Grad begrenzen
  • Fortsetzung der Bemühungen um eine Limitierung auf 1,5 Grad
  • Anstieg der Treibhausgas-Emissionen so schnell wie möglich stoppen
  • Staaten überarbeiten ihre Klimaschutzpläne alle 5 Jahre
  • Technische und finanzielle Unterstützung der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder von jährlich 100 Mrd. Dollar (ab 2020)

An vierter Stelle kam Bundesrätin Doris Leuthard. Sie wandte sich als Sprecherin der Environmental Integrity Group, der neben der Schweiz noch Liechtenstein, Mexiko, Monaco und Südkorea angehörten, an das Plenum. Das Abkommen zeige, dass die Staatengemeinschaft es noch schaffe, zusammenzuspannen. Paris sei nicht das Ende der Bemühungen. Nun liege eine vertrauensbildende Basis vor, um die Treibhausgase zu senken, sagte sie.

Auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa, die als erste das Wort ergriff, bezeichnete den Text als «nicht perfekt». Aber er sei eine solide Grundlage, von der «wir unser verstärktes Handeln mit neuer Entschlossenheit beginnen können», sagte Molewa als Sprecherin einer Gruppe von mehr als 130 Entwicklungs- und Schwellenländern, inklusive Chinas.

Erster globaler Vertrag

Der bisher einzige Klimavertrag, das Kyoto-Protokoll, hatte nur für die Industrieländer Gültigkeit. Und einige der grössten Treibhausgas-Sünder wie die USA hatten bei diesem Vertrag nicht mitgemacht.

Fabius hatte in der Schlussrunde der Verhandlungen in Le Bourget ausserhalb von Paris die Teilnehmer zur Kompromissbereitschaft aufgerufen. Am Freitag waren nochmals beträchtliche Spannungen deutlich geworden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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